vergrößernverkleinern
Misty May-Treanor (v.) und Kerri Walsh spielen seit 2001 als Team zusammen © getty

Kerri Walsh und Misty May-Treanor beachen meist in der US-Serie. Doch bei Olympia vergeht der restlichen Welt-Elite das Lachen.

Von Tobias Kimmel

München - Die weibliche Beachvolleyball-Weltelite aus Brasilien, China und Deutschland ist heilfroh, dass es die amerikanische AVP-Serie gibt.

Denn sonst wäre die oberste Stufe auf dem Siegerpodest der konkurrierenden FIVB World Tour im Abonnement vergeben.

Die US-Amerikanerinnen Kerri Walsh und Misty May-Treanor spielen seit Jahren hauptsächlich auf der AVP-Tour - und gewinnen dort Turnier um Turnier.

Mitte Juli holten sie bei den Chicago Open den 16. Turniersieg in Serie, den 100. seit sie 2001 ein Team geworden sind.

Mit dem Final-Sieg von Chicago war das Super-Duo seit 90 Spielen ungeschlagen. Elaine Youngs und Nicole Branagh hatten in der "Windy City" das Nachsehen.

Klare Nummer eins bei Olympia

Kleines Trostpflaster: Sie dürfen mit der klaren Nummer eins zu den Olympischen Spielen fliegen.

AVP und FIVB - bei Großereignissen wie in Peking ist das natürlich egal. Schon 2004 bei den Spielen in Athen setzten Walsh/May-Treanor mit der Goldmedaille ein Ausrufezeichen.

Auch bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften - 2003 in Rio de Janeiro, 2005 in Berlin und 2007 in Gstaad - war für den Rest der Welt gegen das US-Top-Duo nichts zu holen.

Angriffswucht und Abwehrstärke

Ihr Erfolgsrezept ist die ungewöhnliche Kombination aus Angriffswucht und Abwehrstärke bei beiden Spielerinnen.

"Es geht nicht nur darum, hart draufzuhauen", gibt Walsh zu bedenken. "Es geht um Cleverness."

Die haben sich Walsh, 29 Jahre alt, und May-Treanor, 30 Jahre, bei ihren 100 Turniersiegen hart erpritscht, erbaggert und erschlagen. Drei Sätze wie beim Jubiläumserfolg von Chicago hatten sie zuletzt fast nie gebraucht.

"Als wäre ich ein Cheerleader"

"Die knappen Spiele entscheiden wir wegen der Erfahrung für uns", erklärt Walsh. "Wir wissen, wo die andere steht und wo sie den Ball hinbekommen will. Wir haben ein gutes Auge."

Außerdem harmonieren Walsh/May-Treanor auch menschlich perfekt. Während es zwischen anderen Beach-Partnerinnen durchaus auch einmal Zoff gibt, sind solche Unstimmigkeiten bei ihnen nicht bekannt.

Walsh (1,90 Meter, 71 kg) geht auf dem Court gern aus sich heraus. "Ich bin immer so angespannt, dass ich das gar nicht kanalisieren kann", sagt sie über ihre gelegentlichen Gefühlsausbrüche: "Manchmal sieht das dann aus, als wäre ich ein Cheerleader."

May-Treanor als ruhender Pol

Ihre Beach-Partnerin May-Treanor (1,78 Meter, 68 kg) ist der ruhende Pol und eher introvertiert.

"Wir sind miteinander im Einklang", schwärmt Walsh, die an der High School großer Fan der damaligen Hallen-Volleyball-Ikone May-Treanor war und einmal sogar nach einem Autogramm verlangt hatte. In Peking könnten die jüngeren Beach-Duos wie 1992 die Basketballer beim Dream Team um Michael Jordan um Unterschriften des besten weiblichen Strand-Doppels aller Zeiten beten.

Walsh plant Baby-Pause

Nach den Olympischen Spielen werden die Duos aus Brasilien, China und Deutschland wieder tief aufatmen.

Die Konkurrenz aus der AVP-Serie bekommt indessen nur eine Verschnaufpause: Walsh hat angekündigt, nach Peking eine Baby-Pause einlegen zu wollen - mit Betonung auf "Pause": "Wenn alles passt, wollen wir zusammen Olympia 2012 angehen."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel