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Rafinha (r.) spielt seit August 2005 bei Schalke 04 © getty

Während die Bundesligisten die Verbände verklagen, kehrt Kompany freiwillig zum HSV zurück. Dieter Hoeneß schimpft auf die FIFA.

München/Peking - Der Dauerstreit um die Olympia-Teilnahme von Bundesliga-Spielern hat eine neue Dimension erreicht.

Doch während die Bundesligisten Schalke 04 und Hertha BSC Berlin wegen des Peking-Einsatzes ihrer Profis Rafinha und Gojko Kacar beim Weltverband FIFA Klage gegen den brasilianischen und serbischen Verband einreichten, kehrt der Belgier Vincent Kompany vorzeitig zum HSV zurück.

Schalke und Hertha wandten sich dagegen an die FIFA und drohten mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), wie Rechtsanwalt Theo Paeffgen, der beide Klubs juristisch vertritt, am Montag bestätigte.

"FIFA unternimmt nichts"

"Wenn die FIFA wie bereits zuvor nichts unternimmt oder den Verbänden eine Frist von mehr als zwei Tagen einräumt, dann ziehen die Vereine wieder vor den CAS", sagte Paeffgen.

Außerdem habe der Weltverband, wie Paeffgen anfügte, in der Vergangenheit bei der Frage der Abstellungspflicht der Spieler gezeigt, dass er die Verfahren liegen lasse und nicht bearbeite.

Spieler sollen zurück

Die Verbände werden in der Klageschrift aufgefordert, den Einsatz der Spieler beim olympischen Turnier sofort zu unterlassen und die Profis schnellstmöglich aus Peking zurück zu ihren Arbeitgebern zu schicken.

Das Spielerstatus-Komitee der FIFA, als erste Instanz der Klage, muss den Verbänden nun mindestens 24 Stunden Zeit einräumen, zur Angelegenheit Stellung zu nehmen.

Serbien und Brasilien ignorieren Forderungen

Der CAS hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass die Klubs ihre Spieler für Olympia nicht abstellen müssen.

Die Bundesligisten riefen ihre Profis allerdings nicht zurück, sondern knüpften den Verbleib ihrer Spieler in China an die Bedingung, dass die Verbände eine Versicherung für die Profis abschließen und Abstellungsgebühren entrichten.

Bis zuletzt hatten Brasilien und Serbien aber nicht auf die Forderungen der Klubs reagiert.

Hoeneß geht auf die Barrikaden

Gegenüber dem DSF machte auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß seinem Ärger Luft:

"Es ist ein Unding, dass erst 24 Stunden vor dem ersten Spiel eine CAS-Entscheidung fällt und überhaupt solche Entscheidungen bei der FIFA getroffen werden", wetterte Hoeneß und attackiert auch FIFA-Präsident Blatter und dessen Schlingerkurs:

"Nachdem er die Vereine und Verbände so im Stich gelassen hat, appelliert Blatter auch noch an die Solidarität. Von der FIFA kommt nichts, was zu einer Klärung beitragen könnte", so Hoeneß.

"Gojko Kacar hat jetzt zwei Spiele für den serbischen Fußballverband absolviert ? ohne Versicherung. Wenn er sich verletzt hätte, wäre keiner dafür eingetreten ? außer der normalen Krankenversicherung", lederte Hoeneß weiter.

Brasilianischer Verband soll blechen

Im Fall Rafinha fordert Schalke nun vom brasilianischen Verband CBF, 26.600 Euro für jeden Kalendertag seit dem 23. Juli bis zur Verkündung des Urteils zu zahlen.

Sollte die FIFA ein Olympia-Teilnahmeverbot für den Schalker aussprechen, fordern die Knappen ab dem Urteilsspruch sogar 50.000 Euro täglich.

Das Geld würde aber laut Paeffgen einer gemeinnützigen Einrichtung zugutekommen.

Werder Bremen hatte am Wochenende ebenfalls angekündigt, im Falle einer Verletzung seines Spielmachers Diego die FIFA oder den brasilianischen Verband zu verklagen.

Kompany packt seine Sachen

Der Streit zwischen dem HSV und Kompany ist dagegen geklärt.

"Ich werde am Dienstag die Nationalmannschaft verlassen und nach Hause fliegen", verkündete der Abwehrspieler, der wenige Stunden zuvor nach Angaben des belgischen Verbandes "eigenmächtig beschlossen" hatte, in Peking zu bleiben.

Nachdem HSV-Coach Martin Jol noch einmal deutlich die Rückkehr gefordert und Kompany bei seinem Vorstoß keine Hilfe vom Verband bekam, machte er allerdings seiner Enttäuschung Luft.

"Zu riskant, hier zu bleiben"

"Ich finde, es ist ein Jammer, dass ich mein Land im Stich lassen muss", sagte er:

"Ich bin sehr enttäuscht, weil ich keine Unterstützung von Seiten des Verbandes gefühlt habe. Ich habe mit allen in Hamburg gesprochen und mein Platz ist hier. Aber ich glaube, dass es zu riskant ist hier zu bleiben."

Damit spielte der Defensivspieler offenbar auf den nicht geregelten Versicherungsschutz an.

Kompany ohnehin gesperrt

Kompany hatte im ersten Spiel der belgischen Olympia-Auswahl am vergangenen Donnerstag gegen Brasilien (0:1) die Gelb-Rote Karte gesehen und war daher für den zweiten Auftritt am Sonntag gegen Gastgeber China (2:0) gesperrt.

Der HSV hatte den Rückflug für seinen Defensivspieler bereits im Vorfeld der Spiele gebucht.

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