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Oberbürgermeister Christian Ude zeigte sich erfreut über den Beschluss des Stadtrats © getty

Der Münchner Stadrat akzeptiert mit großer Mehrheit die erste Bewerbungsmappe für Olympia 2018. In Garmisch kommt Kritik auf.

München - Der Münchner Stadtrat hat den Weg für eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2018 freigemacht und umfangreiche Finanzgarantien in Milliardenhöhe gegeben.

Mit nur vier Gegenstimmen wurde die erste Bewerbungsmappe ("Mini Bid Book") der Bewerbungsgesellschaft für das Internationale Olympische Komitee (IOC) abgesegnet.

"Wir haben die nächste Hürde auf dem Weg zu einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung genommen. Dieser mit klarer Mehrheit getroffene Beschluss gibt Rückenwind für München 2018", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude nach dem im Großen Sitzungssaal getroffenen Beschluss.

Nur vier Gegenstimmen

Bereits um 8 Uhr morgens hatten sich die 81 Stadträte getroffen, nach zweistündiger Diskussion stimmten nur die Abgeordneten der Linken (3) und der Bayernpartei (1) gegen die Vorlage.

Darin verpflichtet sich die Stadt zur "Abgabe von Garantien für verbindliche Verpflichtungen in noch nicht bekanntem Umfang und Ausmaß".

Investitionen in Milliardenhöhe

In dem ersten Bewerbungsdokument, das bis zum 15. März 2010 beim IOC abgegeben werden muss, sind im Stadtgebiet Investitionen von bis zu 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Davon sollen bis zu 435 Millionen Euro aus Steuergeldern kommen.

Insgesamt sollen die Spiele nach Schätzungen der Bewerbungsgesellschaft München 2018 zwischen 2,9 und 3,5 Milliarden Euro kosten.

Zwei neue Eishockeyhallen

Die teuersten Bauten wären zwei Eishockeyhallen im Olympiapark mit Gesamtinvestitionen bis zu 180 Millionen Euro.

Das Bewerbungsbudget bis zur Vergabe der Spiele im Sommer 2011 wird im Mini Bid Book mit 29,7 Millionen Euro angegeben.

"Können kein anderes IOC machen"

Mit den im Stadtratsbeschluss getroffenen Garantie-Erklärungen unterwirft sich der Ausrichter der Sommerspiele von 1972 zugleich den umstrittenen Regeln des IOC mit einem maximalen Ausmaß an Verpflichtungen für die potenzielle Gastgeberstadt.

Münchens OB Ude stimmte der Kritik zu ("Von sich aus würde keine Stadt der Welt das übernehmen"), allerdings gebe es keinen dritten Weg: "Wenn man sich bewerben will, ist das Bedingung. Selbst Obama und Putin haben das akzeptieren müssen. Wir können uns kein anderes IOC machen."

Proteste von Naturschützern

Der Kreistag des Berchtesgadener Landes hatte das Bewerbungsdokument als erster Partner schon am Montag mit klarer Mehrheit durchgewunken.

Gegenwind für das Projekt München 2018 gibt es neben wachsenden Protesten von Naturschützern ("Nachhaltige Umweltzerstörung") vor allem aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen, wo die CSU-Fraktionschefin Elisabeth Koch trotz aller Bitten der Staatsregierung ein Ratsbegehren beantragt hatte.

Unklarheit über Höhe der Kosten

Das könnte zu einem Bürgervotum über Olympia führen, das allerdings auch noch vom Innenministerium bestätigt werden müsste.

"Dafür ist es einfach zu spät. Ich habe nichts gegen Olympia. Aber es darf keinen Freibrief geben und man muss die Leute mitnehmen", sagte Koch. Unklarheit herrscht besonders über die Kosten, die auf den Olympia-Ausrichter von 1936 zukommen.

"Dafür ist es einfach zu spät"

Ude kann die Stimmung unter der Zugspitze nicht nachvollziehen: "Natürlich ist Kritik erlaubt. Aber man kann nicht jahrelang Beschlüsse mittragen und jetzt ein Ratsbegehren machen. Dafür ist es einfach zu spät."

Der am vergangenen Freitag neu bestellte Olympia-Geschäftsführer Willy Bogner will mit dazu beitragen, die Wogen in Garmisch-Partenkirchen zu glätten.

Entscheidung im Sommer 2011

Neben der bayerischen Landeshauptstadt bewerben sich das französische Annecy und das südkoreanische Pyeongchang um die Ausrichtung der Winterspiele 2018.

Über die Vergabe entscheidet das IOC im Sommer 2011.

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