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Christoph Dieckmann (l.) mit Partner Julius Brink in Aktion © getty

Christoph Dieckmann und Julius Brink sind der Beachvolleyball-Trumpf für Peking. Dieckmann im Interview der Woche über ihre Chancen.

Köln - Der Mann lebt vor allem aus dem Koffer. Beachvolleyballer Christoph Dieckmann nimmt sich nach dem Qualifikations-Turnier in Moskau eine Auszeit und verbringt eine kurze Erholungspause zu Hause in Köln.

Die kann der 32-Jährige brauchen, bei dem Programm, das vor ihm steht: Ab Freitag die EM in Hamburg, einen Monat später dann die Olympischen Spiele in Peking.

Dort gelten Christoph Dieckmann, der seine Laufbahn mit Zwillingsbruder und Partner Markus in den neunziger Jahren begann, und Julius Brink als das aussichtsreichste deutsche Beachvolleyball-Duo.

Politiker-Eltern sind große Sportfans

Großen Anteil an der Laufbahn hatten auch die Eltern. Dieckmanns Mutter Bärbel ist Bonner Oberbürgermeisterin, Vater Jochen ist früherer NRW-Justizminister. Beide sind große Sportfans.

Sie drücken dem Sohn während der Spiele die Daumen. Über seine Chancen in Peking, den Partner Julius Brink, die Bedeutung seiner Sportart, die Reize des Frauen-Beachvolleyball und das Krebsrisiko äußert sich Christoph Dieckmann im "Interview der Woche".

Sport1: Wie waren die letzten Tage?

Christoph Dieckmann: Ich komme gerade aus Moskau, bin nun ein paar Tage in Köln. Doch die EM in Hamburg steht schon vor der Tür.

Sport1: Sie verbringen mit Ihrem Beachpartner Julius Brink sehr viel Zeit. Gibt es da auch mal Ärger?

Dieckmann: Manchmal könnte man das glatt mit einer Ehe vergleichen. Es ist schon so, dass wir beide miteinander sehr gut klarkommen. Allerdings ist es auch normal, dass man mal seine kleinen Differenzen hat.

Sport1: Wie sucht man eigentlich einen Partner aus?

Dieckmann: Schon allein durch die hohe sportliche Leistungsfähigkeit, die dafür benötigt wird, kommen wenige Spieler in Frage. Es ist außerdem auch noch durch die speziellen Aufgaben eingeschränkt. Zumeist ist es ja so, dass einer der Blockspieler ist - zumeist der größere - und der andere in der Abwehr spielt. Auch die Seitenverteilung spielt eine Rolle.

Sport1: Wie war das denn damals bei Ihrem Zwillingsbruder Markus? Klappte das besser als üblich, oder gab es da sogar zusätzliche Reibungspunkte?

Dieckmann: Es gibt viele Sachen, bei denen das von Vorteil ist. Gerade am Anfang hat man automatisch ein besseres Verständnis füreinander. Im Normalfall hat man auch eine ähnliche Einstellung zu der Sache. Aber natürlich ist es so, dass dann später deutlich mehr Reibungen kommen. Jeder der Geschwister hat, kennt das vermutlich. Man gerät an einen Punkt, wo die Hemmschwelle sinkt und dann hatten wir schon unsere kleinen Streitigkeiten. Auf Dauer ist es sicher einfacher, mit einem anderen Partner zu spielen und nicht mit eigenen Geschwistern.

Sport1: Warum zählt ausgerechnet Deutschland mit Brasilien und den USA zu den führenden Nationen im Beachvolleyball - im Vergleich zum normalen Volleyball. Hat Ihr Sport da die Zeichen der Zeit eher erkannt?

Dieckmann: Ich glaube, das, was wir jetzt haben, ist eine Folge aus den letzten zehn Jahren. Viele haben angefangen, Beachvolleyball zu spielen, Zeit und auch Geld zu investieren und dann sind die deutschen Spieler immer besser geworden. Auch von ihrer Herangehensweise und Einstellung haben wir gegenüber vielen anderen Nationen einen Vorteil. Es läuft systematischer ab. Und seit ein paar Jahren können wir dafür die Ernte einfahren.

Sport1: Wie ist eigentlich das Verhältnis zu den Brasilianern?

Dieckmann: Es ist sehr von Respekt geprägt und auch auf der World Tour ist das Verhältnis sehr gut. Man kennt sich ja gut und zu einigen besteht da nicht nur kollegiales sondern auch schon freundschaftliches Verhältnis.

Sport1: Wie sieht es eigentlich mit ihren Hallen-Fertigkeiten aus?

Dieckmann: Für mich persönlich ist da die Verletzungsgefahr zu groß. Deshalb spiele ich schon seit Jahren nicht mehr in der Halle. Es ist zwar möglich, dass ein Hallenspieler auf Beachvolleyball umsattelt und dort dann auch erfolgreich ist. Der Weg andersrum wird eigentlich kaum gegangen.

Sport1: Was rechnen Sie sich für Peking aus?

Dieckmann: Wir hatten eine harte Qualifikation und haben das Ticket ja erst kürzlich perfekt gemacht. Wir fangen gerade so langsam an, uns überhaupt damit zu beschäftigen, dass wir wirklich dort spielen. Für mich persönlich ist das Ziel eigentlich wie bei jedem anderen Turnier auch, dass wir jedes Spiel gewinnen. Wir haben dieses Jahr gezeigt, dass wir eigentlich alle schlagen können, das heißt wir können uns ausrechnen dass wir da ganz vorne mitspielen können, aber dafür muss natürlich alles zusammenpassen. Wenn wir dort unsere beste Leistung abrufen können, dann glaub ich dass wir da auch eine sehr gute Chance haben.

Sport1: Also eine Medaille ist drin?

Dieckmann: Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich nur eine Medaille anpeile. Wenn ich im Halbfinale bin, möchte ich ja nicht verlieren?

Das Gespräch führte Wolfgang Kleine

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