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Fabian Hambüchen wurde 2007 Reck-Weltmeister © getty

Fabian Hambüchen kämpft bei den Gerätewettbewerben um die letzten Medaillenchancen. Sein Trainer fordert nun eine Trotzraktion.

Peking - Den fröhlichen Turnerabend im feudalen Pekinger Champions Club ließ Fabian Hambüchen noch tief enttäuscht sausen, doch am Tag danach kehrte sein Kampfgeist wieder zurück - wenn auch noch langsam und verhalten.

"Da hilft einfach nur Abschalten und nach vorne gucken", sagte der Reck-Weltmeister 24 Stunden nach seinem zweiten Abflug vom "Königsgerät", der ihn im Mehrkampf die Silbermedaille gekostet hatte.

Wieder in den Athleten-Alltag zurückkehren - das ist für den 20-Jährigen und sein Umfeld vor dem Bodenfinale am Sonntag (ab 12.00 Uhr LIVE) das Gebot der Stunde.

Bundestrainer fordert Trotzreaktion

"In solchen Situationen ist man als Bundestrainer auch Psychologe. Wir wollen und müssen ihm Normalität bieten. Es gibt eben gute Zeiten und schlechte Zeiten", erklärte Chefcoach Andreas Hirsch, der von seinem Vorzeigeturner eine Trotzreaktion erwartet: "Er hat ein Tor gekriegt, nun muss er eben selbst eins schießen."

Dennoch: Der schmerzende kleine Finger an der linken Hand ist seit Wochenbeginn ein ständiger Begleiter, entscheidende Besserung ist auch im Hinblick auf die Medaillenentscheidung am Reck am kommenden Dienstag (ab 13.30 Uhr LIVE) kaum zu erwarten.

Somit dient der Endkampf am Boden auch als Belastungstest für den ultimativen Kampf am Reck.

Versteckspiel um Kapselverletzung

Wahrscheinlich war es auch psychologisch klug, das Versteckspiel um die Kapselverletzung zu beenden und kein Geheimnis mehr um die Schmerzen und die daraus resultierenden Probleme zu machen.

Medizinisch gesehen ist die Dosierung des Betäubungsmittels die kniffligste Herausforderung für die zuständigen Ärzte: Ein Zuviel lässt Deutschlands "Sportler des Jahres" das notwendige Gefühl in der Hand verlieren, bei einer Unterdosierung wären die Schmerzen offenkundig zu groß.

Weitere Chance in London

Und so bleiben bei allem verhaltenen Optimismus auch Zweifel bei dem Ausnahmeathleten von der TSG Niedergirmes, der vorsorglich auch schon mal zu den Spielen 2012 in London blickt: "Auch da kann ich mir noch meinen Traum erfüllen."

Die Langzeitplanungen von Hambüchen und seiner Entourage sehen sogar noch einen Start bei Olympia 2016 vor.

Nun muss der Reck-Europameister nur noch aufpassen, dass zur Fingerblessur nicht noch ein grippaler Infekt hinzukommt.

Damit hatten in den vergangenen Tagen erst Vater und Trainer Wolfgang, dann dessen Bruder, Mentalcoach Bruno Hambüchen, und schließlich auch noch Manager Klaus Kärcher zu kämpfen.

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