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Chinas Lei Jie (l.) hat im Taekwondo offenbar einen Vorteil © getty

Wissenschaftler beweisen, dass Sportler mit roter Farbe am Körper Vorteile im Wettkampf haben. Das zeigt ein Experiment.

Peking - Chinas Athleten gewinnen und gewinnen und gewinnen.

Und sie dominieren bei den Olympischen Spielen in Peking womöglich auch deshalb, weil sie Rot tragen - die Farbe der Sieger.

Drei deutsche Psychologen der Universität Münster fanden am Beispiel Taekwondo heraus, dass Rot das Urteil der Kampfrichter positiv beeinflusst.

Mit rotem Brustschutz besser beurteilt

Norbert Hagemann, Bernd Strauss und Jan Leibing konnten nachweisen, dass die Kampfrichter Sportler mit einem rotem Brustschutz bei identischer Leistung besser beurteilen als solche mit blauem Schutz.

Die Wissenschaftler hatten 42 erfahrene Taekwondo-Punktrichter zum Experiment eingeladen.

Sie zeigten ihren Probanden Videos mit je elf Kampfsequenzen.

Erstaunliches Ergebnis des Experiments

Im ersten trug der eine Kämpfer einen roten, der andere Kämpfer einen blauen Brustschutz.

Der zweite Film bestand aus den identischen Szenen, die Psychologen hatten zuvor per digitaler Bildbearbeitung aber die Farben des Brustschutzes vertauscht.

Das Ergebnis des Experiments erstaunte: Obwohl die Kampfrichter zweimal denselben Kampf sahen, bewerteten sie die Leistungen der Athleten je nach getragener Farbe anders.

Einfluss aufs sportliche Leistungsvermögen

Den Sportler, der im ersten Video blau getragen hatte, beurteilten sie im zweiten Durchgang mit rotem Schutz besser und umgekehrt.

Im Durchschnitt hätten Kämpfer mit rotem Brustschutz 13 Prozent mehr Punkte erhalten als solche mit blauem Schutz.

Auch der Einfluss von Farben auf das sportliche Leistungsvermögen war bereits Gegenstand mehrerer psychologischer Studien.

Rot steht für Dominanz und Aggression

Im Mai 2005 hatten zwei britische Forscher von der University of Durham gezeigt, dass rot gekleidete Kampfsportler häufiger als Sieger von der Matte gingen als ihre in blau gekleideten Kontrahenten.

Die Wissenschaftler hatten damals die Wettkampfergebnisse von Kampfsportdisziplinen bei Olympia in Athen ausgewertet.

Rot gelte bei Mensch und Tier als Zeichen von Dominanz und Aggression und könne daher auch sportlichen Erfolg fördern, argumentierten Russell Hill und sein Kollege Robert Barton.

Unbewusster Effekt

Der Effekt sei unbewusst und von den Schiedsrichtern "natürlich nicht gewollt", sagte Bernd Strauß.

Aber die Wahrnehmung sei eben nicht so einfach zu überlisten.

Trotz ihrer klaren Befunde sind die Forscher gegen ein Verbot von roten Kampfsportanzügen.

Sie empfehlen intensive Kampf- und Schiedsrichterschulungen, die gezielt auf das Problem vorbereiten.

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