Thomas Bach will im Fall seiner Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) das Bewerbungsverfahren für Olympische Spiele ändern.

Das kündigte der 59 Jahre alte Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung an.

"Wir sollten als IOC den Bewerber-Städten nicht mehr alles vorgeben, sondern die Städte sollten selbst Vorschläge machen, wie Olympische Spiele in ihrem Kulturkreis am besten passen", sagte Bach wenige Tage vor der Wahl am 10. September in Buenos Aires. Dadurch erreiche man eine größere Vielfalt in der Gestaltung der Spiele.

Darüber hinaus liegt ihm die Sicherung der Glaubwürdigkeit am Herzen, "sowohl des IOC als auch im Kampf gegen Doping, Wettbetrug und Korruption". In diesen Dingen müsse es eine Null-Toleranz-Linie geben. Außerdem, so Bach, sei er für eine Öffnung des IOC:

"Den Mitgliedern des IOC sollen mehr Möglichkeiten gegeben werden, an Entscheidungen mitzuwirken." Er wolle auch "stärker die Diskussion mit anderen Teilen der Gesellschaft wie Kultur, Politik und Wirtschaft suchen. Da gibt es sicherlich viel Nachholbedarf."

Neben der Jugend ("Weltweit sollen wieder mehr Jugendliche Sport treiben") steht vor allem das Thema Doping in Bachs Fokus. Die Kontrollen auf internationaler Ebene müssten "noch zielgerichteter" erfolgen, sie müssten "abgestimmt sein auf Trainingszustand oder Alter, so wie wir das in Deutschland in großen Teilen schon praktizieren".

Zum zweiten sollte man sich, so Bach, "verstärkt der Anti-Doping-Forschung zuwenden. Der dritte Punkt: Das IOC drängt auf Verschärfung der Strafen."

Das wirkliche Gift beim Thema Doping sei der Generalverdacht gegen Sportarten, bei denen jemand gerade positiv getestet wurde. Deshalb müsse der Kampf gegen Doping zum Schutz der sauberen Sportler geführt werden. Für die durchaus vorhandenen Erfolge in diesem Kampf nannte Bach in dem "Bild"-Interview ein Beispiel:

"Bei der Leichtathletik können sie in den Wurf-Disziplinen heute Medaillen gewinnen mit Weiten, mit denen sie es früher schwer hatten, ins Finale zu kommen. Das zeigt für mich, dass hier sichtbare Fortschritte erzielt worden sind."

Seine Idee eines eigenen TV-Senders für olympische Sportarten erläutert Bach in dem Gespräch ebenfalls. Es müsse das Ziel sein, diese Sportarten auch im Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen verstärkt in der Öffentlichkeit zu halten:

"Deshalb sollte man überlegen, ob man nicht mehr Präsenz im Fernsehen und im Internet schaffen kann, als das im Augenblick der Fall ist."

Zuletzt aufgekommene Gerüchte, er habe mit dem kuwaitischen Scheich Al-Sabah bereits vor zwölf Jahren einen Pakt geschlossen, der ihn am kommenden Dienstag auf den Thron des IOC-Präsidenten hieven soll, wies Bach entschieden zurück: "Es gibt keinen Pakt."

Er habe bei der Vorstellung der sechs Kandidaten im Juli in Lausanne als einziger darauf hingewiesen, dass er keine Wahlversprechen machen werde. Im übrigen freue er sich über Stimmen aus aller Welt: "Wenn sie nicht breit getragen werden, können sie auch keine Mehrheit erringen."

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