Nach einer Bestandsaufnahme in Rio de Janeiro hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Druck auf den Gastgeber der Sommerspiele 2016 erhöht.

"Wir müssen mit Fristen arbeiten, und in einigen Fällen ist schon zu erkennen, dass es eng wird", sagte die marokkanische Leichtathletik-Olympiasiegerin Nawal El Moutawakel, Chefin der IOC-Koordinierungs-Kommission, am Ende des fünften offiziellen Kontrollbesuchs in Brasilien.

Der Sportkomplex Deodoro (u.a. Fechten, Hockey, Schießen, Pferdesport) hinke komplett dem Zeitplan hinterher.

Die U-Bahnlinie zwischen den Sportstätten an der Barra da Tijuca und der südlichen Hotelzone, die erst kurz vor den Spielen in Betrieb genommen werden soll, brauche einen Notfallplan.

Zudem monierten die IOC-Inspekteure das weiterhin fehlende Dokument über die Verteilung der Verantwortlichkeiten zwischen den drei Regierungsebenen.

"Die Arbeiten in Deodoro fielen zunächst unter die Obhut der Bundesregierung, wurden dann an die Landesregierung abgegeben und stehen jetzt unter der Verantwortung der Stadt. Damit haben wir viel Zeit verloren", erläuterte Gilbert Felli, IOC-Exekutivdirektor für Olympische Spiele.

Den am Samstag von der Tageszeitung "Estado de Sao Paulo" veröffentlichten IOC-Geheimbericht, wonach die Spiele gar in Gefahr seien, wollte Felli nicht überbewerten.

"Das ist ein Dokument über Risiko-Management, und keins, um das örtliche Organisationskomitee zu kritisieren", erklärte der IOC-Funktionär.

Wegen der engen Fristen würden einige Projekte bis zum Schluss mit der Alarmstufe Rot gekennzeichnet bleiben.

Die von den Rio-Machern angedachte Verlegung des Kanu-Slaloms ins gut 1400 Kilometer entfernte Foz de Iguacu, die noch ungeklärte Wettbewerbsstätte der Wasserballer und der Streit über die Zielankunft der Radsportler sorgen bei den Herren des IOC zusätzlich für Sorgenfalten auf der Stirn.

Auch die Protestbewegungen im Juni während des Confed Cups der Fußballer wurde intensiv beobachtet.

"Wir sind für friedliche Kundgebungen, wollen aber auch unsere Sportler schützen. Wir wünschen uns, dass die Athleten ihre Länder in Ruhe vertreten können", mahnt El Moutawakel zum Abschluss der zweitägigen Visite.

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