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Britta Heidemann wird in Peking nach ihrem Sieg begeistert gefeiert © getty

Nach dem größten Erfolg seit 20 Jahren hoffen die Fechter auf einen Aufschwung. Britta Heidemann erlebt den Starrummel in China.

Peking - Nach dem historischen Gold im Doppelpack und dem größten Erfolg seit 20 Jahren glauben die deutschen Fechter an einen neuen Aufschwung.

"Wir haben uns als Fecht-Nation zurückgemeldet. Zweimal Gold - das ist ein Wort", sagte Britta Heidemann am Morgen nach ihrem Triumph bei den Olympischen Spielen in Peking etwas verschlafen, aber bester Laune.

Am Vorabend hatte die Degen-Weltmeisterin nur 19 Minuten nach Florett-Spezialist Benjamin Kleibrink ihren Olympiasieg gefeiert und damit den gesamten Deutschen Fechter-Bund (DFeB) in einen wahren Goldrausch versetzt.

Souverän, siegessicher und voller Selbstvertrauen waren die 25-Jährige aus Leverkusen und der 23-Jährige aus Bonn in ihren Gefechten aufgetreten.

Jubelschreie und Freudentränen

Nach den Finalsiegen gegen die Rumänin Ana Branza (15:11) und den Japaner Yuki Oka (15:9) gab es kein Halten mehr: Jubelschreie, Luftsprünge, Freudentränen - Erinnerungen an die goldenen Fechtspiele von Seoul 1988 wurden wach, als Anja Fichtel mit dem Florett und Alexander Pusch mit dem Degen für den ersten Gold-Doppelpack gesorgt hatten.

"Das ist gigantisch. Schöner geht es gar nicht. Davon haben wir lange geträumt", sagte DFeB-Präsident Gordon Rapp.

"Das zeigt, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Davon wird der Fecht-Sport profitieren." DOSB-Präsident und IOC-Vize Thomas Bach, 1976 Mannschafts-Olympiasieger mit dem Florett, sprach von einer "tollen Geschichte".

Fichtel ist begeistert

Anja Fichtel hatte auf dem heimischen Sofa in Tauberbischofsheim den Triumph von Heidemann und Kleibrink in Peking erlebt.

"Ich bin völlig begeistert. Von Anfang an hat man bei beiden diese Ausstrahlung gespürt, dass sie es schaffen", sagte die erfolgreichste deutsche Fechterin der Geschichte.

"Dem Fechtsport konnte gar nichts Besseres passieren. Das sind zwei richtige Siegertypen."

Heidemann als Zugpferd

Vor allem Heidemann, die bereits im Vorfeld der Spiele durch ihren engen Bezug zur Olympiastadt viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, könne der Sportart ein sympathisches Gesicht geben.

"Britta ist sehr offen und freundlich. Sie ist jetzt das Zugpferd im Fechten", sagte Fichtel.

Auch Pusch reagierte überschwänglich auf den Erfolg: "Das ist eine Riesensache. Beide sind tolle Fechter, die den nötigen Killerinstinkt und Willen haben."

Starrummel um Heidemann

Vor allem Heidemann, auf die sich die Fotografen und Reporter bereits am Abend des Goldrauschs stürzten, bekommt den Starrummel um eine Olympiasiegerin schon zu spüren.

Um vier Uhr am Donnerstagmorgen war die Weltranglistenerste ins Bett gesunken, wenig später klingelte ihr Manager sie in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett.

"Chinesen stehen früh auf"

Was jetzt wohl auf sie zukomme, wurde sie gefragt. "Das wird sich zeigen. Durch den Olympiasieg wird sicher auch die Aufmerksamkeit der chinesischen Medien weiter steigen", sagte sie.

Dann berichtete sie von ihrem ersten Vormittag als Golden Girl: "Das habe ich heute morgen schon gemerkt. Chinesen stehen sehr früh auf. " Am Mittag traf sich Heidemann mit ihrem chinesischen Vermarkter.

Alle wollen Interviews

Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungen wollen Interviews mit der großen Blonden, die fließend Mandarin spricht und ihr Herz nach mehr als 20 Besuchen in Peking an die chinesische Hauptstadt verloren hat.

Ihr Studium der chinesischen Regionalwissenschaften an der Universität Köln, das sie parallel zur Olympia-Vergabe an Peking 2001 aufnahm, hat sie gerade abgeschlossen.

Heidemann ist medienwirksam

Mit dem Sieg im Degen-Finale erlebte ihre besondere Beziehung zum Reich der Mitte den Höhepunkt.

Zita Funkenhauser, 1988 Mannschafts-Olympiasiegerin auf Florett und in Peking als Zahnärztin für die Athleten da, glaubt an Heidemanns Durchbruch nun auch in Deutschland: "Britta ist sehr medienwirksam. Sie wird sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und auch bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres mitmischen, weil sie Charisma hat."

Britta Heidemann wird damit nach den Eindrücken von Peking umgehen können.

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