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Chinas Team: Cheng Fei, Deng Linlin, He Kexin, Jiang Yuyuan, Li Shanshan, Yang Yilin © getty

18.000 chinesische Zuschauer feiern im ausverkauften National Indoor Stadium: Nach den Männern gewinnen auch Chinas Frauen Gold.

Peking - Trainer Lu wurde durch die Luft gewirbelt, 18.000 Fans kreischten in Düsentriebwerkslautstärke und das chinesische Staatsfernsehen hatte sein goldenes Happy End:

Der Mannschafts-Olympiasieg für ein halbes Dutzend kleine Turnerinnen ließ das öffentliche Leben minutenlang stillstehen.

Millionen von Werktätigen im riesigen Reich der Mitte verfolgten in ihrer Mittagspause wie gebannt Schlussphase und Siegerehrung eines historischen Momentes chinesischer Sportgeschichte.

Und um diesen nachhaltig auszukosten, werden die höchst emotionalen Bilder aus dem National Indoor Stadium Höhe- und Schlusspunkt einer Doku-Soap über die Olympiavorbereitungen sein, das nach den Spielen von Peking in die Kinos kommt.

Nur ein Sturz

Die chinesische Variante des Wunders von Bern sozusagen.

Klar, dass das siegreiche Zwergen-Sextett sich die festliche Premiere nicht entgehen lassen will.

"Ich bin ganz sicher dabei", verkündete Teamführerin Cheng Fei voller Vorfreude.

Da konnte die Sprung-Weltmeisterin längst wieder lächeln, denn auch ihr Sturz vom Schwebebalken - bei 18 Übungen der einzige Patzer der siegreichen Riege - brachte das erste olympische Mannschaftsgold für Chinas Turnerinnen (188,900 Punkte) letztlich nicht mehr in Gefahr.

USA werden Zweite

Bei der Entscheidung am Boden erwiesen sich die Erzrivalinnen aus den USA als nervenschwach und mussten wie schon in Athen 2004 mit der Silbermedaille (186,525) zufrieden sein. Bronze ging mit deutlichem Abstand (181,525) an Ex-Weltmeister Rumänien.

USA klagen offizielle an

Für die Niederlage gegen China machten die US-Amerikaner flugs chinesische Offizielle verantwortlich, die die Vorbereitungen der später vom Schwebebalken gefallenen Alicia Sacramone gestört und verzögert haben sollen.

"Das war total unüblich und unfair", keifte Teamchefin Marta Karoly. Ihr Ehemann Bela haute als Co-Kommentator des US-Fernsehsenders NBC verbal in die gleiche Kerbe.

"Haben viel verändert"

In Athen 2004 waren die Chinesinnen noch leer ausgegangen, danach wurden tiefgreifende Reformen umgesetzt. Man intensivierte das Mentaltraining, Hand in Hand damit ging der grundsätzliche Beschluss, die Athleten öfter und früher zu internationalen Turnieren zu schicken, um mehr Wettkampfhärte zu erarbeiten.

Chefcoach Lu Shanzhen: "Wir haben viel geändert, und alles ist nach Plan gelaufen."

Wie alt sind die Chinesinnen?

Nur die Zweifel am korrekten Alter von drei seiner Olympiasiegerinnen - laut Reglement müssen sie bis Jahresende 16 Jahre alt werden - waren auch nach dem goldenen Triumph noch nicht zerstreut.

Sollte China wirklich systematisch die Reisepässe seiner Athletinnen manipulieren, wird man künftig noch früher damit anfangen müssen, denn mit Hilfe von Startlizenzen will der Turn-Weltverband FIG das offenkundige Problem intensiver als bisher bekämpfen.

Volles Risiko nicht belohnt

Ein schwacher Trost für den US-Verband, der die Diskussion darüber vor Beginn der Spiele befeuert hatte, aber ohne offizielle Dokumente und stichhaltige Beweise ins Leere lief.

So setzte man im Wettkampf notgedrungen auf volles Risiko und überforderte damit die aktuellen Mannschafts-Weltmeisterinnen.

Hambüchen im Einsatz

Die olympischen Kunstturn-Wettbewerbe werden am Donnerstag (11 Uhr/5 Uhr MESZ) mit der Mehrkampf-Entscheidung der Männer fortgesetzt.

Für den DTB starten Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen aus Niedergirmes sowie der deutsche Vize-Meister Philipp Boy (Cottbus).

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