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Florian Keller (2.v.r.) erzielte im Gruppenspiel gegen China zwei Treffer © getty

Beim Auftakt-Sieg gegen das Team des Gastgebers warf Florian Keller seine ganze Erfahrung und Coolness in die Waagschale.

Peking - Der fünfte Teil der einmaligen olympischen Keller-Saga konnte nicht besser beginnen. Mit zwei Toren (43., 54.) war Florian Keller der entscheidende Spieler beim 4:1 (1:1)-Auftaktsieg der deutschen Hockey-Herren gegen China.

Nach seinem Großvater Erwin, Vater Carsten, Halbbruder Andreas und Schwester Natascha ist damit endlich auch der 26-Jährige am Fuße des Olymp angekommen.

"Eigenwillig, aber kein Sonderling"

Es war eine lange Reise mit vielen Umwegen. Anders als Natascha, die in Peking bereits ihre vierten Olympischen Spiele bestreitet, musste Florian zahlreiche Hürden überwinden. Verletzungen und seine eigene Persönlichkeit verhinderten bislang eine glanzvolle Karriere.

"Er ist sehr eigenwillig, aber kein Sonderling. Als Typ sehr gut für die Mannschaft", sagt Bundestrainer Markus Weise, "man muss auf sein Naturell eingehen, er muss seine Sachen machen können."

Die Tore gegen die Chinesen waren für den Mannheimer Coach die Bestätigung, auf die richtige Karte gesetzt zu haben.

"Florian war ja gegen die Chinesen gar nicht so im Spiel", sagte Carlos Nevado, "wenn er gut drauf ist, macht er fünf."

Weise warnt vor Belgien

Sein Team tat sich lange Zeit sehr schwer gegen die quirligen und gut organisierten Asiaten und lag nach einem Torwartfehler schnell mit 0:1 durch Yubo Na (7.) im Rückstand.

Nur langsam fand die deutsche Mannschaft besser ins Spiel. Christopher Zeller (19.) erzielte den Ausgleich, dann kam die Keller-Show, bevor Nevado (68.) den Schlusspunkt setzte. "Es war ein Arbeitssieg", sagte Weise, der Ähnliches am Mittwoch (18.30 Uhr/12.30 MESZ) gegen Belgien erwartet: "Die werden auch heiß gegen uns sein."

Kellers Coolness könnte auch dort helfen. Bei der 3:4-Niederlage gegen Belgien im Spiel um Platz drei bei der Europameisterschaft 2007 gehörte er noch nicht zum Team. Genau so ein Torjäger hat damals gefehlt.

Aufstieg, Abstieg, Comeback

Schon 1999 stand Florian Keller mit 17 Jahren in der Mannschaft, die in Padua Europameister wurde, der Weg zu unzähligen Länderspielen schien für den Torjäger vorgezeichnet.

2000 aber verpasste er knapp die Olympianominierung, 2001 brach ihm das Schlüsselbein, 2005 stoppte ihn ein Bandscheibenvorfall. "Danach hatte ich die Nationalmannschaft endgültig abgeschrieben", sagt der Berliner. Von einem Comeback überzeugt aber hätten ihn drei Dinge: "Trainer, Mannschaft und Olympia."

Schwester wohnt ein Stockwerk höher

Das Erlebnis Peking hat ihn bereits in den Bann gezogen. "Die Eröffnungsfeier war ein Traum, gemeinsam mit meiner Schwester einzumarschieren, das werde ich nie vergessen", erzählt er mit strahlenden Augen.

Überhaupt, das Leben im Dorf: "Meine Schwester sehe ich so oft wie sonst nie, sie wohnt direkt über mir. Und Dirk Nowitzki ist echt cool, ein Teamleader. Man kann sich nicht vorstellen, dass der 40 Millionen verdient."

Vom Bundestrainer begeistert

Davon ist ein Hockeyspieler weit entfernt. Nur weil sein Arbeitgeber, eine Versicherungsagentur, ihn im letzten Jahr einen Halbtagsjob bei voller Bezahlung machen ließ, war der Olympiatraum möglich.

Und die Person Weise überzeugte ihn. "Er lässt uns mehr Freiheiten, auf und neben dem Platz", so Keller, "außerdem hat mir Taschi nach dem Olympiasieg 2004 viel von ihm erzählt, und das hat mir gefallen." Wie gut, wenn man solche Insider in der Familie hat.

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