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Präsident Lula da Silva (l.) und Fußball-Legende Pele feiern die Entscheidung © getty

Überraschung in Kopenhagen: Die Südamerikaner erhalten den Zuschlag - Madrid, Chicago und Tokio gehen leer aus.

Kopenhagen - Der große Pele weinte, die Copacabana feierte Carneval do Brasil und US-Präsident Barack Obama kehrte mit einer persönlichen Niederlage in die Heimat zurück:

Rio de Janeiro ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2016, die vom 5. bis 21. August 2016 zum ersten Mal überhaupt in Südamerika stattfinden. Diese Entscheidung traf das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Freitag in Kopenhagen.

Im dritten und letzten Wahlgang lag Rio mit 66 Stimmen deutlich vor Madrid (32).

Als IOC-Präsident Jacques Rogge um 18.50 Uhr die Entscheidung verkündete, löste sich die Spannung in der Millionen-Metropole in einem einzigen gigantischen Jubelschrei entlang des weltberühmten Sandstrands von Copacabana.

Samba, Karneval, Fußball - und jetzt auch Olympia. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, ein Bär von einem Mann, wurde in der Jubeltraube seiner Landsleute in Kopenhagen fast erdrückt.

"Die Wahl zu treffen ist immer eine schwierige und manchmal eine schmerzvolle Übung. Rio hat es für 2012 nicht ins Finale geschafft. Sie wollten zuhören, sie haben auch zugehört und ihre Lehren daraus gezogen. Daraus ist ein schöne Geschichte geworden", sagte Jacques Rogge.

Obama fairer Verlierer

Obama erwies sich als fairer Verlierer und erklärte gleich nach seiner Rückkehr aus Kopenhagen im Weißen Haus:

"Ich möchte Rio und Brasilien meinen Glückwunsch zur Austragung von Olympia 2016 übermitteln. Das ist ein wirklich historisches Ereignis, da dies die ersten Spiele in Südamerika sein werden."

Er sei stolz auf seine Heimatstadt Chicago, "auch wenn ich wünschte, wir wären mit besseren Neuigkeiten aus Kopenhagen zurückgekehrt".

"Entscheidung für ein Schwellenland"

IOC-Vize Thomas Bach betonte: "Es war eine Entscheidung für ein sich rapide entwickelndes Schwellenland." Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) fügte ausdrücklich noch hinzu: "Es war keine Entscheidung gegen jemanden."

Tief bewegt, "glücklich und erregt" war Brasiliens Fußball-Idol Pele.

"Ich kann gar nicht aufhören zu weinen, seitdem ich das Ergebnis kenne. Das ist ein großer Moment. Nicht nur für Brasilien, sondern für ganz Südamerika. Vergleicht man das mit einer Fußball-WM, ist es so, als hätten wir erneut ein wichtiges Tor erzielt", sagte er in Kopenhagen.

Mächtigster Mann nicht mächtig genug

Der Triumph von Rio war gleichzeitig eine große persönliche Niederlage für Obama. Der mächtigste Mann der Welt war höchstpersönlich nach Kopenhagen gekommen, um die IOC-Mitglieder in einer achtminütigen Rede von den Vorzügen seiner Heimatstadt zu überzeugen.

Als Chicago völlig überraschend schon im ersten Wahlgang scheiterte, saßen Obama und seine Ehefrau Michelle in der Air Force One auf dem Weg nach Washington.

Lula völlig begeistert

Lula war wie die gesamte brasilianische Delegation völlig überwältigt.

"Heute hat Brasilien endgültig die internationale Anerkennung erhalten. Wir sind nicht mehr ein Land zweiter Klasse, sondern eins erster Klasse. Es ist ein Sieg von 190 Millionen Brasilianern, des südamerikanischen Kontinents, ganz Lateinamerikas. Wenn ich heute sterben müsste, wüsste ich, dass es sich gelohnt hat zu leben", sagte der Präsident.

Während Chicago in sprachloser Fassungslosigkeit erstarrte, feierte Rio zum zweiten Mal in diesem Jahr Karneval. "Überwältigend, spektakulär, unglaublich" - mit diesen Worten kommentierte Carlos Osorio, der Präsident des Bewerbungskomitees von Rio, den Sieg seiner Stadt.

Sportminister verspricht Großes

Sportminister Orlando Silva versprach im Augenblick der Entscheidung vollmundig "die besten Sportstätten, das beste Transportsystem und Sicherheit für alle Athleten".

Das IOC folgte bei seiner Entscheidung der Bitte von Brasiliens Präsident da Silva, der am Mittag persönlich vor den 105 IOC-Mitgliedern für Olympia in seinem Heimatland geworben hatte und dabei am Ende sogar den mächtigsten Mann der Welt ausstach.

Chicago war im ersten Wahlgang mit nur 18 Stimmen gescheitert, im zweiten kam das Aus für Tokio. Damit finden die beiden größten Sportereignisse der Welt binnen zwei Jahren in Brasilien statt, denn 2014 ist das Land Gastgeber der Fußball-WM.

Fußball-WM und Olympia binnen zwei Jahren

Zum vierten Mal erlebt ein Land Fußball-WM und Olympia in so dichter Abfolge. Nach Mexiko (1968 Olympia, 1970 Fußball-WM), Deutschland (1972 Olympia, 1974 Fußball-WM) und den USA (1994 Fußball-WM, 1996 Olympia) nun Brasilien.

Afrika ist der einzige verbleibende Kontinent, der noch nie Olympische Spiele ausrichten durfte, dort findet aber 2010 die Fußball-WM statt. Die Entscheidung für Rio war die richtige, obwohl die Stadt große Probleme mit Kriminalität hat und mit Kosten von 14 Milliarden US-Dollar plant.

Rio galt trotz vieler Minuspunkte bereits im Vorfeld als Kandidat der Herzen und wurde als Mitfavorit neben Chicago gehandelt. Rio, bekannt für die Christus-Statue und den berühmten Sandstrand von Copacabana, holte im sechsten Anlauf die Spiele.

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