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Timo Boll liegt derzeit auf Rang sechs der Weltrangliste © getty

Stefan Kretzschmar, Jens Kruppa und Stefan Pfannmoeller berichten für Sport1 von Olympia - nah am Sportler. Diesmal: Tischtennis-Hoffnung Timo Boll

Stefan: Du wirst in China verehrt und gefürchtet. Wie äußert sich das während der Spiele?

Timo: Naja, ich habe schon einige Fans hier in China, aber sobald ich gegen einen Chinesen spiele, feuern die Chinesen natürlich ihre eigenen Leute an. Gerade im ersten Spiel gegen die Kroaten hoffe ich aber schon auf ein wenig Unterstützung. Das wird verdammt schwierig. Wir hoffen natürlich auf einen Auftaktsieg, damit wir gut ins Turnier kommen.

Stefan: Wie fühlst Du Dich in der Rolle als "Jäger" der Chinesen?

Timo: Besser als in der Rolle des Gejagten. Ich war ja auch eine Zeit lang die Nummer eins der Welt. Das ist ein großer Druck, der da auf einem lastet. Damals bin ich beispielsweise als Nummer eins zur Weltmeisterschaft gereist und gleich in der zweiten Runde ausgeschieden - da kann ich ein Lied davon singen. Die Chinesen werden es sehr schwer haben, denn jeder erwartet von ihnen alle drei (Gold-)Medaillen. Meine Position ist deshalb eigentlich eine ganz angenehme.

Stefan: Du bist abseits vom Sport der "Sunnyboy". Wie ist das im Wettkampf? Wie ist das an der Platte?

Timo: Nun ja, ich würde mich schon als sehr ehrgeizig einschätzen. Ich nehme alles sehr ernst und nicht "Sunnyboy-mäßig". Wir sind alle gut drauf, haben schon viele andere Sportler kennengelernt und viel mit ihnen gesprochen. Es herrscht einfach im gesamten deutschen Team eine super Stimmung. Es macht einfach Spaß, hier zu sein.

Stefan: Wie sehen Deine Ziele aus?

Timo: Eine Medaille ist natürlich ein großer Traum. In Sydney und Athen hat es ja leider nicht geklappt. In Sydney war ich vielleicht noch etwas jung. In Athen bin ich am Großmeister Waldner gescheitert. Ich hoffe, dass nun meine Zeit kommt.

Stefan: Mal weg von der Mannschaft und hin zu der Auslosung der Gruppen bei den Einzelturnieren. Auf Ma Lin triffst Du theoretisch im Viertelfinale. Bist Du sehr unglücklich damit?

Timo: Ich habe damit gerechnet, dass es eine schwierige Auslosung werden kann. Durch meine Verletzungen letztes Jahr und Anfang dieses Jahres bin ich in der Weltrangliste ganz schön abgerutscht. Damit wurde ich auf Rang fünf gesetzt und es war klar, dass ich einen der ersten vier als Gegner bekomme. Dass es nun Ma Lin geworden ist, kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein. Das werden wir dann sehen. Erst einmal muss ich so weit kommen.

Stefan: Was sind denn seine Stärken?

Timo: Wenn er locker spielt, ist er eigentlich der beste Spieler der Welt. Er hat ein großes Schlag-Repertoire. Er ist unheimlich schnell. Er hat immer gute Ideen. Es gibt eigentlich nichts, was er nicht kann. Aber in der Vergangenheit ist er öfters mal an seinen Nerven gescheitert. Ich hoffe, dass ich mir genau das zum Vorteil machen kann.

Stefan: Kurzer Themenwechsel: Viele Sportler haben hier in Peking Probleme mit der Hitze. Wie trotzt Du dem Klima?

Timo: Wir haben eine wunderbar klimatisierte Halle. Da ist es wirklich sehr angenehm. Ich habe mit den Tennisspielern gesprochen. Die gehen bei der Hitze ja wirklich kaputt. Da haben wir es im Vergleich recht einfach und können uns glücklich schätzen, Hallensportler zu sein.

Stefan: Welche Kleidung zieht man an, wenn Du raus gehst?

Timo: Das ist gar nicht so einfach. Immer wenn man raus geht, schwitzt man und wenn man dann das nächste Gebäude betritt, bläst einem schon die kalte Luft der Klimaanlage entgegen. Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht krank wird. Aber wir sind ja chinaerfahren und haben das deswegen gut im Griff.

Stefan: Dankeschön.

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