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In München überschattet ein Attentat auf israelische Sportler die Spiele 1972 © imago

Ein Attentat überschattet die Spiele 1972 in München. Acht Jahre später kommt es zum Boykott. Olympia zwischen 1960 und 1980.

Rom 1964

Der antike Rahmen zahlreicher Wettkampfstätten bot für die ersten Liveübertragungen im Fernsehen ein faszinierendes Panorama.

Unter freiem Himmel, direkt neben dem Colosseum, wurde unter heißer Sonne gerungen. Wilfried Dietrich, der "Kran von Schifferstadt", holte Silber und Gold. Beim Marathon durchlief der fast unbekannte Äthiopier Bikila Abebe den Konstantinbogen als erster Olympiasieger aus Schwarzafrika. Die noch größere Sensation: Er lief barfuß.

Armin Hary, der erste 10,0-Sprinter, gewann als erster Deutscher die 100 m. Amerikas "schwarze Gazelle" Wilma Rudolph holte dreimal Gold. Beim Boxen gab ein 18-Jähriger seinen Gegnern Lehrstunden. Sein Name war Cassius Clay, später sollte er sich Muhammad Ali nennen.

Auf dem Albaner See am Sommersitz des Papstes waren die Bahnen durch Bojen getrennt: das "Albaner System" sollte Zusammenstöße vermeiden. Erstmals gewann ein Deutschland-Achter Gold, gecoacht vom legendären Karl Adam.

Tokio 1964

Zu Ehren der Gastgeber erlebte Judo seine Premiere. Umso größer war die Schmach, als der holländische Hüne Anton Geesink die All-Kategorie gewann. Da half es wenig, dass er jahrelang in Japan trainiert hatte.

Dawn Fraser gewann mit 26 Jahren zum dritten Mal in Folge die 100 m Freistil, eine einmalige Serie. Anschließend holte die Australierin die japanische Fahne vom Mast am Kaiserpalast, was einer Gotteslästerung gleichkam. Die zehnjährige Sperre durch den eigenen Verband tat ihr nicht mehr weh und ihrer Popularität keinen Abbruch.

Über 10.000 m siegte der kaum bekannte US-Indianer Billy Mills, Willi Holdorf wurde erster deutscher König der Athleten. Südafrika war wegen der Apartheid ausgeschlossen worden.

Mexiko City 1968

Die Ankündigung "Der Tod läuft mit" bewahrheitete sich auf über 2000 m Höhe zum Glück nicht. Auf den kurzen Distanzen explodierten die Weltrekorde, auch wegen der neuen Tartanbahn.

Die unglaublichste Verbesserung gelang dem Amerikaner Bob Beamon: um 55 Zentimeter im Weitsprung auf 8,90 m, was jeder für einen "Sprung

ins nächste Jahrhundert" hielt. Ein Irrtum.

Im Hochsprung siegte Dick Fosbury (USA), der Erfinder des Rückwärtssprungs. Sein Landsmann Al Oerter gewann zum vierten Mal in Folge das Diskuswerfen. Erstmals trumpften die Langstreckler aus Kenia groß auf, angeführt von Kipchoge Keino.

Hunderte gegen das politische System protestierende Studenten wurden im Vorfeld erschossen - Olympia schaute weg. Farbige Athleten aus den USA demonstrierten mit "schwarzer Faust" gegen die Diskriminierung zu Hause - und wurden aus dem Dorf gewiesen.

Beim Turnen erzwangen die Zuschauer förmlich viermal Gold für die Tschechin Vera Caslavska. Zwei Monate zuvor hatten Ostblockpanzer den "Prager Frühling" beendet.

Zu Ende war auch die Zeit gesamtdeutscher Mannschaften. Die DDR setzte als "Ostdeutschland" sich gleich vor die Bundesrepublik, was vielen furchtbar peinlich war.

München 1972

Sie begannen als die heiteren Spiele unter dem kühnen Zeltdach. Die Mannschaft aus dem anderen Deutschland trat erstmals als "DDR" an und wurde herzlich gefeiert. Dann kam der 5. September.

Dem Terror der Palästinenser fielen 15 Menschen zum Opfer, 13 von ihnen Israels. 36 Stunden lang ruhte der Wettkampf, ehe IOC-Präsident Avery Brundage die historischen Worte fand, die zuerst zwiespältig aufgenommen wurden, aber von Weitblick zeugten: "The Games must go on."

Alle sportlichen Ereignisse verblassten vor diesem Einschnitt.

Die 16-jährige Ulrike Meyfarth, den meisten kaum bekannt, steigerte sich in einen Höhenrausch bis zum Weltrekord von 1,92 m. Mark Spitz aus den USA schwamm zu siebenmal Gold, wurde trotzdem nur bedingt populär.

Deutschlands Ringerkönig Wilfried Dietrich, schon 38, hob mit seinen 120 kg den US-Koloss Chris Taylor, der 190 Kilo wog, durch die Luft - ein atemberaubender Anblick. Im nächsten Kampf wurde der "Kran" disqualifiziert, ein tragischer Abgang.

Noch trauriger waren die US-Basketballer, die erstmals nicht Gold holten. Kurz vor Beginn hatte sich das IOC erstmals politisch erpressen lassen. Auf Druck der Schwarzafrikaner musste Rhodesien abreisen.

Montreal 1976

Olympia in der Krise. Fast alle Afrikaner traten nicht an, weil Neuseeland Südafrikas Rugbyspieler empfangen hatte, was mit Olympia nichts zu tun hatte. Ebenso hilflos nahm das IOC hin, dass Taiwan keine Einreiseerlaubnis bekam.

Der unvollendete Turm über dem Stadion wurde zum Symbol, zurück blieben Milliarden-Schulden. Nach diesem Debakel meldete sich Los Angeles als einziger Bewerber für 1984.

Doch es gab auch packenden Sport. Die 14-jährige Rumänin Nadia Comaneci erhielt als erste Olympiaturnerin die Wertung 10,0. Der Finne Pertti Karppinen nahm Peter-Michael Kolbe im Finale Längen ab, ruderte bis 1984 zu dreimal Gold.

Der Deutsche wurde fünfmal Weltmeister, aber bei Olympia immer nur Zweiter.

Gustav Kilian führte Deutschlands Rad-Vierer noch einmal zum Gold. Mit Emil Beck betrat der nächste große Trainer-Autodidakt die Szene. Der "Medaillenschmied" aus Tauberbischofsheim feierte mit seinen Fechtern die ersten Olympiasiege.

Moskau 1980

Wegen des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan riefen die USA zum Boykott der Spiele auf. Etwa 60 Länder schlossen sich an, darunter auch die Bundesrepublik.

Manche Wettbewerbe waren sportlich zweitklassig, nicht aber das Boxen, wo sich Teofilo Stevenson, erst 28, seine dritte Goldmedaille im Schwergewicht sicherte. Und seine letzte, denn 1984 und 1988 stand Kuba im Boykott-Lager.

Ein Höhepunkt war auch das Duell der britischen Ausnahmeläufer Steve Ovett und Sebastian Coe, von denen jeder das Rennen gewann, in dem er Außenseiter war: Ovett die 800 m, Coe die 1500 m.

Bei der Wahl des neuen IOC-Präsidenten setzte sich der Spanier Juan Antonio Samaranch durch. Er sollte wie keiner vor ihm die olympische Welt Coubertins verändern: Abschied vom

Amateurzeitalter, Boom bei Fernseh- und Sponsorengeldern, Trennung von Winter- und Sommerspielen.

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