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Der 28-jährige Reutlinger gewann 2008 auch Gold beim WorldCup © getty

Der Olympiasieg von Ole Bischof beschönigt die trübe deutsche Bilanz. Köppen-Zuckschwerdt und Tölzer blieben unter den Erwartungen.

Peking - Die Schwergewichts-Mitfavoriten Andreas Tölzer und Sandra Köppen-Zuckschwerdt konnten die Olympia-Bilanz der deutschen Judoka nicht aufpolieren.

Sie schieden am Freitag vor der Finalrunde aus, somit fahren die Aktiven des Deutschen Judo-Bundes (DJB) nur mit einer Medaille aus Peking nach Hause.

"Die Medaille vom Ole Bischof ist aber aus Gold und genauso viel wert, wie die zwei, die wir eigentlich holen wollten", bilanzierte DJB-Präsident, Peter Frese, als "halbwegs zufriedener" Tribünengast.

Köppen-Zuckschwerdt unter den Erwartungen

Am finalen Tag der einwöchigen Judo-Show in der zumeist ausverkauften Halle der Pekinger Universität für Wissenschaft und Technik sollte eigentlich die WM-Dritte Sandra Köppen-Zuckschwerdt die Medaillen-Flaute im ansonsten sieggewohnten deutschen Frauen-Team beenden.

Die Brandenburgerin stand aber nur fünf Minuten auf der Matte, kämpfte gegen Nobody Janelle Shepherd (Australien) laut Frese "indiskutabel" und kündigte danach unter Tränen ihren Rücktritt an.

"Bin international mit Judo fertig"

"Das war's für mich. Einen Abschiedskampf daheim möchte ich schon noch machen, aber international bin ich mit Judo fertig", meinte die 33-Jährige, die sich nach der Geburt einer Tochter im letzten Moment noch zu ihren dritten Olympischen Spielen gekämpft hatte.

"Mein Traum von einer Olympia-Medaille hat sich nicht erfüllt, darüber bin ich sehr unglücklich. Trotzdem bin ich happy, dass ich überhaupt hier sein kann."

Nach zwölf Jahren wieder Gold

Während das Frauen-Team zum ersten Mal seit 16 Jahren auf dem olympischen Parkett ohne Medaille blieb, feierten die Männer mit dem goldenen Wurf von Ole Bischof ihren ersten Olympiasieger seit 12 Jahren und die sportliche Auferstehung.

"Ich habe hoffentlich alles überstrahlt. Vor vier Jahren haben uns in Athen die Frauen mit ihren Erfolgen hochgezogen. Diesmal war ich es. Unser Judo-Team hat wieder für positive Schlagzeilen gesorgt", meinte Bischof.

Tölzer scheidet frühzeitig aus

Drei Tage nach seinem Triumph feuerte der Reutlinger auf den Zuschauerplätzen den langjährigen Mannschaftsgefährten Tölzer vergeblich an.

Der 131-kg-Recke aus Mönchengladbach wehrte sich nach Kräften, besiegte in Janusz Wojnarowicz (Polen) immerhin den zweimaligen EM-Zweiten, musste sich aber im entscheidenden Trostrunden-Duell Weltmeister Teddy Riner (Frankreich) geschlagen geben und schied aus.

Wieneke soll weiter Trainer bleiben

DJB-Präsident Frese versucht nach Bischofs Coup, Frank Wieneke für vier weitere Jahre als Bundestrainer zu verpflichten.

Bei den Frauen stand schon vor dem schwachen Olympia-Auftritt ein Wechsel fest.

Personen-Wechsel beim DJB

Der in Peking glücklose langjährige Medaillen-Garant Norbert Littkopf (Leipzig) geht in den Ruhestand, der bisherige Nachwuchs-Chef Michael Baszynski (Köln) rückt nach.

Frese: "Littkopf hat ein bestelltes Haus hinterlassen. Diesmal fehlte uns das Glück, aber wir werden schon bald wieder Erfolge feiern."

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