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Thomas Bach gewann bei den Olympia 1976 Gold mit dem Florett-Team © getty

Die Glückwünsche kamen von überall, doch im eigenen Land kriegt der neue IOC-Boss nicht nur von Groß und Harting sein Fett weg.

München - Der glanzvolle Erfolg von Thomas Bach bei der Wahl zum neuen IOC-Präsidenten hat nicht nur Lob und Bewunderung hervorgerufen.

Für Skeptiker ist das klare Votum unter anderem die Folge eines langen Ego-Trips, unter dem der nationale Sport leiden musste.

Schwimm-Olympiasieger Michael Groß sprach vom "jahrelangen Taktieren", für die frühere Spitzenathletin Heidi Schüller ist der neue IOC-Chef eben nur "der richtige Strippenzieher". (PORTRÄT: Herr der Strippen)

"Man wundert sich, mit welch sonderbarer Biografie, mit welch sonderbaren Verbindungen, die man eingegangen ist, man dieses Amt bekommt", sagte die frühere Leichtathletin Schüller.

Schwere Vorwürfe

Die 63-Jährige kritisierte Bach vor allem in seiner bisherigen Funktion als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Da waren viele Lippenbekenntnisse und wenig Effizientes. Vielleicht geht es mit einem anderen besser", mutmaßte die Ärztin, die sich nun einen kommunikativeren Präsidenten wünscht.

Nach Ansischt von Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Grünen im Deutschen Bundestag, habe Bach jahrzehntelang auf den IOC-Thron hingearbeitet.

"Er hat dabei, würde ich mal sagen, den deutschen Sport eher vernachlässigt als befördert", sagte von Cramon dem "Deutschlandfunk" und schlussfolgerte: "Er hat ja mit der Karriereplanung im Grunde den deutschen Sport gelähmt."

Groß fordert harte Linie gegen Doping

Der dreimalige Schwimm-Olympiasieger Groß wirft Bach ein "jahrelanges Taktieren für seine eigene Person" vor.

Für Groß, einst Mitglied im NOK-Präsidium, bietet Bachs Wahl an die Spitze des IOC "eine große Chance für den deutschen Sport - nicht, weil er jetzt IOC-Präsident, sondern weil er nicht mehr DOSB-Präsident ist", so der fünfmalige Weltmeister. (BERICHT: Bach ist der Herr der Ringe)

Groß fordert von Bach als IOC-Chef vor allem ein beherzteres Zugreifen in der Doping-Problematik. Er hoffe, dass Bach das Thema "wirklich engagiert angeht und da einige Treffer landet".

Groß, einer der deutschen Stars der Spiele von 1984, schlug vor: "Jeder, der mit Doping betrogen hat, darf nie mehr bei Olympia teilnehmen - das wäre wirklich abschreckend."

Harting gratuliert mit Humor

Einen Seitenhieb konnte sich auch Bachs Chefkritiker Robert Harting nicht verkneifen. (BACH: Das packt mich immer noch)

"Seine nun internationalen Aufgaben erlauben ihm zudem ein sicherlich nur sehr beschränktes Engagement beim DOSB. Ich könnte mir zukünftig eine Zusammenarbeit mit dem DOSB gut vorstellen, soweit sich dort neue Perspektiven ergeben", sagte der Diskus-Olympiasieger aus Berlin und meinte an Bach gewandt:

"Lieber Thomas, egal, wo du jetzt wohnst, Monaco, St. Tropez oder in TBH (Tauberbischofsheim), ich komm gerne auf 'ne Currywurst oder einen Kaffee vorbei."

Gauck fasst sich kurz

Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD) fordert, dass das IOC "endlich nach innen und nach außen zu einer transparenten Organisation entwickelt werden" muss.

Die Olympischen Spiele dürften nicht länger vornehmlich unter der Prämisse ungezügelter Kommerzialisierung und Gewinnmaximierung für das IOC stattfinden.

Freitag: "Der Sport hat eine starke Stimme, die endlich genutzt werden muss - zum Wohle der Werte des Sports."

Vor dem Hintergrund all dieser Erwartungen, die an den neuen IOC-Chef gerichtet wurden, liest sich das Glückwunschschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck einfach und verständlich. Das Staatsoberhaupt verzichtete auf die üblichen Lobhudeleien und Endlos-Glückwünsche und meinte: "Für Ihr Wirken wünsche ich Ihnen Glück, Geschick und Sportsgeist."

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