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Seit 1999 ist Moculescu beim VfB Friedrichshafen und zugleich Bundestrainer © getty

Nach der Pleite gegen Polen hagelt es für den Bundestrainer von allen Seiten Kritik. Nun wird ein Nachfolger gesucht.

Peking - Es ist die Abschiedsvorstellung für Bundestrainer Stelian Moculescu, und sie begann beim Olympia-Comeback nach 36 Jahren mit wenig Beifall.

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) sichtet in Peking bereits die Nachfolger für den Coach.

Nach der 0:3-Auftaktpleite gegen Polen ist Moculescu auch bei seinen durchweg enttäuschenden Spielern in die Kritik geraten.

"Es gibt Angebote und Interessenten. Wir werden bis Jahresende entscheiden und dann soll der neue Mann zu Beginn der Auswahlssaison im Frühjahr 2009 anfangen", sagt Werner von Moltke vor dem zweiten Olympia-Vorrundenspiel gegen Russland am Dienstag (10 Uhr/4 Uhr MESZ).

"Wir suchen national und international"

Um die Konzentration auf das größte Highlight seit München 1972 nicht zu gefährden, will der Verbandschef in Peking keine Trainer offensiv ansprechen: "Aber ich schaue mir in den Spielen an, was für Trainertypen es gibt. Wir suchen national und international."

Die Spieler scheinen das Ende der neunjährigen Ära Moculescu fast herbeizusehnen, obwohl der Trainer aus einer mittelmäßigen Mannschaft wieder eine der besten Adressen im Weltvolleyball gemacht hat.

"Bei all den Auswechslungen war es auch ziemlich schwer, ins Spiel zu kommen", kritisierten mehrere Spieler unisono nach dem Olympia-Auftakt.

Velasco der Nachfiolger?

In der Person von Julio Velasco wurde vor den Sommerspielen bereits mit einem potenziellen Moculescu-Nachfolger verhandelt.

Der Mann hat Italien zum Weltmeister gemacht, das zeigt das hohe Anforderungsprofil an den Neuen. Dem deutschen Topkandidaten Michael Warm (SCC Berlin), der Moculescu einst schon mal beerben sollte und dem DVV jetzt bereits seine Ideen für die Zukunft vorgestellt hat, werden deshalb nur Außenseiterchancen eingeräumt.

"Wollen Ganz-Jahres-Trainer"

"Fest steht, dass wir einen Ganzjahrestrainer wollen. Die Kombination aus Bundestrainerjob und Vereinscoach wie bei Moculescu wird es nicht mehr geben", sagt von Moltke.

Das wird dem manchmal selbstverliebten "Stelu" sauer aufstoßen, der in den letzten Jahren für ein mäßiges Honorar seine Zeit und Gesundheit geopfert hat.

Der erfolgreichste Vereinstrainer in Deutschland aller Zeiten (14 Meistertitel und 16 Pokalsiege) ärgert sich, dass sich in Peking noch niemand vom Verband gemeldet hat.

"So entspannt war ich selten"

Er klingt fast erleichtert, dass seine Arbeit nach Olympia beendet ist.

"Noch zwei Wochen, dann ist alles vorbei. So entspannt wie hier war ich selten", sagt der 58-Jährige, der 1972 für Rumänien als Spieler bei Olympia dabei war.

Er glaubt, dass sein Wirken vom DVV und inzwischen wohl auch von einigen Spielern nicht richtig gewürdigt wird, sonst wäre er wohl auch nie freiwillig gegangen.

Bundestrainer stolz auf seine Arbeit

Aber er ist auch stolz auf die geleistete Arbeit: "Jetzt dürfen andere ran. Ich übergebe ein bestelltes Feld. Jetzt kommt es nur darauf an, dass der Verband die richtigen Entscheidungen trifft."

Werner von Moltke will sich deshalb spätestens nach Olympia mit den Nationalspielern abstimmen.

Stelian Moculescu wird in Zukunft nur noch beim VfB Friedrichshafen Meistertitel und Trophäen wie den sensationellen Triumph in der europäischen Champions League 2007 sammeln: "Mein Herz und meine Familie werden es mir danken."

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