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1992, 1996 und zuletzt 2004 feierte Ralf Schumann den Olympiasieg © getty

Sportschütze Ralf Schumann will seinen vierten Olympiasieg holen. Seine Energie bezieht er aus seinem Glauben.

Peking - Seine Kappe "Jesus lebt" darf Ralf Schumann bei den Sommerspielen nicht tragen.

Trotzdem soll Gott dem Sportschützen zum vierten Olympiasieg seiner einmaligen Karriere verhelfen.

Der einstmals überzeugte Sozialist, der in der DDR groß geworden ist, glaubt seit seinem Triumph in Athen vor vier Jahren an himmlische Mächte.

"Ich gehe wesentlich entspannter als früher in den Wettkampf. Jesus liebt mich aus seiner Gnade - da geht es nicht darum, ob ich gut oder schlecht bin", sagt der 46 Jahre alte Schumann.

Bei Halbzeit des Vorkampfes sieht es für den Stockheimer allerdings nicht nach einer Medaille aus. Derzeit liegt Schumann nur auf dem 7. Platz, drei Ringe hinter dem führenden Russen Leonid Jekimov.

Am Samstag stehen dann die restlichen 30 Schüsse des Vorkampfes an, danach folgt das Finale (12 Uhr/6 Uhr MESZ LIVE).

Reitz als größter Konkurrent

Der größte Konkurrent kommt dabei aus dem eigenen Team.

Es ist der 25 Jahre jüngere Christian Reitz. Der Weltrekordler ist nach der Hälfte des Vorkampfes Vierter, ringgleich mit dem Zweitplatzierten.

Trotzdem will der "Schützen-Schumi" wie 1992, 1996 und 2004 Gold gewinnen, aber "wenn mir Gott in seinem Plan eine Veränderung durch eine Niederlage schenken will, ist das auch in Ordnung."

Geteilte Meinungen über Schumanns Haltung

Sein Trainer Peter Kraneis findet diesen Glauben an den himmlischen Plan falsch ("Der liebe Gott schießt die Leistung nicht"), Sportdirektor Heiner Gabelmann ist die Sache egal, solange das Ergebnis stimmt.

"Er ist natürlich unser heißester Goldtipp. Ralf kann glauben, was er will, solange er nicht den ganzen deutschen Kader missionieren will."

Daran hält sich Schumann, doch er erzählt immer wieder mit strahlenden Augen die Geschichte von Olympia 2004.

Goldener Film vor Augen

Damals sei bereits Monate vor dem goldenen Tag ein Film in seinem Kopf abgelaufen, der ihm die goldenen Glücksmomente vorhergesagt habe.

"Und dann hat Jesus gefragt: Glaubst du mir jetzt, dass es mich gibt?", erzählt Schumann.

Er änderte sein Leben, trat in eine freikirchliche Christengemeinde ein und wurde getauft.

Mit Jesus aus der Krise

Schumann heiratete in der Kirche noch einmal seine Ehefrau Anke, selbst ehemalige Schützen-Weltmeisterin, die er zuvor wegen einer anderen Frau verlassen hatte.

"Jesus hat mich rausgeholt aus dieser persönlichen Krise. Seitdem lebe ich meinen Glauben auf Grundlage der Bibel und der zehn Gebote", berichtet der Vater von drei Kindern.

Mit dem Thema Sozialismus hat das einstige Parteimitglied in der SED übrigens abgeschlossen.

Kritik für China

Schon Monate vor den Spielen, die nicht seine letzten sein sollen, machte er seine Einstellung zu China deutlich.

"Da will ein Regime seinen Größenwahn der Welt präsentieren. Das ist der letzte große Kampf zwischen Sozialismus und Kapitalismus."

Seinen eigenen Kampf will Schumann mit Gottes Hilfe gewinnen.

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