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Zatopek, die "tschechische Lokomotive", sorgte in Helsinki 1952 für Aufsehen © imago

Die "tschechische Lokomotive" Emil Zatopek wird in Helsinki zum Helden. Die Spiele im Jahr 1956 finden auf zwei Kontinenten statt.

Athen - Er war gerade 33, als sich sein Traum mit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen erfüllte.

2008 finden sie erstmals in China statt. Nach wechselvoller Geschichte, aber letztlich immer größerer Ausstrahlung.

Los Angeles 1932

Trotz Wirtschaftskrise wurden die Spiele ein großer Erfolg. Erstmals gab es ein olympisches Dorf und ein Siegerpodest. Hollywood ließ es an Gastfreundschaft nicht fehlen, Marlene Dietrich lud zur Party für das deutsche Team.

Finnlands Wunderläufer Paavo Nurmi war kurz zuvor zum Profi erklärt und gesperrt worden. Der Medienliebling hieß Mildred "Babe" Didriksen. Das 18-jährige US-Girl gewann mit dem Speer und über die Hürden, holte dazu Hochsprung-Silber. Populär war sie durch ihren Baseball-Weitwurfweltrekord von über 90 Metern geworden, was ihr den Rufnamen (nach Superstar Babe Ruth) einbrachte.

Später wurde sie auch die beste Golfspielerin der Welt.

Berlin 1936

Der erste Fackellauf von Olympia, Nazi-Spiele, Vierfach-Triumph des schwarzen Amerikaners Jesse Owens unter Hitlers Augen - die Spiele von Berlin hatten viele Facetten und lösen bis heute kontroverse Diskussionen aus. Bis hin zum "besten Olympiafilm aller Zeiten" von Leni Riefenstahl.

Die Organisation war nahezu perfekt, die Begeisterung nicht inszeniert. Deutschland gewann die Nationenwertung, doch längst nicht alle Träume gingen in Erfüllung. Die Fußballer verloren 0:2 gegen Norwegen, die Staffel-Damen beim letzten Wechsel den Stab, weit in Führung liegend.

Eine Heldensage wurde bei der Military geschrieben. Konrad von Wangenheim brach sich im Gelände den Arm, stürzte tags darauf erneut beim Springen vor 100.000 im Olympiastadion, stieg wieder auf und rettete damit dem Team das Gold. Das war olympischer Kampfgeist pur.

London 1948

Zum zweiten Mal nach 40 Jahren empfing London die Jugend der Welt, ausgenommen die der Deutschen und seiner Verbündeten im II. Weltkrieg.

Im 1923 erbauten Wembleystadion wurde ein 17-Jähriger zum König der Athleten: der Amerikaner Bob Mathias gewann den Zehnkampf, wie vier Jahre später noch einmal.

Die meiste Bewunderung aber galt einer 30-jährigen Hausfrau und Mutter. Die "fliegende Holländerin" Fanny Blankers-Koen siegte viermal im Sprint und über die Hürden.

Schwedens erfolgreiches Dressurteam wurde disqualifiziert; einer der Reiter war kein Offizier, und das verstieß erst ab 1952 nicht mehr gegen die guten olympischen Sitten.

Helsinki 1952

Paavo Nurmi, 1932 zum Profi erklärt, brachte das Feuer ins Stadion. Deutschland war wieder am Start, mit den Mannschaften der Bundesrepublik und des Saarlands, aber ohne Sportler aus der DDR.

Man blieb zwar ohne Sieg, zum einzigen Mal überhaupt, doch diesmal galt wirklich der Satz, dass die Teilnahme wichtiger war.

Mit dem Einzug der UdSSR begann der Kampf der Giganten, der auch sportlich oft zum kalten Krieg ausartete. Noch aber stahl ein Einzelkämpfer allen die Schau: Emil Zatopek, die "tschechische Lokomotive", dessen Triumph auf allen drei Langstrecken zwischen 5000 m und Marathon bis heute unerreicht ist.

Erstmals waren beim Reiten "Zivilisten und Frauen" zugelassen. Beim Boxen wurde im Schwergewichtsfinale der Schwede Ingemar Johansson wegen "Feigheit" disqualifiziert und erst 1982 vom IOC mit Silber rehabilitiert. 1959 war er Profi-Weltmeister aller Klassen geworden.

Reiterspiele Stockholm 1956

Zum ersten Mal waren die Sommerspiele auf die südliche Halbkugel vergeben worden, an Melbourne, und zum ersten Mal wurden sie geteilt.

Reiten fand wegen der australischen Quarantäne zuvor in Stockholm statt. Dort trug zum Abschluss die Stute "Halla" ihren fast bewegungsunfähigen Weltmeister Hans Günter Winkler fehlerlos über alle Hindernisse zum Einzel- und Mannschaftsgold.

Melbourne 1956

Der Schatten der Weltpolitik erreichte auch den fernen fünften Kontinent. Der Westen hatte den Suezkanal gestürmt, der Ostblock war in Ungarn einmarschiert. Die Hälfte des Olympiateams der Magyaren kehrte nicht in die Heimat zurück.

Wohl aber der Boxer Laszlo Papp, der nach dem dritten Gold in Serie erster Ostblock-Profi und Europameister im Mittelgewicht wurde. Australiens Schwimmer um Dawn Fraser und Murray Rose glänzten, aber die erstaunlichste Leistung zeigte Ursula Happe aus Dortmund, die mit schon 30 Jahren die 200 m Brust gewann.

Erstmals war eine gesamtdeutsche Mannschaft mit den fünf Ringen auf schwarz-rot-gold am Start. Ein großer Erfolg der olympischen Bewegung, ein ungeliebtes Kind der Politiker auf beiden Seiten.

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