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Jacques Rogge war bei den Spielen 1968, 1972 und 1976 als Segler am Start © imago

Die Entscheidung ist gefallen. IOC-Präsident Jacques Rogge wird trotz Kritik für eine weitere Amtszeit kandidieren.

Berlin/Lausanne - Jacques Rogge will trotz der Kritik an seiner Person bei den Sommerspielen in Peking das Internationale Olympische Komitee (IOC) weitere vier Jahre anführen.

Der Belgier kündigte in einem Brief an alle IOC-Mitglieder an, im Oktober 2009 bei der 121. IOC-Session in Kopenhagen für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.

Der dreimalige Olympiastarter im Segeln (1968, '72 und '76) war am 16. Juli 2001 in Moskau als Nachfolger des Spaniers Juan Antonio Samaranch für acht Jahre zum achten IOC-Präsidenten seit 1894 gewählt worden.

In Kopenhagen wird der ehemalige Orthopäde aus Gent wohl konkurrenzlos sein, wie alle IOC-Präsidenten vor ihm, die zur Wiederwahl antraten. "Nach meiner Einschätzung wird es keinen Gegenkandidaten geben", sagte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

Bach: "Ein guter Entschluss"

Zugleich gratulierte er Rogge zu seiner Entscheidung und sagte ihm seine volle Unterstützung zu. "Ich werde ihn wie bisher mit allen Kräften unterstützen." Er habe die Entscheidung Rogges für eine zweite Amtszeit erwartet, erklärte Bach: "Das ist keine Überraschung für mich. Es ist ein guter Entschluss."

Rogges Wahl vor siebeneinhalb Jahren galt als eine Chance für mehr Glaubwürdigkeit des IOC, das gerade durch den Bestechungsskandal bei der Vergabe der Winterspiele nach Salt Lake City geschwächt war.

Der Flame trat mit dem Ziel an, die Einheit und Unabhängigkeit der olympischen Bewegung zu wahren, den Gigantismus der Spiele stoppen und unter anderem die Zahl der Athleten im Sommer auf 10.000 zu reduzieren.

Kampf gegen Korruption verstärken

Außerdem wollte er den Sport menschlicher machen und den Kampf gegen Korruption und Doping verstärken.

In vielen dieser Punkte musste Rogge Rückschläge hinnehmen. Zwar steht er für die strikteste Anti-Doping-Politik der IOC-Geschichte mit 4770 Tests in Peking, und nie zuvor war das IOC finanziell so gesund wie jetzt (Rücklagen in Höhe von 353 Millionen Dollar), doch der Gigantismus der Spiele ist keineswegs eingedämmt.

Stattdessen waren in Peking 11.196 Aktive dabei.

Tiefe Krise beim IOC

Beim weltumspannenden größten Fackellauf der Olympia-Geschichte missbrauchte Olympia-Gastgeber China zudem das olympische Feuer als staatliches Hoheitssymbol. Proteste an der Menschenrechtssituation im Reich der Mitte ließen das IOC in eine tiefe Krise schlittern, die sich auch bei den Spielen fortsetzte, als die Internetzensur nicht wie versprochen aufgehoben worden war.

Dabei erwies sich Rogge als schwacher Krisenmanager, der lange schwieg und danach selten klare Worte fand.

Potemkische Dörfer

Auch die Wahl Sotschis als Austragungsort der Winterspiele 2014, das dem IOC potemkische Dörfer präsentierte und trotzdem gewann, war ein Rückfall in alte Zeiten. Nach Peking kündigte Rogge an, sich mit einer Entscheidung über seine Zukunft Zeit zu lassen.

"Die Spiele in Peking werden meine Entscheidung beeinflussen, aber nicht mehr als Salt Lake City 2002, Athen 2004 und Turin 2006", erklärte er und wirkte dabei ein wenig müde.

Immenses Arbeitspensum

Trotzdem galt es als sicher, dass er sich für eine erneute Kandidatur entscheidet. Denn mit den Olympischen Jugendspielen hat Rogge ein nicht unumstrittenes Vermächtnis geschaffen, dessen Premiere er im Sommer 2010 in Singapur selbst eröffnen möchte.

Rogge genießt unter den IOC-Mitgliedern höchstes Ansehen. Sein Auftreten ist von Offenheit und persönlicher Bescheidenheit geprägt, sein Arbeitspensum gewaltig. Für die Präsidentschaft gab er seinen Beruf auf und siedelte nach Lausanne über.

Seit 1991 ist er im IOC, seit 1998 in der Exekutive. Einen Namen machte sich der Mediziner, als er die Koordinierungskommission für die Sommerspiele in Sydney leitete, die dann zum überwältigenden Erfolg wurden.

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