Acht Monate vor Olympia im eigenen Land steht Gastgeber Großbritannien sportpolitischer Ärger ins Haus.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA droht dem Nationalen Olympischen Komitee Großbritanniens BOA durch ihren Präsidenten John Fahey mit Sanktionen.

Gegenstand des Streits ist die Ankündigung des BOA, man wolle vor Olympia in London (27. Juli bis 12. August 2012) an der sogenannten Osaka-Regel festhalten, auch wenn diese im Oktober vom Internationalen Sportgerichtshof CAS abgeschafft worden sei. Die WADA fordert die Briten deshalb in einem Brief an BOA-Chef Colin Moynihan auf, die neuen Realitäten zu akzeptieren.

Mit dem Fall der Osaka-Regel sind bislang für Olympia gesperrte Athleten wie US-Sprinter LaShawn Merritt oder Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin Claudia Pechstein für London 2012 bzw. die Winterspiele in Sotschi 2014 startberechtigt.

Auf britischer Seite betrifft es 60-m-Hallen-Weltmeister Dwain Chambers. Sein Fall dürfte einen Rechtsstreit heraufbeschwören, wenn die BOA ihn nicht bei den Olympia-Ausscheidungen starten lässt oder ihm trotz Qualifikation den Start bei den Spielen verweigert.

Die Osaka-Regel besagte, dass Athleten nicht beim nächsten Olympia starten dürfen, wenn sie im vorausgegangenen Vier-Jahres-Zeitraum mehr als sechs Monate wegen Dopings gesperrt waren. Laut CAS-Urteil ist die Startsperre an sich Strafe genug, ein Olympia-Bann wäre als zusätzliche Sanktion nicht regelkonform.

Ähnlich wie die Briten ist auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht begeistert von der CAS-Entscheidung, das hat Präsident Jacques Rogge bereits deutlich gemacht. "Wir sind natürlich ein wenig enttäuscht, weil die Regel die sauberen Athleten geschützt hat. Genau das ist unsere Philosophie, weil wir im Anti-Doping-Kampf eine Null-Toleranz-Politik fahren", sagte der IOC-Chef.

Rogge kündigte an: "Wir werden versuchen, bei der nächsten Änderung des Anti-Doping-Codes der WADA neue Formulierungen zu verwenden. Die Änderung wird bis November 2013 vorgenommen."

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