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Der Deutschland-Achter enttäuscht mit Platz sechs in Peking © imago

Nach dem Untergang des Deutschland-Achters soll ein neuer Cheftrainer her. Jörg Dießner fordert den Rücktritt des Sportdirektors.

Peking - Als die Ruderer des versenkten Deutschland-Achters noch Frustbewältigung betrieben, schmiedeten die Verantwortlichen Pläne für eine bessere Zukunft.

"Aus ganz bitteren Niederlagen sind schon große Sieger hervorgegangen", sagte Sportdirektor Michael Müller und sprach der Crew nach dem Schiffbruch bei der olympischen Regatta - auch mangels Alternativen - das Vertrauen aus:

"Das ist der Stamm der Zukunft."

Nach ihrem Waterloo mit dem letzten Platz im Hoffnungslauf wollte die Besatzung des Paradebootes der DRV-Flotte zunächst einmal von Rollsitzen nichts mehr wissen.

Frustbewältigung im stillen Kämmerlein

Die enttäuschten Mitglieder des Deutschland-Achters verzichteten sogar am Dienstag auf ein gemeinsames Essen, jeder versuchte mehr oder minder allein im stillen Kämmerlein, das Fiasko zu verarbeiten.

Radfahren statt Rudern stand dann am Mittwoch auf dem Programm.

Eine vernünftige Analyse des Rennens war aus emotionalen Gründen noch nicht möglich, aber schon spätestens am Samstag muss der Achter an den Ort der Schande im Shunyi Park zurückkehren.

Dann steht gegen China das B-Finale an.

Trainer wenig optimistisch

Achter-Trainer Christian Viedt blickt unterdessen weniger optimistisch als Sportdirektor Müller in die Zukunft:

"So ein Erlebnis kann Wochen oder sogar Monate brauchen, bis es verarbeitet ist." Seine eigene Zukunft steht ebenfalls in den Sternen.

Dießner fordert Rücktritt

Heftige Kritik an den Funktionären übte der ehemalige Achter-Ruderer Jörg Dießner:

"Der Posten des Sportdirektors Michael Müller muss als Konsequenz aus dem schlechten sportlichen Abschneiden bei Olympia neu besetzt werden. Auch die Verbandsspitze um Präsident Siegfried Kaidel muss zurücktreten", forderte Dießner im Gespräch mit "stern.de".

Kaidel unbeeindruckt

Von solchen Forderungen unbeeindruckt gab Kaidel derweil die Richtung in den kommenden Wochen vor.

Die Personalentscheidung über den neuen Posten des Ruder-Cheftrainers soll "zum schnellstmöglichen Zeitpunkt nach Olympia erfolgen".

Es habe bereits mit zwei Kandidaten konkrete Gespräche gegeben.

Ein weiteres Gespräch mit einer dritten Person werde noch stattfinden und dann eine Entscheidung getroffen, so der Schweinfurter, der im März dieses Jahres zum Präsidenten gewählt worden war.

Kaidel will vier Mal Gold in London 2012

"Die angekündigte Strukturveränderung im Leistungssport wird vorangetrieben", meinte Kaidel, der betonte, an seinen hohen Zielen festhalten zu wollen.

Nach seiner Wahl auf dem Rudertag in Köln hatte Kaidel angekündigt, dass er bei den Olympischen Spielen 2012 in London viermal die deutsche Nationalhymne hören wolle.

So weit denkt Michael Müller noch nicht. Der Achter habe im Training bereits Weltniveau nachgewiesen, das müsse man in Zukunft in den Rennen umsetzen.

Dafür müsse es mit dem neuen Cheftrainer erreicht werden, dass die einzelnen Trainerteams im DRV wieder besser zusammenarbeiten würden, so Müller.

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