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Michael Phelps (r.) jubelt mit Garrett Weber-Gale über den Sieg im Staffel-Krimi © getty

US-Superstar Michael Phelps brüllte seine Freude heraus: Die USA gewinnen die 4x100-m-Staffel dank eines grandiosen Oldies.

Peking - Superstar Michael Phelps ballte die Fäuste, stieß einen Urschrei aus, tanzte wie ein Irrwisch und umarmte seinen Teamkollegen Jason Lezak.

Auf der Tribüne hielt es US-Präsident George W. Bush nicht mehr auf dem Sitz, und 17.000 Zuschauer verwandelten den Wasser-Würfel von Peking in ein Tollhaus.

Das Staffelrennen der Männer über 4x100 m Freistil wird als eines der nervenaufreibendsten und hochklassigsten Schwimmereignisse von Olympia in Erinnerung bleiben.

Mit einer fulminanten und kaum noch für möglich gehaltenen Attacke rettet Schluss-Schwimmer Lezak der US-Staffel Gold und Phelps die Chance auf den anvisierten Rekord von acht Siegen auf einen Streich.

"Wenn ich hier wirklich achtmal gewinnen sollte, dann haben Jason und die anderen Jungs einen enormen Anteil daran. Sie haben einen unglaublichen Job gemacht", erklärte Phelps: "Ich hatte Gänsehaut. Das war einer der emotionalsten Momente in meiner Karriere."

Noch Minuten nach dem Rennen ließen sich die "Fantastischen Vier" - Phelps, Garret Weber-Gale, Cullen Jones und Lezak - vom Publikum feiern.

Immer wieder ging der Blick zur Anzeigentafel. 3:08,24 Minuten leuchtete dort auf. Ein Fabel-Weltrekord, ein Quantensprung. 3,99 Sekunden unter der US-Bestmarke aus dem Vorlauf. Und dennoch nur acht Hundertstel vor den Franzosen, die Phelps den Goldrausch beinahe verdorben hätten.

Sullivan setzt erstes Ausrufezeichen

Doch der Reihe nach: Zunächst sorgte Australiens Startschwimmer Eamon Sullivan für den ersten Paukenschlag. In 47,24 Sekunden verbesserte er den Weltrekord des Franzosen Alain Bernard um 26 Hundertstel. Phelps hielt in 47,51 - eine Hundertstel über der alten Bestmarke - dagegen, hielt Anschluss.

Aber es waren die Franzosen, die anschließend davonzogen, die drohten, den Traum von Phelps jäh zu zerstören. Mit einer Länge Vorsprung auf Lezak sprang Bernard als Schluss-Schwimmer ins Wasser, mit einer Länge Vorsprung machte er sich nach der Wende zu den letzten 50 Metern auf.

Doch dann kam der Schlussangriff von Lezak. Der US-Schwimmer kam näher, auf der Tribüne sprang Bush mit den Stars and Stripes in der Hand auf. Die Halle kochte, mit dem letzten Armzug schob sich Lezak noch um acht Hundertstel - oder eine Handbreite - an Bernard vorbei.

Lezak mit einer Fabelzeit

"Ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte es unbedingt schaffen. Ich wollte nicht derjenige sein, der den Rekord von Michael auf dem Gewissen hat", erklärte Lezak, der selbst Geschichte schrieb. Seine Zeit von 46,06 Sekunden bei fliegendem Wechsel war weit entfernt von jener Grenze des bislang Vorstellbaren.

Ein weiterer Weltrekord im Finale am Donnerstag über 100 m Freistil ist programmiert.

Als die vier US-Boys in der Pressekonferenz Rede und Antwort standen und Präsident Bush mit leuchtenden Augen zur Abfahrt in seine Limousine gestiegen war, schwelgte selbst der eher nüchterne Örjan Madsen, leidgeprüfter Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), in Superlativen.

"Sowas kann es nur geben, wenn alle Sportler auf den Punkt genau top-top-topfit sind und sich gegenseitig zu Höchstleistungen jagen", sagte Madsen, dessen deutsche Staffel im Vorlauf kläglich gescheitert war: "Dann entsteht das, was wir hier erlebt haben: Eine Sternstunde."

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