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Will bei Olympia 2016 Gold für die USA holen: Superstar Tiger Woods © getty

Trotz Meinungsstreits geben Rugby und Golf 2016 in Rio ihr Comeback. Nur einer stimmt gegen Rogges letzte Runde als IOC-Chef.

Kopenhagen - Die Wiederwahl von Jacques Rogge als IOC-Präsident war der erwartete Selbstläufer, das Comeback von Golf und 7er Rugby im Olympiaprogramm 2016 ein großes Politikum.

Während Rogge mit 95,7 Prozent Zustimmung von einer überwältigenden Mehrheit bis 2013 im Amt bestätigt wurde, ging der Entscheidung für Golf und 7er Rugby eine hitzige Debatte voraus.

Am Ende gab es doch noch Zustimmung und damit den vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erhofften erfolgreichen Abschluss des neuntägigen Kongressmarathons in Kopenhagen.

"Das ist ein schöner Moment"

"Meine lieben Kollegen, danke für Ihr Vertrauen und für Ihre Unterstützung in den vergangenen acht Jahren", sagte Jacques Rogge, als er bei der 121. IOC-Session nach seiner Wahl aufs Podium zurückgekehrt war.

12 Sekunden applaudierten die IOC-Mitglieder artig, danach ging es weiter. Mit 88 Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen hatten sie ihrem belgischen Präsidenten den Rücken gestärkt und zur zweiten Amtszeit verholfen.

"Das ist ein schöner Moment, aber ich möchte bescheiden bleiben", meinte der 67-Jährige.

Rogge besteht auf Geheimabstimmung

Rogge bestand auf einer geheimen Abstimmung, nachdem er den Vorschlag des früheren FIFA-Präsidenten Joao Havelange (Brasilien) abgelehnt hatte, sich per Akklamation wählen zu lassen.

"Ich wollte genau wissen, wie groß meine Unterstützung ist." Die Gegenstimme zeige, dass er noch Arbeit vor sich habe.

"Für Jacques Rogge waren diese Tage hier ein großer Erfolg. Nicht nur seine Wiederwahl zeigt die große Geschlossenheit innerhalb des IOC", bilanziert IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der das Wahlergebnis als "Notar" als Erster gesehen hatte.

Golf und Rugby olympisch

Im dritten Anlauf nach 2003 und 2005 gelang die Programmreform. 2016 wird es 28 Sportarten geben. In Rio und auch vier Jahre später wird im Golf und Rugby jeweils bei Frauen und Männern um Olympiagold gespielt.

"Die Zeit wird zeigen, dass Ihre Entscheidung weise war", sagte Rogge seinen Kollegen nach der Wahl, die für Rugby deutlich klarer ausfiel (81 Ja/1 Nein/8 Enthaltungen) als für Golf (63 Ja/27 Nein/2 Enthaltungen).

Kritik vom WADA-Chef

Kritik an der Vorauswahl der beiden Kandidaten durch die IOC-Exekutive übte vor allem der ehemalige WADA-Chef Dick Pound.

Er beklagte fehlende Transparenz: "Wir mussten eine Entscheidung nach dem Motto 'Friss oder stirb' treffen." Squash, Karate, Inlineskating, Baseball und Softball waren schon im August gestrichen worden.

Zudem wurden in Kopenhagen die 26 sogenannten "Kernsportarten" für Rio 2016 bestätigt. 2013 werden daraus mit Blick auf 2020 insgesamt 25 "Kernsportarten".

Für Rugby und Golf, wo die Top-Stars um Tiger Woods schon vom Olympiasieg sprechen, ist es eine Rückkehr nach langer Abstinenz. Golf gab bei den Spielen 1900 und 1904 ein Olympia-Gastspiel, Rugby von 1900 bis 1924.

26 Sportarten in London

Während Rio de Janeiro 28 olympische Sportarten erleben wird, finden die Sommerspiele 2012 in London nur mit 26 Sportarten statt, nachdem Baseball und Softball 2008 in Peking letztmals zum Programm gehörten.

Vor vier Jahren in Singapur waren sie gestrichen worden. Damals scheiterten die Ersatzkandidaten Squash und Karate an der noch notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit der Vollversammlung.

In Kopenhagen reichte nun die einfache Mehrheit.

Große Pläne bei Rogge

Jacques Rogge hatte die Präsidentschaft 2001 als Nachfolger des Spaniers Juan Antonio Samaranch übernommen. 2013 darf er nicht noch einmal kandidieren.

Der dreimalige Olympiateilnehmer im Segeln nannte als wichtigste Ziele für die nächsten vier Jahre die 1. Olympischen Jugendspiele, das IOC-Vermögen (455 Millionen Dollar) zu mehren, die Stärkung der Position der Athleten, die Verteidigung der Autonomie des Sports und den Anti-Doping-Kampf.

Zudem will er illegale Wetten und Spielabsprachen unterbinden, sowie die Lücke zwischen erster und zweiter Welt und zwischen Männern und Frauen im Sport schließen.

Kronprinz wird IOC-Mitglied

Zu Vizepräsidenten wurden Mario Pescante (Italien) sowie Ser Miang Ng (Singapur) gewählt. In die 15-köpfige Exekutive rückten Craig Reedie (Großbritannien) und John Coates (Australien) auf.

Das Gremium ist die Schaltstelle des IOC.

Zudem bekommt das IOC mehr königlichen Glanz. Unter den sechs neu aufgenommenen IOC-Mitgliedern ist Kronprinz Frederik von Dänemark.

Er ist in der Weltregierung des Sports der zehnte Spross einer Königsfamilie. Zurück zur Startseite

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