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1994 wanderte die gebürtige Russin mit ihren Eltern in die USA aus © getty

Zwei US-Girls verderben China die Mehrkampf-Entscheidung der Turnerinnen. Siegerin Liukin setzt mit Gold eine Tradition fort.

Peking - China war geschockt, Papa begeistert - das zickige US-Millionärstöchterchen Nastia Liukin hat in der Höhle des Drachen die Turndominanz der chinesischen Olympiagastgeber vorerst beendet und gleichzeitig eine alte Familientradition fortgesetzt.

Vater und Trainer der neuen Mehrkampf-Olympiasiegerin ist kein anderer als der Kasache Waleri Liukin, der vor 20 Jahren in Seoul olympisches Gold am Reck und mit der russischen Riege gewann.

"Papas Goldmedaillen hängen bei uns im Haus an der Wand und haben mich motiviert, wenn ich verletzt war oder es beim Training nicht gut lief", sagte die 18-Jährige nach ihrem Triumph im National Indoor Stadium.

Die schmalgesichtige Blondine hätte durchaus auch von einem Schloss reden können, denn ihre Familie lebt seit 1991 in den USA und ihr Vater hat es als Chef eines Turncamps in Dallas zu einem mehr als großzügigen Anwesen mit Privatkino und eigenem Weinberg sowie zwei Motoryachten gebracht.

China bleibt nur Bronze

Beim täglichen Training ist Daddy unerbittlich.

"Work hard or go home" ist das Lebensmotto der Liukins, nun hat es die Schwebebalken-Weltmeisterin bis in den Olymp geführt.

Die Silbermedaille für Zimmergenossin Shawn Johnson komplettierte die Schmach für die Asiaten, denen diesmal nur Rang drei für Yang Yilin blieb.

Pfeifkonzert lässt Liukin kalt

Die 18.000 Zuschauer konnten pfeifen, schreien, brüllen - mit beeindruckender Nervenstärke und fast aufreizender Coolness übernahm Liukin nach zwei von vier Durchgängen die Führung und gab sie nicht mehr ab.

Vergessen war die Enttäuschung vom Mittwoch, als das US-Team gegen Chinas Riege den Kampf um Mannschaftsgold knapp verloren hatte.

Chusovitina Neunte

Auch Oksana Chusovitina konnte den Frust des zwölften und letzten Platzes im Mannschafts-Wettbewerb bestens verarbeiten.

Die gebürtige Usbekin verließ freudestrahlend das Podium, nachdem sie mit dem neunten Platz sogar die eigenen immer äußerst hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnte.

"Mehr war nicht möglich"

"Ich habe mehr als 60 Punkte geturnt, so viel wie noch nie, und ich denke, ich habe den Zuschauern einen schönen Wettkampf und gute Leistungen ohne Fehler gezeigt. Mehr war nicht nicht möglich", sagte die 33-Jährige hastig.

Dann griff sie schnell zum Handy, um Sohn Alisher zu Hause in Köln viel Glück für eine Klassenarbeit zu wünschen.

Chusovitinas Medaillentraum

Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes, lobte: "Oksana hat optimal geturnt."

Nun braucht Chusovitina beim Finale am Sonntag (18.45 Uhr/12. 45 Uhr MESZ) noch zwei optimale Sprünge, um sich ihren Wunsch nach der ersten Olympiamedaille im deutschen Nationaltrikot zu erfüllen. Die Konkurrenz wird groß sein, nur die neue Mehrkampf-Championesse aus Texas gehört nicht dazu.

Liukin verpasste an diesem Gerät die Qualifikation für den Endkampf der besten acht Athletinnen.

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