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US-Präsident Obama kämpft für die Olympiavergabe nach Chicago © getty

In Kopenhagen fällt die endgültige Entscheidung über die Vergabe der olympischen Sommerspiele 2016. Hoher Favorit ist Chicago.

Kopenhagen - Vorhang auf zum faszinierenden G4-Gipfel auf der olympischen Bühne.

Der Vierkampf um die Sommerspiele 2016 endet am Freitag in Kopenhagen (ab 8.45 Uhr) mit einem zehnstündigen Finale furioso, das vier Regierungschefs inklusive US-Präsident Barack Obama und Spaniens Königspaar dirigieren.

Nachdem die Fieberkurve tagelang stieg und der Ton unter den Kandidaten in den letzten Stunden vor der Entscheidung rauer wurde, ist nun die Zeit des Vorgeplänkels vorbei.

Jetzt müssen Wettfavorit Chicago, Rio de Janeiro, Tokio und Madrid ein letztes Mal vor den aktuell 105 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) glänzen und sich den Applaus des "Publikums" erspielen.

"The winner takes it all"

Wenn IOC-Präsident Jacques Rogge gegen 18.45 Uhr sagen wird "The Games of the 31. Olympiad are awarded to the City of ...", platzt für drei Kandidaten ein teurer Traum, denn wie schon die Popgruppe Abba sang: "The winner takes it all".

Der Sieger erhält für seine bevorstehenden Milliarden-Investitionen unbezahlbare Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, für das Verlierer-Trio wird das olympische Leitmotiv "Dabeisein ist alles" dagegen zum Leidmotiv.

Siegerehrung ab 18.30

Die Proklamation ist der Paukenschlag in der wohl schillerndsten Städtekür der Geschichte, von der die Rekordzahl von 1400 Journalisten berichtet.

"Dass vier Staatschefs nach Kopenhagen reisen, um für Olympia in ihrem Land zu werben, zeigt die Faszination der Spiele", sagt IOC-Vizepräsident Thomas Bach, dem in der elektronischen Abstimmung ab 17.10 Uhr die größte Verantwortung zukommt.

Er erfährt als Chef der Juristischen Kommission zusammen mit zwei Kollegen als einziger das Ergebnis und wird es in einem Umschlag versiegeln, den Rogge bei der "Siegerehrung" ab 18.30 Uhr öffnet.

Obama und der König

Neben Barack Obama, der nach seinem Auftritt um 8.45 Uhr im Bella Center schnell wieder zurück in die Heimat jettet, sind auch Brasiliens Luiz Inacio Lula da Silva, Spaniens König Juan Carlos samt Königin Sofia und Premierminister Jose Luis Rodriguez Zapatero sowie der neue japanische Premierminister Yukio Hatoyama in Kopenhagen vor Ort.

Die letzten Stunden vor dem großen Showdown waren geprägt von verbalen Sticheleien vor allem gegen Mitfavorit Rio, der Olympia unterm Zuckerhut und am berühmten Sandstrand von Copacabana verspricht. Nie zuvor fanden Spiele in Südamerika statt.

"Wir wollen der Welt zeigen, dass man nicht nur in Amerika sagt 'Yes we can', sondern dass auch wir sagen können 'yes we can' - die Spiele in Rio ausrichten", verkündete Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Donnerstag.

Chicago Favorit

Während Chicago mit einer Quote von 1,75 der Favorit des Wettanbieters bwin ist, scheint Mitfavorit Rio (Quote 3,00) Kandidat der Herzen zu sein. Madrid (5,50) pocht darauf, das beste Konzept zu haben, und Tokio glaubt, mit nachhaltigen und grünen Spielen die Welt verändern zu können.

"Sonst könnten es 2016 schon die letzten Spiele der Menschheit sein", sagte Gouvaneur Shintaro Ishihara bei einem Empfang.

Rios Beschwerde

Rio beschwerte sich auf der Zielgeraden des Wettbewerbs noch bei der IOC-Ethikkommission über Madrid, weil Jose Maria Odriozola, der Vizepräsident des spanischen NOK, Rios Bewerbung "als die schlechteste" bezeichnet hatte.

Daraufhin musste Madrids Bewerbungschefin Mercedes Coghen, 1992 in Barcelona Kapitän der spanischen Hockey-Olympiasiegerinnen, zurückrudern und sich entschuldigen.

Doch letztlich handelt es sich bei der Beschwerde nur um ein Ablenkungsmanöver. Auf die Wahl hat das öffentliche Vorgeplänkel wohl wenig Einfluss.

Lobbyarbeit entscheidend für Vergabe

Da zählt vor allem, wer gute Lobbyarbeit hinter den Kulissen gemacht hat und wer bei der 70-minütigen Präsentation überzeugt. Brasiliens Präsident, Spaniens Königspaar und Amerikas First Lady Michelle Obama trafen sich zuletzt persönlich mit IOC-Mitgliedern, um sie von ihren Kandidaten zu überzeugen.

"Es gibt keine Sieggarantie. Wir haben noch viel zu tun, deshalb muss ich jetzt mit den Wählern sprechen", sagte Mrs. Obama im noblen IOC-Hotel.

Olympia als Milliardengeschäft

Für das IOC geht es bei der Wahl um ein Milliarden-Geschäft. Vor allem Rio und Chicago versprächen beste Renditechancen. Von daher handelt es sich wohl längst nicht mehr um eine reine Gewissensentscheidung, die Aussicht auf frisches Geld spielt auch hier eine bedeutende Rolle.

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