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Marion Rodewald (M.), Fanny Rinne (l.) und Anke Kühn jubeln © getty

Die deutschen Hockey-Damen werden ihrer Favoritenrolle auch gegen die bislang ungeschlagenen USA gerecht.

Peking - Die deutschen Hockey-Damen haben sich eine glänzende Ausgangsposition für den Einzug ins Halbfinale geschaffen.

Durch den 4:2 (1:1)-Erfolg über die USA im dritten Vorrundenspiel war je nach den Ergebnissen der Konkurrenz am Abend sogar schon der vorzeitige Vorstoß unter die letzten Vier möglich.

Doch die Konkurrenz tat den deutschen Spielerinnen nicht den Gefallen. Mitfavorit Argentinien gewann gegen Japan mit 2:1. Jetzt benötigt die Behrmann-Truppe aus den beiden restlichen Spielen gegen die Argentinierinnen und Japanerinnen noch einen Punkt, um definitiv den Kampf um die Medaillen aufzunehmen.

In der anderen Guppe marschieren die Niederlande und Australien direkt auf Halbfinale zu.

"Ein sensationeller Start"

"Wir haben einen sensationellen Start ins Turnier hingelegt", sagte Bundestrainer Michael Behrmann nach dem dritten Sieg im dritten Spiel, "unser Ziel war immer, um die Medaillen zu spielen, und bis jetzt haben wir alles selbst in der Hand."

Zur Belohnung für den erneuten Kraftakt durften sich die Spielerinnen am Abend erstmals im Deutschen Haus vergnügen.

"Mannschaft hat das verdient"

Behrmann freute sich bereits auf Leberkäse und Kraut. "Die Mannschaft hat sich das verdient", sagte der Hamburger, der lange Jahre in München gelebt hat, "dieses Spiel war wieder harte Arbeit und bei der Hitze sehr anstrengend."

Das Erfolgsrezept 08 lautet offenbar: Siegen ohne zu glänzen.

Natascha Keller (34.) und in der zweiten Halbzeit jeweils mit Strafecken Fanny Rinne (49.), Marion Rodewald (55.) und Anke Kühn (64.) sorgten mit ihren Treffern für den Sieg in einer Partie, in der spielerisch noch längst nicht alles stimmte.

Nun gegen Argentinien

"Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen", sagte Abwehrchefin Tina Bachmann, "wir haben in Argentinien und Japan noch zwei Top-Teams vor uns, wir müssen noch einen Schritt nach vorne machen."

Zunächst steht am Samstag (18 Uhr/12 Uhr MESZ LIVE) Argentinien auf dem Programm. Gegen die Südamerikanerinnen gab es im Finale der Champions Trophy im Mai in Mönchengladbach eine schmerzhafte 2:6-Niederlage.

"Seitdem haben wir noch eine Rechnung offen, die wollen wir begleichen", so Keller.

Enge Räume

Wie bereits gegen Neuseeland zwei Tage zuvor fehlten auch gegen die USA zunächst die Mittel, um sich gegen eine hart einsteigende und konsequent verteidigende Mannschaft durchzusetzen.

Die Räume sind eng, ständig kommt es zu Zweikämpfen.

"Früher haben uns solche Teams häufiger aus dem Konzept gebracht", sagte Rinne, "aber das ist nicht mehr so, wir haben es geschafft, besser damit zurechtzukommen."

"Ausbeute war Klasse"

Die Gegentore durch Tiffany Snow (27.) und Angela Loy (60.) wurden weggesteckt, die Moral ist intakt und das Selbstvertrauen groß.

Auch deshalb, weil wie bereits gegen Großbritannien wieder auf die Strafecken Verlass war.

"Die Ausbeute war Klasse, es gibt uns große Sicherheit, dass die Ecke klappt", sagte Rinne, die bereits ihr drittes Turniertor erzielte.

"Ein neues Team"

Die Steigerung in der zweiten Hälfte führte entsprechend zum Sieg. "Die Moral stimmt, wir spielen schlecht und gewinnen trotzdem", erklärte Keller. Ein Unterschied zum Olympiasiegerteam von 2004, das in der Vorrunde in Athen zwei Niederlagen einstecken musste. "Wir sind eben nicht mehr die Wundertüten", so Keller.

Auch Behrmann betont immer wieder: "Dies ist ein neues Team, es sind nur noch sechs Olympiasiegerinnen dabei." Die Vergleiche mit der Vorgängermannschaft kann er zwar nicht verhindern, aber sie lassen ihn kalt: "Ansprüche von außen interessieren uns nicht, wir haben selbst das Ziel, hier eine Medaille zu gewinnen."

Stenogramm

Deutschland: Kristina Reynolds (HTHC Hamburg) - Janne Müller-Wieland (UHC Hamburg), Julia Müller (MHC Laren/Niederlande), Tina Bachmann (Eintracht Braunschweig), Mandy Haase (Mannheimer HC) - Anke Kühn (Eintracht Braunschweig), Fanny Rinne (HDM Den Haag/Niederlande), Marion Rodewald (Rot-Weiß Köln) - Janine Beermann (Nijmegen MHC/Niederlande), Natascha Keller (Berliner HC), Maike Stöckel (Rot-Weiß Köln) - eingewechselt: Martina Heinlein (Alster Hamburg), Pia Eidmann (Rot-Weiß Köln), Christina Schütze (Rot-Weiß Köln), Eileen Hoffmann (Rot-Weiß Köln), Katharina Scholz (Münchner SC)

Schiedsrichter: Lee (Südkorea), de Klerk (Südafrika) Tore: 0:1 Tiffany Snow (27.), 1:1 Keller (34.), 2:1 Rinne (49., KE), 3:1 Rodewald (55., KE), 3:2 Angela Loy (60., KE), 4:2 Kühn (64., KE)Grüne Karten: Haase - Jesse Gey Gelbe Karten: BachmannStrafecken-Verhältnis: 4:3

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