vergrößernverkleinern
Schalkes Rafinha (r., gegen Belgiens Maarten Martens) ist ohne Schalker Okay in Peking © getty

Weil sich der brasilianische und der serbische Verband in den Fällen Rafinha und Kacar nicht rühren, ziehen die Klubs andere Saiten auf.

Berlin - Der Dauerstreit um die Olympia-Teilnahme von Bundesliga-Fußballern hat eine neue Dimension erreicht.

Während die Bundesligisten Schalke 04 und Hertha BSC Berlin wegen des Peking-Einsatzes ihrer Profis Rafinha und Gojko Kacar beim Weltverband FIFA Klage gegen den brasilianischen und serbischen Verband einreichten, droht nun auch dem Hamburger SV eine juristische Auseinandersetzung um den Belgier Vincent Kompany.

Am Montag teilte der belgische Verband mit, dass Kompany "eigenmächtig beschlossen habe, mit der Nationalmannschaft bei den Spielen in Peking zu bleiben". Der HSV hatte den 22-Jährigen nur für die beiden ersten Gruppenspiele gegen Brasilien und China abgestellt.

"Der belgische Verband wird mit dem Hamburger SV Kontakt aufnehmen, um das Problem zu lösen", hieß es in der Mitteilung weiter. Die Hanseaten erwarten hingegen eine sofortige Rückkehr des Spielers.

"Zum Training am Dienstag soll Kompany wieder bei uns sein", erklärte Trainer Martin Jol: "Wir hatten eine Verabredung, nach der Vincent die ersten beiden Spiele machen konnte. Danach sollte er zurückfliegen."

Kompany hatte im ersten Spiel der belgischen Olympia-Auswahl am vergangenen Donnerstag gegen Brasilien (0:1) die Gelb-Rote Karte gesehen und war daher für den zweiten Auftritt am Sonntag gegen Gastgeber China (2:0) gesperrt. Der HSV hatte den Rückflug für seinen Defensivspieler bereits im Vorfeld der Spiele gebucht.

Klubs drohen mit dem CAS

Schalke und Hertha wandten sich dagegen an die FIFA und drohten mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), wie Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der beide Klubs juristisch vertritt, am Montag bestätigte.

"Wenn die FIFA wie bereits zuvor nichts unternimmt oder den Verbänden eine Frist von mehr als zwei Tagen einräumt, dann ziehen die Vereine wieder vor den CAS", sagte Paeffgen und fügte hinzu, dass der Weltverband in der Vergangenheit bei der Frage der Abstellungspflicht der Spieler gezeigt habe, dass er die Verfahren liegen lasse und nicht bearbeite.

Die Verbände werden in der Klageschrift aufgefordert, den Einsatz der Spieler beim olympischen Turnier sofort zu unterlassen und die Profis schnellstmöglich aus Peking zurück zu ihren Arbeitgebern zu schicken.

Verbände haben einen Tag Zeit

Das Spielerstatus-Komitee der FIFA, als erste Instanz der Klage, muss den Verbänden nun mindestens 24 Stunden Zeit einräumen, zur Angelegenheit Stellung zu nehmen. Der CAS hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass die Klubs ihre Spieler für Olympia nicht abstellen müssen.

Die Bundesligisten riefen ihre Profis allerdings nicht zurück, sondern knüpften den Verbleib ihrer Spieler in China an die Bedingung, dass die Verbände eine Versicherung für die Profis abschließen und Abstellungsgebühren entrichten. Bis zuletzt hatten Brasilien und Serbien aber nicht auf die Forderungen der Klubs reagiert.

Im Fall Rafinha fordert Schalke nun vom brasilianischen Verband CBF, 26.600 Euro für jeden Kalendertag seit dem 23. Juli bis zur Verkündung des Urteils zu zahlen. Sollte die FIFA ein Olympia-Teilnahmeverbot für den Schalker aussprechen, fordern die "Knappen" ab dem Urteilsspruch sogar 50.000 Euro täglich.

Das Geld würde aber laut Paeffgen einer gemeinnützigen Einrichtung zugutekommen. Werder Bremen hatte am Wochenende ebenfalls angekündigt, im Falle einer Verletzung seines Spielmachers Diego die FIFA oder den brasilianischen Verband zu verklagen.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel