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Hinrich Romeike gewinnt als erster deutscher Vielseitigkeitsreiter seit 1936 Doppel-Gold © getty

Die deutschen Reiter hatten nach zwei Goldmedaillen allen Grund zum Feiern. Doch der Star des Abends kam zu spät.

Hongkong - Der König der Nacht kam mit Verspätung.

Es war bereits 3.45 Uhr morgens, als Goldreiter Hinrich Romeike in der Bar des Regal Riverside Hotels in Hongkong von seiner Fangemeinde stürmisch begrüßt wurde.

Müde und abgekämpft, aber mit einem Strahlen im Gesicht schleppte sich der Doppel-Olympiasieger auf die Bühne und ließ sich nach einer ewig langen Doping-Probe von der deutschen Delegation feiern.

Springreit-Bundestrainer Kurt Gravemeier stimmte an: "Oh, wie ist das schön ..."

"Heute gehe ich nicht mehr ins Bett"

"Ich glaube, ich habe fünf Hektoliter Wasser getrunken. Ich war so ausgetrocknet nach diesem Wahnsinns-Abend", sagte Romeike und entschuldigte sich für seine Verspätung.

Vier Stunden zuvor hatte er im Reiterstadion von Sha Tin Geschichte geschrieben und mit seinem Holsteiner Wallach Marius als erster deutscher Vielseitigkeitsreiter seit den Spielen 1936 in Berlin Doppel-Gold gewonnen.

"Heute gehe ich nicht mehr ins Bett", sagte der deutsche Reiter-Held, der am nächsten Tag nach Peking flog und Gast im Deutschen Haus war.

Andere Teams sollen nachlegen

"Wir wünschen uns natürlich, dass die anderen Teams nachlegen", sagte Generalsekretär Hanfried Haring von der deutschen Reiterlichen Vereinigung FN.

Und auch Delegations-Chef Reinhard Wendt sprach nach dem Doppel-Erfolg im Reitsport-Dreikampf aus Dressur, Geländeritt und Springen von einer neuen Situation:

"Die Messlatte für die zwei anderen Teams liegt jetzt höher."

Reiter stürmen die Bühne

Derweil stürmten Romeikes Teamkollegen Ingrid Klimke (Münster), Andreas Dibowski (Egestorf), Peter Thomsen (Lindewitt) und Frank Ostholt (Warendorf), die zuvor gemeinsam Teamgold gewannen, samt Trainern und Springreitern die Bühne.

Als Tina Turners "Simply the best" aus den Lautsprechern dröhnte, schulterten Ostholt und Thomsen den neuen Einzel-Olympiasieger. "Was er heute geleistet hat, wird uns Jahre beflügeln", sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Kein Urlaub für den Olympiasieger

Viel Zeit zur Verarbeitung hat Romeike nicht. Schon am Freitag geht es zurück nach Deutschland.

"Dann wird gearbeitet. Mein Urlaub ist aufgebraucht", erklärte der 45-Jährige, der als Zahnarzt eine Gemeinschaftspraxis betreibt.

"Ich bin halt noch ein richtiger Amateur", sagte der neue Champion.

Romeike plant schon bis 2010

Romeike hat noch einiges vor: "Mein Pferd Marius ist 14 Jahre alt. Da kann ich mindestens bis zur WM 2010 in Kentucky planen."

Die Vierbeiner wurden übrigens auch beschenkt. Romeike: "Die Tiere sind belohnt worden mit einem Extrasack Wurzeln und einem Extrasack Streicheleinheiten und Kühlung mit Eiswasser - Pferde-Spa gewissermaßen", sagte er dem Fernsehsender "N24".

Gold für die Tochter

In Feierlaune war auch Ingrid Klimke, die als zweitbeste Deutsche in der Einzelwertung Fünfte wurde.

"Die Goldmedaille ist für meine kleine Tochter Greta, die heute eingeschult wurde", sagte die 40 Jahre alte Tochter des sechsmaligen Dressur-Olympiasiegers Reiner Klimke. Am Tag der Dressur hatte Tochter Greta den 6. Geburtstag gefeiert, am Finaltag wurde sie eingeschult.

Der richtige Weg

In der Stunde des Triumphes blickte Bundestrainer Melzer optimistisch in die Zukunft.

"Dieser Erfolg wird nicht dazu führen, dass wir die Augen vor nötigen Veränderungen verschließen. Doch unser Weg, den wir zurzeit gehen, ist der richtige", sagte der Coach. Der Stamm seiner Mannschaft bleibt bestehen, im nächsten Jahr sollen zwei, drei junge Reiter ans Championatsteam herangeführt werden.

"Wir blicken jetzt schon auf Olympia 2012 in London", sagte der Trainer.

"Zwei feine Kerle"

Endgültig abgehakt war durch den glanzvollen Sieg die Schmach von 2004, als man bei Olympia in Athen durch Bettina Hoys Fehler beim Einreiten Doppel-Gold am grünen Tisch verlor.

"Nach Athen habe ich gelitten, weil die Geschichte bis heute nicht geklärt ist. Ich wollte in Hongkong unbedingt Gold holen und fand plötzlich zwei Medaillen vor", sagte Romeike. Hoy, die ebenfalls im Stadion war, gratulierte ihrem ehemaligen Team-Kollegen:

"Er und sein Marius haben es verdient. Zwei feine Kerle."

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