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Ein hartes Stück Arbeit: Sandra Simisek im Zweikampf mit Kyong Hwa Kim © getty

Verhaltene Freude: Nach dem mühsam ermauerten Sieg gegen Nordkorea üben die DFB-Frauen überraschend deutliche Selbstkritik.

Tianjin - Sie spielen erfolgreich, sie brechen Rekorde - doch die große Begeisterung wollte bei den deutschen Weltmeisterinnen auch nach dem Viertelfinal-Einzug gegen Schweden beim olympischen Fußball-Turnier nicht aufkommen.

Nach dem mühsam ermauerten 1:0 (0:0)-Sieg gegen Nordkorea und dem dritten Erreichen der olympischen K.o.-Runde in Serie gab es stattdessen überraschend deutliche Selbstkritik.

DFB-Trainerin Silvia Neid deckte gleich ein Sammelsurium von Problemen auf.

"Das Leben selbst schwer gemacht"

"Uns fehlte die Genauigkeit, das Spiel nach vorne war nicht gut, wir haben viele technische Fehler bei der Ballan- und mitnahme gemacht. Und wenn wir den Ball erobern, spielen wir ihn direkt zum Gegner", sagte sie in ihrer Analyse.

Anders ausgedrückt: "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht." Am Freitag wartet in Shenyang der Dauerrivale Schweden auf die DFB-Frauen.

Glanzloser Erfolg

Damit hatte Neid nicht nur das Spiel gegen zugegeben starke Nordkoreanerinnen passend wiedergegeben, sondern auch eine gute Zusammenfassung der Schwierigkeiten geliefert, die sich wie ein roter Faden durch alle drei Vorrundenspiele zogen.

Die deutschen Maurermeisterinnen rackerten und kämpften sich zu sieben Punkten und auf Platz zwei hinter Brasilien in der Gruppe F, spielerischer Glanz war aber auch bei sehr genauem Hinsehen nicht zu erkennen.

"Katastrophales Passspiel"

Auch Mittelfeldchefin Renate Lingor nahm deshalb kein Blatt vor den Mund.

"Wir hatten ein katastrophales Passspiel. In der Abwehr fängt das an, es zieht sich über das Mittelfeld - und vorne ist es genau so", sagte sie.

Statt der gewohnten Spielkultur habe es "viele, viele Missverständnisse" gegeben. Lingors Fazit: "Es läuft einfach nicht rund."

Rekord für Angerer

Die wenigen positiven Aspekte der Begegnung vor 12.387 Fans in Tianjin sind schnell zusammengefasst.

Die Viererabwehrkette vor der diesmal "nur" ordentlichen Torfrau Nadine Angerer stand weitgehend stabil und stellte einen neuen olympischen Rekord auf: Sie hat seit 381 Minuten keinen Gegentreffer kassiert.

Den letzten musste Silke Rottenberg 2004 im Halbfinale gegen die USA hinnehmen, Angerer ist in den bisher 270 Turnierminuten unbezwungen.

Mittag mit dem ersten Stürmertor

Anja Mittag gelang das erste Stürmertor in China (86.). Die Potsdamerin freute sich zwar über ihren Treffer, doch auch sie musste zugeben, "dass es vorne noch nicht so richtig klappt".

Das lag weniger an Mittag selbst, die wie schon nach ihrer Einwechslung gegen Nigeria, als sie den Siegtreffer vorbereitete, für frischen Wind sorgte. Sandra Smisek war dagegen ein Schatten ihrer selbst.

"Wir holen Gold"

Dass Neid die Konsequenzen zieht, und im Viertelfinale gegen Schweden, Kanada oder China am Freitag in Shenyang Mittag oder der überhaupt noch nicht eingesetzten Conny Pohlers vertraut, ist nicht zu erwarten.

"Ansprüche stelle ich jetzt nicht", sagte Mittag. Dafür gab sie aber eine forsche Devise aus. "Wir holen Gold, weil wir in der Abwehr gut stehen. Vorne klappt's auch bald wieder."

Lingor appellierte indes an ihre Kolleginnen: "Jetzt müssen wir anfangen, Fußball zu spielen." Dass das klappt, daran hat sie keinen Zweifel. "Wir werden in den nächsten Spielen besser sein. Das ist ein Versprechen und da kann kommen wer will."

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