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Alfons Hörmann ist seit 2005 Präsident des deutschen Skiverbandes © imago

DSV-Präsident Alfons Hörmann schließt bei SPORT1 eine Kandidatur für den DOSB-Vorsitz aus und setzt lieber zur Generalkritik an.

Aus Ruhpolding berichtet Andreas Kloo

Ruhpolding - Es klang wie eine Bewerbungsrede, die Alfons Hörmann auf die Frage von SPORT1 von sich gab.

Ob er für das Amt des DOSB-Präsidenten zur Verfügung stehe, lautete die Frage an den Präsidenten des deutschen Skiverbands (DSV) bei einem Pressetermin in Ruhpolding.

Doch anstatt die Frage zu beantworten, zählte Hörmann zunächst detailliert die strukturellen Schwächen innerhalb des DOSB auf.

"Das Problem ist nicht so zu lösen, in dem ein Name nach dem anderen genannt wird", sagte Hörmann.

Strukturelle Bestandsaufnahme gefordert

Zunächst einmal müsse der DOSB eine Bestandsaufnahme machen, um dann eine strukturelle Diskussion zu führen.

"Es muss zuerst über grundsätzliche strukturelle Themen diskutiert werden statt über Personen", forderte Hörmann.

Der DOSB müsse sich vor allem inhaltlich neu aufstellen.

Hörmann sprach gar von einer Herkulesaufgabe für den Bach-Nachfolger.

Noch schlimmer als bei Steinbrück

Er nannte drei Themen, die der DOSB mit Hochdruck angehen müsse: den Bereich Schule und Sport, die Beschaffung finanzieller Mittel und die Rahmenbedingungen für den Leistungssport.

Vor allem bei letzterem Punkt bestehe "dringender Handlungsbedarf". Hörmann sagte den möglichen Bewerbern auch einen harten Wahlkampf voraus und erinnert dabei an ein Zitat des derzeitigen SPD-Kanzlerkandidaten.

"Die Beinfreiheit des möglichen Kandidaten wird noch geringer sein als bei Steinbrück."

Wegen dieser unschönen Aussichten stellte Hörmann schließlich doch klar: "Ich fühle mich im DSV wohl und akzeptiert und sehe keinerlei Grund, mich in die immer länger werdende Bewerberliste einzureihen."

München 2022 als Herzensangelegenheit

Er wolle sich weiterhin auf seine Aufgaben beim DSV konzentrieren.

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Mit der Münchner Olympia-Bewerbung für 2022 hat Hörmann dort alle Hände voll zu tun.

"Diesem Thema möchte ich mich weiter voll widmen, mittlerweile ist es eine Herzensangelegenheit für mich", stellte er klar.

Warnung vor Selbstgefälligkeit

Deshalb reagierte Hörmann auch emotional auf Rückschlüsse aus der Bach-Wahl auf den Erfolg der Münchner Bewerbung.

Er sei schockiert über Aussagen, die den Bach-Sieg bei der IOC-Wahl als sichere Steilvorlage für eine deutsche Bewerbung bezeichneten. (PORTRÄT: Herr der Strippen)

Die "Ausstrahlung, die der deutsche Sport und Thomas Bach hat", sei zwar ein Vorteil, sagte Hörmann: "Aber ich warne dringend davor, auf diese Karte zu setzen. Das wäre hochgefährlich, sich in eine solche Selbstgefälligkeit zu begeben."

Ganz im Gegenteil, man müsse "noch akribischer, noch geschlossener arbeiten und Kräfte bündeln", forderte der Skiverbandsboss.

Bach muss Neutralität wahren

Gleichwohl wollte Hörmann aber auch die Stimmen nicht überbewerten, die Bachs Präsidentenamt als Nachteil sehen. "Die Pro- und Contra-Effekte heben sich auf", meinte Hörmann. (BERICHT: Kritik an Bach hält an)

Dennoch betonte er: "Thomas Bach muss die gebotene Neutralität wahren. Er wird sicher nicht mit der deutschen Fahne durch die Welt laufen und den Promoter für deutsche Interessen machen. Das wäre ein sportpolitischer Fehler, den er sich nicht erlauben kann."

Das hatte auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude mit Bedauern festgestellt.

"Als neuer IOC-Präsident und fairer Sportsmann" könne Bach "eine mögliche Münchner Bewerbung natürlich nicht mehr vorantreiben".

Angst vor deutscher Dominanz

Einen weiteren möglichen Nachteil sprach DLV-Präsident Clemens Prokop im Gespräch mit SPORT1.fm an.

"Es gibt einige, die sagen, wenn schon der Präsident aus Deutschland kommt, dann sollten nicht so schnell Olympische Spiele nach Deutschland vergeben werden", meinte der Leichtathletik-Funktionär.

Prokop sagte aber auch: "Letztendlich entscheidet über den Erfolg der Bewerbung einzig und allein die Qualität. Die kann nicht ergänzt oder ersetzt werden durch Einflussnahme hinter den Kulissen."

An der Qualität der Bewerbung will Hörmann nun weiter feilen. Nachdem Bachs Kandidatur den DOSB in den letzten Wochen stark beschäftigt hatte, sei Zeit verlorengegangen.

"Jetzt müssen wir damit loslegen, dass im Verbund gearbeitet wird", forderte er.

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