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Yvonne Boenisch (r.) siegte nur gegen Erdenet-Od Khishigbat © getty

Die Judo-Olympiasiegerin von Athen verkrampft in Peking und scheidet sang- und klanglos aus. Als Konsequenz will sie eine Auszeit nehmen.

Peking - Drei Kämpfe, nur ein Sieg und das Aus in der Hoffnungsrunde: Athen-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch ist im Judo-Turnier von Peking beim Angriff auf eine Medaille kläglich gescheitert.

"Unser Flaggschiff ist untergegangen, das ist bitter", klagte Frauen-Bundestrainer Norbert Littkopf.

Dessen Mannschaft steht nach drei Wettkampftagen noch ohne Erfolgserlebnis da und ist auf dem direkten Weg in die Krise. Olympiasiegerin im Leichtgewicht bis 57 kg wurde Giulia Quintavalle (Italien). Bei den Männern gewann Elnur Mammadli (Aserbaidschan) Gold in der 73-kg-Klasse.

"Eigentlich bin ich eine coole Sau, aber heute habe ich zum ersten Mal den Druck gefühlt, wenn man als Olympiasieger auf die Matte geht", bilanzierte Yvonne Bönisch ihre desolate Vorstellung im Leichtgewicht bis 57 kg.

"Ich stand von Anfang an total neben mir. Zum ersten Mal konnte ich überhaupt nicht mit dem Druck umgehen. Ich bin maßlos enttäuscht."

Bönisch verlor gleich das Auftakt-Duell des dritten Tages gegen die spätere Olympiasiegerin Quintavalle und hatte damit bereits die Chance auf das zweite Gold sowie "den Faden verloren".

Starker Psycho-Ballast

Gegen die starke Italienerin hatte die deutsche Parade-Kämpferin bereits im Vorjahr bei der WM in Rio verloren und "konnte sich von diesem psychischen Ballast nicht befreien", wie Teamchef Manfred Birod analysierte.

In der Hoffnungsrunde gelang nach anfänglichen Schwierigkeiten wenigstens ein klarer Sieg gegen Erdenet-Od Khishigbat (Mongolei), der aber auch nicht für eine Trendwende sorgte.

Das endgültige Aus für Bönisch bedeutete dann die Pleite gegen Barbara Harel, die dritte in Folge gegen die französische Ex-Europameisterin und Angstgegnerin.

Zuvor waren bereits Michaela Baschin (Backnang/-48 kg) und Romy Tarangul (Frankfurt/Oder/-52 kg) jeweils nach einem Sieg und zwei Niederlagen in der Hoffnungsrunde ausgeschieden.

Erfolgserlebnis vonnöten

"Ich hoffe nicht, dass wir uns hier auf diese Variante einschießen. Jetzt brauchen wir dringend ein Erfolgserlebnis", meinte Birod.

Littkopf, der das vorzeitige Aus seiner beiden Jüngsten noch unter der Rubrik "Erfahrung sammeln" abgehakt hatte, ging mit Bönisch härter ins Gericht: "Yvonne hat ganz klar unter Wert gekämpft. Sie war zu verhalten. So kann man hier nichts gewinnen. Natürlich drückt das auf die Stimmung im Team, aber wir haben noch Chancen."

Am Dienstag (ab 18 Uhr MESZ) greifen Ex-Europameister Ole Bischof (Reutlingen/-81 kg) und die mehrfache internationale Medaillen-Gewinnerin Anna von Harier (Böblingen/-63 kg) in das Geschehen ein.

Die frustrierte Yvonne Bönisch will sich nun eine dreimonatige Auszeit vom Judo nehmen. "Ich habe mich vier Jahre auf diesen Wettkampf vorbereitet. So eine Niederlage muss man als Athlet erst einmal verarbeiten." Einen Rücktritt allerdings schloss die 27-Jährige aus. "Ich will noch einmal richtig angreifen. Ich bin noch nicht zu alt für Judo."

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