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Bei den Sommerspielen 1972 wurde mit über 7113 Athleten ein Rekord aufgestellt © imago

Das Komitee treibt die Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 voran. Ministerpräsident Seehofer erklärt das Projekt zur Chefsache.

München - Das Bewerbungskomitee "München 2018" mit der Doppelspitze Richard Adam und Bernhard Schwank richtet sich gerade im Münchner Technologiezentrum MTZ mit den ersten Mitarbeitern ein.

Mit Blick auf den Olympiapark von 1972, versteht sich.

Die Anschrift: Agnes-Pockels-Bogen 1. Weder die Taxifahrer noch die Navigationssysteme kennen diese Adresse.

Insider spötteln bereits, man verstecke sich deshalb so, weil den IOC-Mitgliedern ohnehin Besuche in den Bewerbungsstädten verboten sind.

Doch soweit ist es noch gar nicht. Die erste Bewerbungsschrift "München+2" mit Garmisch-Partenkirchen und der Rodelbahn am Königssee wird für Oktober akribisch vorbereitet.

München lässt Augen glänzen

Unterdessen versucht die Bewerbungsspitze, erst Duftmarken zu setzen.

Adam und Schwank knüpften jüngst bei der Messe "Sportaccord" in Denver wichtige Kontakte. "Das Zauberwort München 2018 ließ die Augen glänzen", berichtete das Duo.

"Wir sind im Moment in Phase eins und da geht es darum, Bewusstsein zu schaffen. In Phase zwei muss man dann Überzeugungsarbeit leisten, und in Phase drei müssen wir so eine Bindung zu den Entscheidern aufbauen, dass es zu 51 Prozent der Stimmen reicht", sagt Adam.

Viel Sympathie für München

Der ehemalige Tourismus-Fachmann und der bisherige DOSB-Leistungssport-Direktor mit Rückkehrrecht versuchen, sich möglichst viel von den Bewerbern für die Sommerspiele 2016 abzuschauen.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der nach den Bewerbungspleiten von Berchtesgaden, Berlin und Leipzig keine weitere Schlappe erleben will, sagt: "München bekommt viele Sympathien von IOC-Mitgliedern und Verbandsvertretern." (Gute Chancen für Olympia in München)

Seehofer erklärt Bewerbung zur Chefsache

Skispringer auf der Frauenkirche, gefrorenes Bier, das Münchner Kindl - mit derartig amüsanten Filmszenen hatte München im Dezember 2007 erfolgreich national für Olympia 2018 geworben und die einstimmige Zustimmung des Sommer- und Wintersports erhalten.

Bewerbergesellschaft, Aufsichtsrat und Kuratorium sind inzwischen gegründet, die Stadt hat eine Stabsstelle eingerichtet, Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte das Olympiaprojekt zur Chefsache.

Auf Ökologie und Nachhaltigkeit wird von allen Seiten größter Wert gelegt. Richard Adam sagt: "70 Prozent der Infrastruktur stehen bereits."

Grünen stellen sich quer

Trotzdem schießen in München die Grünen quer, die Parteibasis lehnte das allseits gelobte Konzept ab. Sogar die rot-grüne Koalition ist in Gefahr, steht doch im Koalitionsvertrag, dass man gemeinsam die Bewerbung betreiben will.

Grünen-Landeschef Dieter Janecek: "Entweder es gibt ökologische Spiele oder es gibt eben keine. In diesem Punkt geht s um unsere Glaubwürdigkeit und nicht um Koalitions-Arithmetik."

Seine Partei will auch Oberstdorf und Ruhpolding in die Bewerbung einbeziehen. Diesen Plan haben die Münchner Olympia-Manager jedoch längst verworfen.

Er gilt im Bewerbungsverfahren als völlig chancenlos.

Erste Stadt mit Sommer- und Winterspielen

In Annecy/Frankreich und Pyeongchang/Südkorea stehen die ersten Rivalen fest, doch nur München kann etwas Einmaliges schaffen.

Die Isar-Metropole wäre die erste Stadt, die Sommer- und Winterspiele ausrichten würde.

"The games must go on" - nach den heiteren Spielen mit dem scheußlichen Attentat will man die Olympiatauglichkeit noch einmal unter Beweis stellen.

Einmalige Gelegenheit

Finanziert werden soll die Bewerbung über die Wirtschaft. Zehn Millionen der benötigten 30 Millionen Euro hat man schon zusammen.

"Olympische Spiele sind eine einmalige Gelegenheit für München, Bayern und Deutschland", sagt Thomas Bach. Er verweist dabei auf Großveranstaltungen wie Olympia 1972 oder die Fußball-WM 2006 als Katalysator für wirtschaftliche und soziale Entwicklungen: "1972 wurde München vom Dorf zur Stadt."

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