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Frank Busemann gewann 1996 Zehnkampf-Silber © imago

Der Showdown der weltbesten Leichtathleten steigt in Peking. Die Deutschen spielen nur eine Außenseiterrolle. Experte Frank Busemann äußert sich im Sport1-Interview über die die deutschen Aussichten, die Weltstars, die Manipulationen und stellt auch die Frage, ob alle DLV-Athleten sauber sind. Teil 2:

Interview von Wolfgang Kleine

Sport1: Wie sehen Sie den Zehnkampf?

Busemann: Es geht kein Weg an Bryan Clay vorbei. Er muss keinen Gegner fürchten, auch nicht Roman Sebrle. Für Clay geht es darum, ob er die 9000-Punkte-Grenze kratzt. Mann, hat der was drauf!

Sport1: Seit den Spielen 1992 in Barcelona geht's mit der deutschen Leichtathletik bei Olympia bergab. Wie erklären Sie sich das?

Busemann: Das ist auch ein Problem der Talentfindung. Da gibt es möglicherweise große Leichtathletik-Talente im Schülerbereich, aber die sind dann vielleicht schon zum Fußball, Handball oder anderen Sportarten abgewandert. Wenn sie dann älter werden, ist es oft zu spät, die noch zur Leichtathletik zu bringen. In Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern das Angebot sehr breit gefächert.

Sport1: Was ist noch ein Grund?

Busemann: Die seit Jahren vorangetriebene Globalisierung. Jetzt kommen die Klasseathleten nicht mehr nur aus 40 bis 60 Ländern, sondern inzwischen aus 200. Die merken, wie sie über den Sport zu Geld kommen können. Und gerade in den Disziplinen, die wie das Laufen leicht und ohne größeren technischen Aufwand zu bewerkstelligen sind, haben auch die Sportler aus Entwicklungsländern ihre große Chance. Zum Beispiel wird es nie einen Weltklasse-Zehnkämpfer aus Kenia geben. Dafür ist der Basisaufwand in dieser Disziplin viel zu groß.

Sport1: Wir haben jüngst wieder die Dopingfälle im Radsport bei der Tour de France. Auch für Peking werden von Kritikern wie Prof. Werner Franke Doping-Spiele vorausgesagt, auch wenn der Ausrichter China ein umfangreiches Anti-Doping-Programm mit entsprechenden Kontrollen angekündigt hat?

Busemann: Der Sport ist niemals dopingfrei. Auf jeden überführten Athleten kommen zehn, die nicht erwischt werden oder worden sind. Wer sich da in Peking noch erwischen lässt, der hat sie nicht alle am Baum.

Sport1: Wieso?

Busemann: Man hat in den Ländern ausgeklügelte Methoden entwickelt. Auch in Deutschland gibt es da einige, die manipulieren und bisher nicht überführt wurden. Es gibt einige schwarze Schafe.

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