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Ariane Friedrich darf trotz fehlender Norm zum zweiten Mal nach 2008 bei Olympia starten © getty

Der Olympia-Kader steht: Der DOSB gibt die letzten Nominierungen bekannt. Im Team sind auch Friedrich, Bartels und de Zordo.

Frankfurt - Weiche Welle bei den Härtefällen: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat beim Nominierungs-Showdown für London 2012 Gnade walten lassen.

Auch Speerwurf-Weltmeister Matthias de Zordo, Hochsprung-Rekordlerin Ariane Friedrich und Kugelstoßer Ralf Bartels als dritter Wackelkandidat unter den Leichtathleten zählen trotz verpasster Norm zum 389-köpfigen Team für die 30. Sommerspiele.

"Alle Einzelfallentscheidungen sind uns nicht leicht gefallen. Es hat über jeden Namen Diskussionen gegeben, aber alles war letztlich einstimmig", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach nach der dritten und letzten Nominierungsrunde am Mittwoch in Frankfurt.

"Super, ich freue mich darüber, dass der DOSB so viel Vertrauen in mich hat. Ich gehe davon aus, dass ich London in guter Form erreiche", sagte de Zordo (543187DIASHOW: Die deutschen Medaillenhoffnungen).

"Ariane hat die Chance mehr als verdient"

Hinsichtlich Ariane Friedrich meinte Bach: "Ariane hat sich die Chance mehr als verdient. Sie hat einen großen Kampfgeist, der uns sehr zuversichtlich macht, dass sie aus dem Tief herauskommt."

Doch diese Entscheidung findet nicht bei allen großen Anklang.

Heftige Kritik von Nasse-Meyfarth

In heftiger Form hat die zweimalige Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth die Nominierung Friedrichs kritisiert:

Die Leverkusener Ex-Weltrekordlerin erklärte: "Ich habe kein Verständnis für die Nominierung von Ariane Friedrich. Nach ihrem 3. Platz bei den Europameisterschaften in Barcelona im Sommer 2010 hat sie bis heute keine Leistung und so auch die Qualifikationshöhe von 1,95 m für London nicht gebracht."

Mehr Leistungen, weniger schrill colorierte Haare

Man könne dem DOSB, dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und Friedrich "nur wünschen, dass weniger schrill colorierte Haare, als vielmehr Leistungen die Olympia-Wildcard rechtfertigen und Farbe in den Hochsprung der Frauen bringen."

Zwei andere Athleten seien zwar 2012 auch ohne Norm geblieben und nominiert worden. "Doch Speerwerfer Matthias de Zordo wurde 2011 immerhin Weltmeister und Kugelstoßer Ralf Bartels Hallen-Europameister", so Nasse-Meyfarth weiter.

Noch weitere Chancen

Weitere Leichtathleten (Mittelstrecke und Hindernis) können noch bis 6. Juli die Norm nachholen. 13 Reiter und 12 Volleyballer werden am Sonntag noch von der Präsidialkommission des DOSB nominiert.

Dennoch steht 23 Tage vor Olympia (27. Juli bis 12. August) fest, dass es die kleinste Mannschaft für Sommerspiele seit der deutschen Vereinigung sein wird.

21 Titelverteidiger

Nominiert wurden außerdem insgesamt 279 Betreuerinnen und Betreuer, inklusive Trainer, Offizielle und Ärzte. Die Gesamtkosten der Entsendung der aktuellen Mannschaft betragen inklusive Einkleidung, Flügen etc. rund sechs Millionen Euro (SERVICE: Der Zeitplan für London).

Deutschland wird in London in 23 der 26 Sommersportarten vertreten sein. Am kommenden Montag wird der DOSB laut Generaldirektor Michael Vesper das erste Nationale Olympische Komittee sein, das seine Athleten offiziell in London meldet.

Im deutschen Team stehen 21 Athletinnen und Athleten, die in Peking bereits Goldmedaillen gewannen. Hinzu kommen können noch weitere Olympiasieger von 2008 im Reiten. Bereits nominiert wurden in diversen Sportarten insgesamt 16 Ersatzleute.

Bach optimistisch

Ziel der deutschen Olympia-Mannschaft ist es, den in Peking erkämpften Platz in der Weltspitze zu verteidigen.

"Ich bin voller Optimismus und habe Vertrauen in unsere Mannschaft. Was die Sympathiewerte und die Erfolgsaussichten angeht", erklärte Bach.

Vor vier Jahren hatte das Team mit insgesamt 41 Medaillen (16 Gold, 10 Silber, 15 Bronze) hinter China, den USA, Russland und Großbritannien im Medaillenspiegel Rang fünf belegt. Insgesamt gab es damals 440 Olympioniken (195 Frauen/245 Männer), 2004 in Athen waren es 449 (195/254).

Förstemann nutzt Schlupfloch

Eine Lücke im Regelwerk des Radsportweltverbandes UCI indes ermöglichte Bahn-Sprinter Robert Förstemann die Nominierung.

Der Geraer erhält den dritten Moutainbike-Startplatz, weil kein dritter Mountainbiker die Olympia-Norm erfüllt hatte.

"Das entspricht den vom UCI aufgestellten Regeln. Förstemann kann als Bahnfahrer im Sprint starten", erklärte Vesper.

Hambüchen als Olympia-Routinier

Die Turnriege wird von Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen sowie Elisabeth Seitz, aktuelle Vize-Europameisterin im Mehrkampf, angeführt.

Für den 30-maligen deutschen Meister Hambüchen, der 2008 mit Bronze am Reck die einzige deutsche Turn-Medaille geholt hatte, ist es die dritte Olympia-Teilnahme.

Die Einkleidung läuft derzeit auf Hochtouren. Seit dem 25. Juni holen täglich Athleten und Athletinnen in der Kurmainz-Kaserne in Mainz ihre 65-teilige Olympia-Ausrüstung ab, die unter anderem eine elektrische Zahnbürste, eine mobile Dusche sowie ein Schuhpflegeset enthält.

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