Erst machte Verteidigerin Kerstin Stegemann die Hausaufgaben der deutschen DFB-Stürmerinnen, dann musste sie nachsitzen.

Shenyang - Anstatt mit ihren Teamkolleginnen nach dem 1:0 (0:0) gegen Nigeria in der Sauna und beim Schwimmen entspannen zu dürfen, musste die Schützin des ersten deutschen Olympia-Tores in China zur Dopingkontrolle

Weil das dauerte und dauerte, fuhr die Mannschaft ohne sie ins Hotel.

Dabei mussten Birgit Prinz und Co. froh sein, dass ihre sonst für defensive Aufgaben zuständige Kollegin zuvor eine ganz andere Einstellung offenbarte und damit das Tor zum Viertelfinale für Deutschland weit aufstieß.

Probleme im Angriff

Weil es im deutschen Angriff wie schon beim 0:0 zum Auftakt gegen Brasilien mit der Chancenverwertung haperte, war die DFB-Elf auf die Abstauberqualitäten der Abwehrspielerin angewiesen.

Stegemann erfüllte ihren Spezialauftrag und erzielte in der 65. Minute das Siegtor.

Damit beendete die 30-Jährige nach 264 Minuten die Torflaute der Gold-Anwärterinnen und sicherte ihnen so mindestens Platz drei.

Deutschland so gut wie durch

Weil neben den jeweils beiden Besten der drei Vorrundengruppen auch die beiden besten Dritten noch ins Viertelfinale kommen, steht Deutschland dank Stegemanns Tor fast schon in der K.o.-Runde.

"Ich freue mich sehr darüber", sagte Stegemann über ihr achtes Tor im 182. Länderspiel.

Dass sie versehentlich zum Abschluss gekommen sei, wollte sie aber nicht gelten lassen: "Das war kein Zufall. Ich soll mich ja auch mit nach vorne einschalten."

Überragende Angerer

Die Offensivabteilung hatte Stegemanns Initiative nötig. Prinz und Sandra Smisek hatten sich zuvor wie gegen Brasilien vergeblich bemüht und sich so dem lange lahmen Spiel der gesamten Elf nahtlos angeschlosen.

Nur der erneut herausragenden Torfrau Nadine Angerer war es zu verdanken, dass die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid nicht einem Rückstand hinterherlaufen musste.

Angerer, das war die zweite bemerkenswerte Personalie des Spiels, hielt ihren Kasten mal wieder sauber und ist nun 720 Turnierminuten in Serie unbezwungen.

Schweres Spiel gegen Nordkorea

Auf Angerer und einen erfolgreichen Ausflug von Stegemann wird sich die DFB-Elf aber im weiteren Verlauf nicht allein verlassen können.

Vor allem die Offensive ist zunächst gegen Nordkorea am Dienstag in Tianjin und dann im Viertelfinale gefragt.

"Die heben sich ihre Tore für die wichtigen Spiele auf", mutmaßte Angerer.

Smisek kann nicht überzeugen

Zumindest bei Smisek kommen langsam Zweifel auf. Sie bemüht sich, strahlt aber kaum Torgefahr aus.

Anja Mittag, die für Smisek eingewechselt wurde und das Tor vorbereitete, verbreitete da schon mehr Unruhe in der nigerianischen Abwehr.

Dass sie gegen Nordkorea von Beginn an spielt, glaubt die Potsdamerin aber nicht.

Pohlers fordert Spielzeit

Mittag wird wohl auch dann ruhig bleiben, wenn sie wieder auf der Bank sitzt.

Conny Pohlers verliert dagegen die Geduld. "Ich bin fit und einsatzfähig", sagte sie. Ihre Kniereizung habe sie also überstanden, nun brenne sie auf ihr erstes Turnierspiel.

"Es ist schon hart für mich, dass ich nicht ran durfte", meinte sie, "an diesen Spielen kann man ja nichts mehr schönreden."

Neid versuchte es dennoch und lobte die weiten Laufwege des Angriffs. Harte Zeiten für (Ersatz-) Stürmerinnen - sofern sie nicht Stegemann heißen.

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