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Mirko Englich war 2004 in Athen Elfter © getty

Mirko Englich bleibt Silber als Trostpflaster. Der Ringer scheitert in Peking an einem übermächtigen russischen Europameister.

Peking - Feuerwehrmann Mirko Englich hat die zwölfjährige Durststrecke der deutschen Ringer beendet und bei den Olympischen Spielen in Peking sensationell Silber gewonnen.

Der 29-Jährige musste sich im griechisch-römischen Stil in der Klasse bis 96 kg erst im Finale seinem russischen Angstgegner Aslanbek Chuschtow geschlagen geben, bescherte dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) aber trotzdem die erste olympische Medaille seit 1996.

Im Agricultural University Gymnasium scheiterte Englich im Finalkampf wieder einmal an Chuschtow, gegen den er schon im EM-Finale vor vier Monaten in Tampere verloren hatte. Der EM-Champion war deutlich überlegen und gewann vorzeitig.

Warten seit 1992

Damit müssen die deutschen Ringer weiter auf die erste Goldmedaille seit 1992 warten. In Barcelona hatte damals Maik Bullmann, heute als Ringer-Bundestrainer aktiv, den Olympiasieg geholt.

In Sydney 2000 war Alexander Leipold (Schifferstadt) nach seinem Gold-Triumph des Nandrolon-Dopings überführt worden und hatte das Edelmetall wieder verloren.

Die Bronzemedaille sicherte sich in Peking der US-Amerikaner Adam Wheeler und der Kasache Asset Mambetow.

Traum erfüllt

Angefeuert von seiner Ehefrau Yvonne und den beiden Kindern Noah und Lotta startete Englich einen schier unglaublichen Siegeszug.

Im Achtelfinale schaltete der achtmalige deutsche Meister den Südkoreaner Han Tae-Young aus, danach musste der Albaner Elis Guri die Matte räumen, und im Halbfinale wurde mit einer weiteren überzeugenden Vorstellung Wheeler niedergerungen.

Für den Wittener ging mit der Medaille ein Traum in Erfüllung. Dabei musste der EM-Zweite lange um seine Olympia-Teilnahme zittern. Erst Ende Mai löste der Hobbykoch beim letzten Qualifikations-Turnier in Novi Sad das Peking-Ticket. Doch die Sorgen gingen weiter: Eine Verletzung warf ihn in der Vorbereitung zurück.

Erste Medaille

Englich hatte Olympia aber nie aus den Augen verloren, schließlich hatte er noch eine Rechnung offen. 2004 belegte er in Athen den elften Platz und war sehr enttäuscht.

Der Deutsche Ringer-Bund (DRB), der mit seinem Mini-Aufgebot von nur sieben Teilnehmern ohne große Erwartungen nach China gereist war, heimste damit erstmals seit 1996 wieder eine Medaille ein. Thomas Zander mit Silber, Maik Bullmann und Arawat Sabejew mit Bronze hatten in Atlanta die letzten Erfolge für den DRB verbucht.

Für Englich, dessen Schwester im Ringer-Sport ebenfalls einige Erfolge verbuchen konnte, war das Finale in Peking vermutlich der letzte große Auftritt auf der Ringer-Bühne.

Ausbildung zum Feuerwehrmann

Nach den Sommerspielen will er sich auf den Beruf konzentrieren. An der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt absolviert er derzeit eine Ausbildung zum Feuerwehrmann. Für die Ringer hat er jetzt schon in China die Kohlen aus dem Feuer geholt.

Im Kampf bis 84 kg sicherte sich zuvor der Italiener Andrea Minguzzi die Goldmedaille.

Er besiegte im Finale den Ungar Zoltan Fodor. Bronze holten jeweils Ara Abrahamian (Schweden) und Nazmi Avluca (Türkei). Der Skandinavier warf die Medaille bei der Siegerehrung allerdings weg, weil er sich im Halbfinale vom Kampfgericht benachteiligt fühlte.

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