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Stefan Schumacher konnte die Erwartungen bei Olympia nicht erfüllen © getty

Schweizer Jubel und deutsche Ernüchterung: Beim Zeitfahren erfüllen sich die Erwartungen von Stefan Schumacher nicht.

Peking - Als sich Stefan Schumacher abgeschlagen und gedemütigt den letzten Berg bei der Chinesischen Mauer hochgequält hatte, war das Debakel für den deutschen Radsport perfekt.

Die hochgehandelten Pedaleure zeigten desaströse Leistungen und blieben meilenweit hinter den Erwartungen zurück.

Nach vier Pleiten in fünf Tagen ist der Bund Deutscher Radfahrer im Straßenbereich erneut am Tiefpunkt angelangt - da, wo er letztmals 1996 gestanden hatte.

Schumacher nicht wiederzuerkennen

Schumacher war als doppelte Goldhoffnung nach Peking gereist, im Zeitfahren über 47,3 km kam er aber nicht über den 13. Platz hinaus.

Im Vergleich zur Tour de France, wo er die Konkurrenz im Kampf gegen die Uhr noch in Grund und Boden gefahren hatte, war er nur ein Schatten seiner selbst.

3:14 Minuten lag der WM-Dritte hinter Olympiasieger Fabian Cancellara (Schweiz), der den überraschend starken Schweden Gustav Larsson und Levi Leipheimer (USA) auf die Plätze verwies. Auch der deutsche Meister Bert Grabsch konnte in die Medaillenvergabe nicht eingreifen und wurde 3:15 Minuten zurück 14.

"Deutsche sind solche Bedingungen nicht gewohnt"

"Es lief nicht schlecht, aber die anderen waren schneller", sagte Grabsch. Der Wittenberger machte die Wetterverhältnisse für das Debakel verantwortlich.

"Vielleicht liegt es am Typ. Wir als Deutsche sind solche Bedingungen nicht gewohnt. Vielleicht hätten wir einen Monat eher herkommen müssen."

Wie schon beim Straßenrennen war es auch am Mittwoch wieder schwülwarm.

Zielvorgabe quasi nicht mehr zu erreichen

Wenige Stunden zuvor hatten schon Judith Arndt (Leipzig) und Hanka Kupfernagel (Werder) in der chinesischen Hitze ein Fiasko erlebt. Beide waren als Mitfavoritinnen ins Rennen gegangen, fuhren nach 23,5 km jedoch als Sechste und Elfte mit jeweils über einer Minute Rückstand noch hinter "Rad-Oma" Jeannie Longo über den Zielstrich.

Die 49-Jährige wurde sensationell Vierte, Gold sicherte sich die US-Amerikanerin Kristin Armstrong. Dahinter folgten Ex-Weltmeisterin Emma Pooley (Großbritannien) und die Schweizerin Karin Thürig.

Damit ist die ursprüngliche Zielvorgabe des BDR-Sportdirektors Burckhard Bremer von fünf Medaillen im gesamten Radsport-Bereich quasi nach den Straßenrennen schon nicht mehr zu erreichen. Im Bahnbereich sind die Erwartungen ohnehin auf ein Minimum beschränkt, einzige echte Goldhoffnung bleibt Mountainbikerin Sabine Spitz.

Cancellara überholt Schumacher

Die Bühne für einen neuerlichen Zweikampf zwischen Schumacher und Weltmeister Cancellara war bereitet, die Top-Fahrer gingen als Letzte auf die Strecke.

Doch schon nach der ersten Runde musste sich Schumacher aus dem Medaillenkampf verabschieden, als Cancellara den 90 Sekunden vor ihm gestarteten Rivalen bei Kilometer 23,5 überholte und ihm so schmerzlich seine Grenzen aufzeigte.

Damit warten die Straßenradfahrer seit den Spielen 2000 in Sydney auf eine Medaille. Damals hatten Olympiasieger Jan Ullrich und Andreas Klöden in den zwei Disziplinen einen kompletten Satz an Edelmetall mit nach Hause gebracht.

Deutsche Akteure mit Ausflüchten

Davon waren die deutschen Akteure diesmal weit entfernt, umso besser waren die Ausreden.

"Ich bin vielleicht zu früh angereist. Die ersten vier Tage ging es mir sehr gut, doch ich habe dann den Wetterumschwung nicht verkraftet", sagte Zeitfahr-Weltmeisterin Kupfernagel, und ergänzte: "Wir sind nun mal nicht in der Planwirtschaft. Das war nicht mein Tag."

Nach ihrer starken Bronchitis im Frühling wollte sie ihre zweite Olympia-Teilnahme schon absagen, hatte sich dann aber doch von Sponsoren überreden lassen.

Arndt sorgt für Verwunderung

"Uns fehlten fast zwei Monate, da mussten wir die Vorbereitung übers Knie brechen", sagte Kupfernagels Lebensgefährte, der frühere Cross-Weltmeister Mike Kluge.

Keine Probleme in der Vorbereitung, aber im Rennen nur unwesentlich besser war Arndt. Doch die Enttäuschung hielt sich in Grenzen.

"Ich bin eben keine Zeitfahrerin", sagte Arndt und sorgte für Verwunderung. Zur Erinnerung: 2004 war sie Vize-Weltmeisterin im Kampf gegen die Uhr.

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