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Letzter Platz für den Deutschland-Achter im Vorlauf der olympischen Regatta © getty

Sebastian Schmidt wirkte ratlos, Trainer Christian Viedt war fassungslos und Sportdirektor Michael Müller mutlos.

Peking - Der Deutschland-Achter ist im Vorlauf der olympischen Ruder-Regatta der Weltspitze bedenklich hinterhergerudert und muss in dieser Form ernsthaft um den Finaleinzug über den Umweg Hoffnungslauf bangen.

"Über diesen Platz kann man sich nicht freuen. Ich weiß auch nicht genau, woran es lag. Der Rückstand ist schon sehr ärgerlich", meinte der Mainzer Schmidt, der einen der Rollsitze im Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) erst 65 Tage vor Beginn der Sommerspiele endgültig eingenommen hatte.

Achter-Trainer Viedt verstand due Welt nicht mehr: "Damit hätte ich auch nicht gerechnet."

Nur Platz vier

Das neu formierte Flaggschiff der deutschen Flotte belegte beim ersten Start im Shunyi Park nur Platz vier, mit knapp zwölf Sekunden Rückstand auf den siegreichen WM-Dritten Großbritannien.

Aber auch Olympiasieger USA und Gastgeber China musste der Achter bei seiner enttäuschenden Vorstellung auf der 2000 m Strecke ziehenlassen.

"Vielleicht waren die eigenen Erwartungen zu hoch, ich weiß nicht, ob es wirklich besser wird. Die Trainingsleistungen haben deutlich mehr erwarten lassen", sagte DRV-Sportdirektor Michael Müller.

Hacker feiert Sieg

Einen Tag nach dem schweren Unwetter auf der Regattastrecke hellte sich Müllers Miene aber auch etwas auf. Der Einer-Meister Marcel Hacker (Frankfurt/Main) feierte einen Sieg im Viertelfinale gegen den britischen WM-Vierten Alan Campbell und zog ins Halbfinale ein.

Er habe den Sprung unter die Top Zwölf geschafft. Damit sei er erstmal zufrieden, erklärte der WM-Fünfte Hacker, der sich am Montagmorgen vor dem Rennen noch übergeben musste.

Kampf um die Endläufe

Annekatrin Thiele (Leipzig) und Christiane Huth (Potsdam) bescherten dem DRV mit Platz zwei im Doppelzweier-Hoffnungslauf sogar die erste Finalteilnahme.

Die restlichen der insgesamt 13 DRV-Boote in den 14 olympischen Klassen kämpfen in sechs Halbfinals und sechs Hoffnungsläufen um den Einzug in die Endläufe.

Dazu gehört auch der Frauen-Achter, der ebenso wie die Männer im Vorlauf am Montag beim Sieg von Weltmeister USA nur Vierter wurde.

Verband in der Kritik

Der Auftritt des Deutschland-Achters sorgte allerdings für mehr Gesprächsstoff. Dabei steht auch der Verband in der Kritik.

Anfang Juni hatte der DRV die Achter-Crew um Schlagmann Bernd Heidicker wegen Erfolglosigkeit in dieser Saison fast komplett ausgetauscht und Bundestrainer Dieter Grahn entmachtet.

In der alten Besatzung war das Großboot 2006 in Eton zum ersten WM-Titel seit elf Jahren gerudert, 2007 holte der Achter bei der Heim-WM in München hinter den bärenstarken Kanadiern immerhin Silber.

"Wenn man das Rennen jetzt gesehen hat, wird der Frust erst richtig groß. Wir haben leider nie eine Chance bekommen, gegen den neuen Achter zu fahren", sagte Heidicker.

"Am Start nicht schnell genug"

Er sei immer davon überzeugt gewesen, dass der WM-Achter von 2006 eine Olympia-Medaille geholt hätte. Die Probleme der neuen Besatzung seien klar.

"Sie sind am Start nicht schnell genug. Wenn man auf den ersten 1000 Metern nicht dabei ist, gewinnt man keinen Blumentopf", sagte Heidicker, der einen schweren Hoffnungslauf am Dienstag (11.20 Uhr MESZ) vorhersagt: "Der Druck ist richtig groß."

Im Hoffnungslauf trifft der Achter, der dem DRV die erste Olympia-Medaille in dieser Bootsklasse seit dem Atlanta-Silber 1996 bescheren soll, erneut auf die USA und China sowie Polen, Australien und die Niederlande. Die ersten vier Boote erreichen das Finale am Sonntag.

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