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Birgit Fischer schreibt bei den Spielen in Athen Geschichte © getty

Im Alter von 42 Jahren holt Kanutin Birgit Fischer in Athen noch einmal Gold. Ein Blick auf die Spiele zwischen 1984 und 2004.

Los Angeles 1984

Olympische Zeitenwende. Zum ersten Mal wurden die Spiele rein privat finanziert. Am Ende standen 220 Millionen Dollar Gewinn, und seither kann sich das IOC vor Bewerbern kaum mehr retten.

Die UdSSR verkündete den Gegenboykott für 1980. Der Ostblock folgte mit Ausnahme Rumäniens, aber erstmals ging Rot-China an den Start. Das sportliche Niveau war wie 1980 teilweise schwach.

Carl Lewis stellte den Rekord von Jesse Owens 1936 mit viermal Gold ein, aber viel mehr Emotionen löste der 3000-m-Lauf der Frauen aus. Weltmeisterin Mary Decker (USA) stürzte und riss Zola Bud mit, die südafrikanische Barfußläuferin im britischen Team. Das war ein Drama ganz nach Hollywoods Geschmack.

Seoul 1988

Die Boykott-Front war bis auf Nordkorea und Kuba gebröckelt. Die UdSSR und die DDR führten die Nationenwertung bei ihrem letzten Aufmarsch an. Kristin Otto aus Leipzig gewann sechsmal Gold im Wasser, Florence Griffith-Joyner (USA) beherrschte den Sprint auf eine Art, die nicht von dieser Welt schien.

Doch nur der Kanadier Ben Johnson wurde des Dopings überführt. 36 Stunden, nachdem er das Feld im 100-m-Finale mit Weltrekord von 9,79 Sekunden zu Statisten degradiert hatte, wurde mit Schimpf und Schande aus dem olympischen Paradies gejagt.

Drei junge Beck-Schülerinnen teilten sich die Medaillen im Damenflorett, angeführt von Anja Fichtel. Als erste Profis durften die Tennisspieler in die olympische Arena einziehen. Steffi Graf vergoldete ihren Grand Slam.

Barcelona 1992

Juan Antonio Samaranch hatte die Spiele in seine Heimatstadt geholt, und es wurde eine "Festa Catalana". Erstmals seit 1936 zog eine echte gesamtdeutsche Mannschaft ein. Aus der untergegangenen UdSSR war das GUS-Team geworden, Südafrika nach Ende der Apartheid zurückgekehrt. Das "Dream Team" der US-Basketballer markierte den endgültigen Bruch mit jeder Art von Amateur.

Dieter Baumann setzte sich über 5000 m als "weißer Kenianer" gegen fünf Schwarzafrikaner durch. Birgit Schmidt-Fischer gewann zwölf Jahre nach Moskau erneut Kanu-Gold. Das Damenfinale im Tennis brachte den Favoritensturz der Steffi Graf durch die 16-jährige Jennifer Capriati (USA) durch.

Atlanta 1996

Nicht Athen wurde Schauplatz der Jahrhundert-Spiele, sondern Atlanta, die Hauptstadt des US-Südstaates Georgia. Keine glückliche Wahl. Im Olympiapark, dem Jahrmarkt der Sponsoren, explodierte an einem späten Abend eine Bombe, die zwei Todesopfer forderte. Der Täter wurde nicht gefasst.

Dabei hatte alles so euphorisch begonnen, als Muhammad Ali das Feuer entzündete, der "Größte", der nun sichtlich schwer an der Parkinsonischen Krankheit trug.

Carl Lewis sicherte seinen Platz im Olymp, als er zum vierten Mal in Serie den Weitsprung gewann, sein insgesamt neuntes Gold. Auch im Radsport hielten die Profis Einzug, neu im Programm waren Frauen-Fußball, Beach-Volleyball, Softball, Mountainbike und Leichtgewichts-Rudern. Das US-Fernsehen war zufrieden.

Sydney 2000

Ende 1998 hatte der Bestechungsskandal die olympische Bewegung an den Abgrund gebracht, doch interne Reformen und traumhafte Tage auf dem fünften Kontinent gaben ihr neuen Auftrieb. Es waren die letzten Spiele unter Juan Antonio Samaranch, der 2001 die Führung an den Belgier Jacques Rogge übergeben sollte.

Zum Gesicht der Spiele wurde Cathy Freeman, die als Aborigine die Flamme entfachte und später die 400 m gewann. Da konnten auch US-Sprinterin Marion Jones und Australiens Schwimmer Ian Thorpe trotz je dreimal Gold nicht mithalten.

Deutschland fiel von Rang 3 hinter die USA, Russland, China und Australien zurück. Birgit Fischer wurde mit dem siebten Kanu-Triumph zur erfolgreichsten deutschen Olympionikin. Dagegen hielt die Freude über Alexander Leipolds Ringergold nicht lange an. Drei Wochen später wurde er des Dopings überführt. Birgit Fischer aber, 42 Jahre jung, ist in Athen zum sechsten Mal am Start.

Athen 2004

Mit acht Jahren Verspätung kehrten die Spiele doch wieder zu ihren Wurzeln zurück. Die Organisation lief entgegen mancher Befürchtungen reibungslos ab, das Flair konnte die vielleicht zu hohen Erwartungen oft nicht erfüllen.

Über 20 Dopingsünder wurden entlarvt, darunter auch die Russin Irina Korschanenko, die das Kugelstoßen in Olympia gewonnen hatte. Schon im Vorfeld hatten die griechischen Sprinterstars Konstantinos Kenteris und Ekatherina Thanou durch Flucht vor den Dopingtestern für einen Riesenskandal gesorgt.

Sportlich für Aufsehen sorgte Chinas Vorstoß auf Platz zwei in der Nationenwertung hinter den USA und vor Russland. Deutschland fiel auf Rang 6 hinter Australien und Japan zurück, auch weil dreimal Gold verloren ging: am grünen Tisch (Military) und im Testlabor (Springreiten). Für Glanzlichter sorgten aus deutscher Sicht die Hockeyfrauen und Kanutin Birgit Fischer (42), die mit ihrem achten Gold seit 1980 Geschichte schrieb.

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