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Thomas Bach war von 2006 bis 2013 Präsident des DOSB
Der neue IOC-Präsident Thomas Bach wird Nachfolger von Jacques Rogge © getty

DOSB-Generaldirektor Vesper gilt als Favorit für die Nachfolge des neuen IOC-Chefs. Eine Beförderung könnte am Geld scheitern.

München - Thomas Bach verlässt am Montag die Kommandobrücke des deutschen Sports.

Nach seiner Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees IOC übernimmt DOSB-Vizepräsident Hans-Peter Krämer interimsmäßig den Chefsessel im Deutschen Olympischen Sportbund.

Täglich verstärken sich die Spekulationen um den künftigen DOSB-Chef. Drei Fachverbands-Präsidenten, denen Ambitionen nachgesagt werden, gelten ebenso wie DOSB-Generaldirektor Michael Vesper nicht unbedingt als mehrheitsfähig.

Ex-Schwimm-Star Michael Groß zählt zu denen, die sich "jemanden von außen, der unabhängig ist", als Präsident wünschen.

Wettlauf gegen die Zeit

Die Zeit der Lösung drängt, immerhin steht schon am 30. September die Frage an, ob sich der DOSB nach dem gescheiterten Anlauf für 2018 mit München um Olympische Winterspiele 2022 bewerben soll.

Eine Aufgabe, die Krämer auch zusammen mit Michael Vesper angehen könnte.

Quartett im Gespräch

Neben Vesper sind drei andere im Gespräch um die Bach-Nachfolge: die DOSB-Vizepräsidentin Sport und Chefin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), Christa Thiel, der Sprecher der Spitzenverbände, Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), sowie Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Ski-Verbandes (DSV).

Auf Anfrage der "Rheinischen Post" hat DOSB-Vize Walter Schneeloch Bereitschaft zur Kandidatur signalisiert.

Bach selbst hält sich offiziell heraus aus seiner Nachfolge-Regelung. Anscheinend hat er aber Sympathien für die Lösung Michael Vesper.

Das Problem: Der hauptamtliche DOSB-Generaldirektor, der im Jahr nicht weniger als 250.000 Euro verdienen soll, wäre nur ein ehrenamtlicher Präsident.

Unlukratives Ehrenamt

Und es scheint schwierig, ihm eine "goldene Brücke" zu bauen.

"Eine solche Konstruktion halte ich derzeit für ausgeschlossen", sagt Hans-Peter Krämer, der laut Satzung als Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen Interimspräsident des DOSB wird.

Krämer: "Wir haben das Prinzip des ehrenamtlichen Präsidenten. Jeder erhält im Monat auf Nachweis bis zu 250 Euro Aufwandsentschädigung, auch Thomas Bach."

Krämer: "Angesichts der konservativen Einstellung von Verbandsvertreten würde es Jahre dauern, bis eine Satzungsänderung herbeigeführt werden könnte."

Schneeloch bestätigt: "Für mich ist es nicht vorstellbar, dass der DOSB von einem hauptamtlichen Präsidenten geführt wird. Das wäre ein fatales Signal an unsere Basis."

DOSB auf Rosen gebettet

Krämer lässt durchblicken, dass eine solche Lösung nicht grundsätzlich an der Finanzsituation des DOSB scheitern würde, auch wenn die Mittel für die vielfältigen Aufgaben knapp seien.

"Das Vermögen des DOSB geht gen zweistellige Millionenhöhe, nachdem der Verband bei der Gründung 2006 nach der Fusion vom Deutschen Sportbund und dem Nationalen Olympischen Komitee im Minus stand", sagte der 72-Jährige.

Krämer will Amt nicht dauerhaft

Wie lange Krämer Interims-Präsident wäre, ist unklar.

"Auch aufgrund meines Alters stehe ich für die Zukunft nicht zur Verfügung", sagt der frühere Banker und heutige Präsident der Deutschen Krebshilfe.

Krämer: "Ich bleibe entweder bis zur Mitgliederversammlung Anfang Dezember in Wiesbaden im Amt oder ein Jahr länger bis zum Ende der Wahlperiode des aktuellen Präsidiums."

Krämer schweigt zu Namen

Dies sei abhängig davon, wie schnell ein Nachfolger gefunden werde.

"Wenn dieser schon 2013 das Amt übernimmt, sollte es ein überzeugender Kandidat sein, bei dem ziemliche Sicherheit besteht, dass er 2014 im Amt bestätigt wird."

Krämer merkt an: "Wenn der neue Präsident erst ein Jahr später kommt, hätte das den Vorteil, dass er sich seine Mannschaft in Ruhe aussuchen kann."

Zu den kursierenden Namen sagt Hans-Peter Krämer nichts. "Noch niemand hat offiziell erklärt, dass er für das Präsidentenamt kandidieren will. Vielleicht gibt es dazu kommende Woche in Frankfurt mehr."

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