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Benjamin Kleibrink trat als WM-Dritter in Peking an © getty

Benjamin Kleibrink hat das 1. deutsche Florett-Gold in der Olympia-Geschichte gewonnen. Britta Heidemann setzt noch einen drauf.

Peking - Zwischen den historischen Goldmedaillen lagen gerade einmal 19 Minuten: Erst riss sich Benjamin Kleibrink die Maske vom Kopf und sprang in die Arme von Bundestrainer Uli Schreck.

Kurz darauf schrie Britta Heidemann ihre Freude hinaus, verdrückte ein paar Freudetränen und fiel ihrem Bruder Gerrit um den Hals.

Mit historischen Siegen erfüllten sich der 23 Jahre alte Florett-Fechter und die 25 Jahre alte Degen-Spezialistin ihren Traum von Gold in Peking.

Lob vom Bundespräsidenten

Als einen "herausragenden Beitrag" würdigte Bundespräsident Horst Köhler unmittelbar nach dem Doppel-Triumph die Leistung der beiden Olmpiasieger. Für beide Athleten bedeutete der Triumph den größten Erfolg ihrer Karriere.

"Mir fällt einfach nur das Wort geil dazu ein. Das ist einfach Wahnsinn. Es war bombig. Ich habe die Gegner echt weggefegt", sagte der überglückliche Kleibrink und ergänzte: "Ich bin zu kaputt, um zu lachen."

Heidemann war vor Freude ebenfalls kaum zu halten: "Das ist phantastisch. Ich habe es einfach durchgezogen. Olympiagold ist der Traum eines jeden Sportlers."

Auf den Spuren von Seoul 1988

Kurz nachdem der Bonner Kleibrink bei seiner Olympia-Premiere für das erste Einzel-Gold eines deutschen Florett-Fechters gesorgt hatte, sicherte sich auch die Weltmeisterin aus Leverkusen ihren ersten Olympiasieg - und das erste Degen-Gold im Einzel für eine deutsche Frau.

19 Minuten nach Kleibrink machte die überglückliche Weltranglistenerste damit auch den zweiten Doppel-Olympiasieg in der deutschen Fecht-Geschichte nach Anja Fichtel mit dem Florett und Arnd Schmitt mit dem Degen in Seoul 1988 perfekt.

Im Finale setzte sich Heidemann gegen die Rumänin Ana Branza 15:11 durch. Kleibrink bezwang in seinem letztes Duell Yuki Ota aus Japan 15:9. Bronze ging an die Ungarin Ildiko Mincza-Nebald und den Italiener Salvatore Sanzo.

Joppich im Viertelfinale raus

Der dreimalige Weltmeister Peter Joppich aus Koblenz und Imke Duplitzer aus Bonn waren dagegen bereits im Viertelfinale gescheitert und kamen jeweils auf Platz fünf.

Gegenseitig hatten sich Heidemann und Kleibrink im Wettkampf nach vorn getrieben. "Mich pusht das immer sehr, wenn ich mit den Florett-Fechtern zusammen einen Wettkampf habe. Wir klatschen uns zwischen den Gefechten immer ab", erzählte Heidemann und verriet im kumpelhaften Ton über Kleibrink: "Benni ist ein Frechdachs."

Nur drei Kilometer wohnen beide in Köln voneinander entfernt, im olympischen Dorf teilen sie ein Appartement.

Höhepunkt einer "chinesischen Affäre"

Anders als für den Sportstudenten bildete der Triumph für Heidemann auch den Höhepunkt ihrer "chinesischen Affäre". In den vergangenen Wochen habe sie viele Stimmungsschwankungen erlebt, erzählte die Weltmeisterin, die in Athen 2004 bereits mit dem Team die Silbermedaille gewonnen hatte.

"Einen Tag hektisch, einen Tag panisch, einen Tag weinerlich. Gestern war ich ziemlich locker, heute morgen angespannt, am Mittag wieder locker - die ganze Palette an psychologischen und emotionalen Regungen rauf und runter. Ich habe alles durchgemacht", berichtete Heidemann. Umso größer war die Freude, als all der Druck abfiel.

Lebenstraum wird wahr

Vor 15 Jahren war Heidemann erstmals im Reich der Mitte, nach mittlerweile weit mehr als 20 Aufenthalten in Peking bezeichnet sie die Stadt als ihre zweite Heimat. Sie spricht Mandarin fließend, das Studium der chinesischen Regionalwissenschaften an der Uni Köln hat sie gerade abgeschlossen.

Mit dem Olympia-Sieg wurde ein Lebenstraum wahr, der seit dem Beginn des Studiums und der fast gleichzeitigen Olmypia-Vergabe an Chinas Hauptstadt im Jahr 2001 gereift war.

Als Außenseiter nach Peking

Nur mit Außenseiter-Chancen war Kleibrink nach Peking gefahren, in beeindruckender Manier marschierte der WM-Dritte dann aber durch die Gefechte.

Auch Im Finale dominierte er auf der Planche wie ein Routinier, zuvor hatte er den Gegnern in keinem seiner vier Duelle auch nur den Hauch einer Chance gelassen.

Riesige Enttäuschung herrschte dagegen bei Joppich und Duplitzer. Joppich, als Topfavorit gestartet, war an Kleibrinks Finalgegner Ota 12:15 gescheitert.

Rote Karte für Joppich

"Es ist traurig, knapp vor einer Medaille auszuscheiden", sagte er. Bezeichnend für den unglücklichen Auftritt des Koblenzers war das Zustandekommen seines Ausscheidens: Joppich hatte den letzten Punkt nicht auf der Planche, sondern beim Stand von 12:14 durch eine Rote Karte abgegeben.

Auch für Duplitzer war im Viertelfinale Endstation. Die 33-Jährige aus Bonn unterlag bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme der Bronze-Gewinnerin Mincza-Nebald 11:15 und belegte wie Joppich Platz fünf.

"Da hat man eineinhalb Jahre hart gearbeitet und bei der Team-WM überragend gefochten - da bricht schon eine Welt zusammen", sagte sie: "Immer diese Plätze fünf bis acht - ich kann es nicht mehr sehen."

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