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Von den schweren Bedingungen in Peking erschöpft: Nicolas Kiefer © getty

Nach seiner dreieinhalbstündigen Hitzeschlacht vom Mittwoch scheitert der Deutsche in der Runde der letzten 16 an einem Franzosen.

Peking - Der Deutsche Tennis Bund bleibt erstmals seit der Wiederaufnahme der Sportart ins olympische Programm im Jahr 1988 in Seoul ohne Medaille. Als letzter Deutscher scheiterte Nicolas Kiefer im Achtelfinale von Peking mit 3:6, 5:7 an dem Franzosen Paul-Henri Mathieu.

Tags zuvor war Rainer Schüttler in der zweiten Runde gegen den Weltranglistendritten Novak Djokovic ausgeschieden, ehe auch das in Athen noch mit Silber dekorierte Doppel Kiefer/Schüttler in der ersten Runde die Segel streichen musste.

Damit endet für den DTB eine lange olympische Erfolgsgeschichte.

Seit 1988 immer auf dem Treppchen

1988 in Seoul (Gold für Steffi Graf), 1992 in Barcelona (Gold für das Doppel Boris Becker/Michael Stich), 1996 in Atlanta (Bronze für Marc Goellner/David Prinosil), 2000 in Sydney (Silber für Tommy Haas) und 2004 in Athen standen immer deutsche Spieler auf dem Treppchen.

Vor vier Jahren begeisterten Schüttler und Kiefer mit Silber, dieses Mal blieb das deutsche Doppel schon in der ersten Runde auf der Strecke.

Insbesondere Kiefer waren die Anstrengungen seines Einzels nur wenige Stunden zuvor deutlich anzumerken. Am Mittwoch dann konnte der 31-Jährige nach seiner fast dreieinhalbstündigen Hitzeschlacht vom Dienstag einfach noch nicht wieder hundertprozentig fit sein.

"Die Belastungen waren extrem", sagte Teamchef Patrik Kühnen, "er hat viel Kraft gelassen und auch nur wenig geschlafen."

Unglücklicher Verlauf

Die äußeren Umstände passten zu dem für den DTB insgesamt unglücklichen Verlauf dieser Spiele. Der Rechtsstreit um die Nominierung von Schüttler führte dazu, dass der Wimbledon-Halbfinalist erst am Mittwoch vor der Eröffnungsfeier in der chinesischen Haupstadt eintraf.

Dann musste auch noch Philipp Kohlschreiber unmittelbar vor Turnierbeginn mit einem fünf Zentimeter langen Muskelfaserriss absagen.

So wenig Spieler wie in Athen, nämlich nur zwei, hatte der DTB noch nie bei Olympia am Start. Die Nominierung von Denis Gremelmayr, der über seinen Weltranglistenplatz zur Olympia-Teilnahme berechtigt war, hatte der DOSB wegen fehlender Endkampfchance abgelehnt. Von den Frauen stand niemand zur Disposition.

Kühnen zufrieden

Als Fachverband musste sich der DTB dem Verdikt des DOSB beugen.

"Sportdirektor Klaus Eberhard und ich haben uns beim DOSB dafür stark gemacht, dass wir mit der größtmöglichen Mannschaft fahren können, leider vergebens", sagte Kühnen. Gremelmayr erreichte letzte Woche in Los Angeles das Halbfinale eines ATP-Turniers.

Trotz des frühen Scheiterns war Kühnen mit seinen Schützlingen zufrieden. "Rainer und Kiwi haben ein gutes Turnier gespielt", urteilte der Davis-Cup-Kapitän. Bei der Auslosung war die Glücksfee auch nicht auf der Seite der Deutschen. Schon in der zweiten Runde musste Schüttler gegen Novak Djokovic antreten.

"Mit vielen Athleten Freundschaft geschlossen"

Abgesehen vom fehlenden sportlichen Erfolg haben die beiden deutschen Tennisprofis das Olympia-Feeling genossen und fühlen sich selbstverständlich als Teil des Teams.

"Als wir 2000 in Sydney ins Olympische Dorf einzogen, haben einige andere Sportler noch komisch geguckt", erinnert sich Schüttler, der in Peking zum dritten Mal an den Spielen teilnahm: "Inzwischen haben wir mit vielen Athleten aus anderen Disziplinen Freundschaften geschlossen."

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