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Timo Boll wurde 2002 und 2007 Europameister im Einzel © getty

Die deutschen Tischtennis-Männer beißen sich in der Neuauflage des EM-Finals knapp durch. Die Frauen erwischen dagegen einen Fehlstart.

Peking - Trotz des Schläger-Schocks für Timo Boll und harter Gegenwehr sind die deutschen Tischtennis-Männer erfolgreich in die Operation Olympia-Medaille gestartet.

In der Neuauflage des letzten EM-Finales besiegte der Europameister zum Auftakt des neu eingeführten Mannschaftswettbewerbs Kroatien mit 3:0.

Dabei musste Boll kurzfristig mit seinem Ersatzschläger antreten, da der Belag seines eigentlichen Spielgeräts angeblich 0,1 Millimeter zu dick war.

"Ich spiele seit zehn Jahren mit dem Belag, doch das ist mir noch nie passiert. Zehn Minuten vor Spielbeginn hieß es, mein Schläger sei nicht regelkonform. Ich war kurzzeitig geschockt, doch zum Glück hatte ich meinen Ersatzschläger gut vorbereitet", sagte Boll.

Statt der erlaubten 4,0 wurde sein Vorhandbelag mit 4,1 Millimeter gemessen, was der zweimalige Weltcupsieger überhaupt nicht nachvollziehen konnte: "Das ist ein vom Weltverband zugelassener Belag. Das ist keine Sonderanfertigung, den kann man in jedem Geschäft kaufen."

Boll, Dimitrij Ovtcharov und das Europameister-Doppel Boll/Christian Süß holten die Punkte für die an Nummer zwei gesetzten Männer des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Nach dem erfolgreichen Auftakt liegt der WM-Zweite von 2006 auf Kurs Richtung Gruppensieg.

Nur die jeweils beste Mannschaft der vier Gruppen spielt um Silber und Gold. Die Gruppenzweiten haben maximal die Chance auf Bronze.

China ohne Probleme

Gold-Favorit China gab sich in der gut gefüllten Sporthalle der Universität Peking zum Auftakt wie erwartet keine Blöße und besiegte Griechenland 3:0. Deutschlands Frauen verloren überraschend 0:3 gegen Rumänien.

Der in China als Superstar verehrte Boll tat sich beim 3:2-Auftakt gegen Zoran Primorac schwer. Der Doppel-Olympiazweite von Seoul setzte Boll von Beginn an unter Druck und hatte auch das nötige Glück, als er die Sätze eins und vier jeweils durch einen Kantenball für sich entschied.

Doch Deutschlands Nummer eins drehte im entscheidenden Durchgang auf, Primorac konnte Bolls Tempo nicht mehr mitgehen. Folglich verwandelte Boll seinen zweiten Matchball durch einen erzwungenen Fehler des Kroaten. Auch im abschließenden Doppel stellte Boll an der Seite von Süß seine Extraklasse unter Beweis und trug maßgeblich zum 3:1-Sieg bei.

Ovtcharov nervenstark

Zuvor hatte Ovtcharov dem gebürtigen Chinesen Tan Rui Wu ein packendes Duell geliefert. Der EM-Dritte lag gegen den nur 1,64 m großen Wirbelwind bereits mit 1:2 zurück, doch der erst 19-Jährige bewies Nervenstärke, fand zurück ins Spiel und nutzte im entscheidenden Satz gleich seinen ersten Matchball.

Für die DTTB-Frauen ist das anvisierte Viertelfinale bereits nach dem Auftakt in Gefahr. Gegen die an Nummer 13 gesetzten Rumäninnen verloren sowohl Jiaduo Wu (Kroppach) als auch Elke Schall (Busenbach) ihre Einzel jeweils glatt mit 0:3.

Im Doppel gewann Schall an der Seite von Zhenqi Barthel (Holsterhausen) zumindest den zweiten Durchgang, das Match ging dennoch mit 1:3 verloren.

Fortsetzung am Donnerstag

Am Donnerstag stehen für die deutschen Teams gleich zwei Matches auf dem Programm. Die Männer treffen zunächst auf Außenseiter Kanada (10 Uhr/4 Uhr) und spielen dann gegen Singapur (19.30 Uhr/13.30 Uhr) um den Gruppensieg.

Die Frauen spielen jeweils parallel zu den Männern zuerst gegen Polen und am Abend gegen den WM-Dritten und Gruppenfavoriten Hongkong.

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