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Thomas Bach ist der neunte Präsident in der Geschichte des IOC © getty

Für den IOC-Chefsessel gibt der Deutsche zig Funktionen auf und besucht gleich einen antiken Ort. Doch es gibt auch Druck.

München - Rücktrittsstress und Antrittsprozedur:

Bevor Thomas Bach am Dienstag in Lausanne erstmals auf dem Chefsessel des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Platz nimmt, erhält er wichtige Papiere von Amtsvorgänger Jacques Rogge, führt erste Gespräche mit dem Direktorium des Ringe-Ordens und präsentiert sich dem Mitarbeiter-Stab.

Vor dem für Montagabend geplanten Flug an den Genfer See eröffnete Thomas Bach in der Heimat den Reigen seiner Demissionen, so als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Der 59 Jahre alte Jurist gibt eine ganze Serie an Funktionen auf. "Rund ein Dutzend in verschiedenen Bereichen", sagt Bach.

Bach gibt Chefposten bei der Ghorfa ab

Darunter ist auch der Chefposten der arabisch-deutschen Handelskammer Ghorfa.

Wie das sportpolitische Internetportal "Insidethegames" berichtete, hatte das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles über die Vereinten Nationen Druck gemacht, um Thomas Bach zum Rücktritt vom Ghorfa-Vorsitz zu bewegen.

Doch "Insidethegames" weist darauf hin, dass Bach bereits vor seiner Wahl zum IOC-Chef den Verzicht auf diesen Posten (seit 2006) angekündigt hatte.

Bach war wegen seiner Position als Ghorfa-Präsident in die Kritik geraten, da diese Institution den Boykott israelischer Waren betrieben haben soll.

Inzwischen hat das deutsche Wirtschaftsministerium laut Büro Bach klargestellt, dass die Ghorfa keine anti-israelische Politik betrieben habe, auch nicht den angeblichen Boykott.

Auch beim CAS keine Funktion mehr

Zurücktreten wird Bach auch als Vorsitzender des Beirates der Melius GmbH (seit 2008), als Aufsichtsrats-Mitglied der Nürnberger Versicherung AG Österreich sowie als Mitglied des Beirates der Bartec GmbH (beides seit 2009).

Darüber hinaus legt Bach seine Funktion beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne nieder.

Der neue IOC-Chef hatte bereits vor seiner Wahl angekündigt, er wolle nur noch Aufsichtsratsvorsitzender der Weinig AG in Tauberbischofsheim werden.

Investoren des Unternehmens sitzen in Kuweit, wo auch Scheich Ahmad al Sabah zu Hause ist, der sich in den Medien als großer Unterstützer der Bach-Wahl bezeichnet hatte.

Erste Dienstreise nach Olympia

Auf den neuen Präsidenten, der in Lausanne erst einmal im Luxus-Hotel Palace residieren wird, seinen Wohnsitz bei Herzogenaurach und das Büro in Tauberbischofsheim aber behalten will, kommen dann die großen Aufgaben zu.

Seine erste Reise, dies hat Bach angekündigt, wird ihn am 29. September zur Entzündung des olympischen Feuers für die Winterspiele 2014 in Sotschi (7. bis 23. Februar) ins antike Olympia führen.

Treffen mit Putin geplant

Noch keinen Termin genannt hat Bach für die Reise an den Schauplatz der ersten Spiele seiner Amtszeit und das beabsichtigte Treffen mit Russlands Staatspräsident Wladimir Putin, dessen Anti-Homosexuellen-Gesetz ihm noch einigen Ärger bereiten könnte.

Bach wiegelt ab: "Hier gibt es entsprechende Zusagen der russischen Regierung, auch des Staatspräsidenten, dass die Olympische Charta vollen Respekt genießt."

Confed Cup als warnendes Beispiel

Auch vor den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro will Bach den Dialog suchen.

"Ich werde rechtzeitig nach Brasilien reisen, um hier mit der Regierung Gespräche zu führen", sagt Bach vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es beim Fußball-Confed-Cup im Sommer zahlreiche Proteste der Bevölkerung gegen die ihrer Meinung nach viel zu hohen Kosten für die WM 2014 und Olympia gab.

Doping als Kernproblem

Zu bewältigen ist auch dies: Die Modernisierung des olympischen Programms, bei der Bach die Vielfalt der Sportarten eher noch steigern, aber die Zahl ihrer Disziplinen verringern möchte.

Und die Kriterien verändern, nach denen künftig Olympische Spiele vergeben werden.

Kandidaten sollen schon früh die Chance erhalten, ein individuelles Konzept zu entwickeln, das auch stärker ihrer Kultur entspricht.

Und er muss das Dopingproblem besser in den Griff kriegen, dessen unbefriedigende Lösung immer mehr zur Vertrauenskrise gegenüber dem IOC und dem gesamten Sport führt.