Olympia-Rekorde: Maschine Mensch hat noch Luft nach oben
London/München - Die Prognosen sind düster, die Szenarien längst gemalt:
Nein, von den Wetterbedingungen bei den Olympischen Spielen in London (27. Juli bis 12. August) ist ausnahmsweise nicht die Rede.
"Der Mensch hat über 99 Prozent seiner Leistungsfähigkeit ausgeschöpft", lautet die These französischer Forscher vom biomedizinischen Institut INSEP in Paris.
Das olympische Motto "Höher, schneller, weiter" also nur noch ein Muster ohne Wert?
"In allen Sportarten besteht noch riesiges Entwicklungspotenzial, und zwar mit legalen Mitteln", sagt Sport- und Trainingswissenschaftler Erich Müller von der Universität Salzburg und gibt damit Entwarnung.
"Entwicklungspotenzial dramatisch groß"
Vor allem bei der Belastung der Knochen, Sehnen und Muskeln sei noch Luft nach oben ebenso wie bei der Koordination von Körper und Geist.
"Das Entwicklungspotenzial unseres Gehirns ist noch dramatisch groß", sagt Müller.
Hightech-Anzüge bald kompensiert
Die Schwimmer deuten bereits an, welch ungeheures Leistungsvermögen im Menschen schlummert.
Zwar stammen 33 der 40 Langbahn-Weltrekorde noch aus dem Jahr 2009, der Hochzeit der Hightech-Anzüge, doch die Topathleten kommen den Bestmarken zum Teil bereits gefährlich nahe - oder unterbieten diese gar.
Lochte mit Weltrekord
Der im Mai im Alter von 26 Jahren verstorbene Norweger Alexander Dale Oen blieb bei seinem WM-Triumph 2011 in Schanghai über 100 m Brust in 58,71 Sekunden lediglich 0,13 Sekunden über der Bestmarke von Brenton Rickard (Australien).
An gleicher Stelle drückte der dreimalige Olympiasieger Ryan Lochte (USA) die Bestzeit über 200 m Lagen um eine Zehntel auf 1:54,00 Minuten, über 1500 m Freistil entriss Yang Sun (China) dem Australier Grant Hackett nach zehn Jahren den Spitzenwert über 1500 m Freistil.
Finger-Haltung entscheidend
Ausgeklügelte Trainingsmethoden haben ihren Teil zu diesen imposanten Leistungen beigetragen.
Zuletzt veröffentlichten US-Forscher im "Journal of Theoretical Biology" ihre Erkenntnis, dass sich die Kraft eines Schwimmzugs bei der optimalen Spreizung der Finger um bis zu 50 Prozent erhöht.
9,4 Sekunden vorstellbar
Neben der Weiterentwicklung des Menschen und immer ausgefeilteren Wettkampfvorbereitungen seien Rekorde stets durch Ausnahmeerscheinungen wie den dreifachen Sprint-Olympiasieger Usain Bolt im Bereich des Möglichen, sagte Reza Noubary von der Bloomsberg Universität Pittsburgh ( PORTÄT: Usain, der Unglaubliche).
"Er kombiniert die mechanischen Vorteile eines größeren mit den schnellen Muskelkontraktionen eines kleineren Mannes", erklärt Noubary.
Der 25-jährige Jamaikaner drückte die Bestzeit über 100 m bei der WM in Berlin 2009 auf 9,58 Sekunden. Unter Berücksichtigung der aktuellen Datenlage hält Noubary gar eine Zeit von 9,4 Sekunden für vorstellbar.
Sieger-Gen nicht existent
Der Mensch rückt zwar immer näher an die Schwelle des Machbaren heran, doch Rekorde sind weiterhin möglich.
Diesen Beweis trat erst im Juni Zehnkämpfer Ashton Eaton an, der 24-Jährige steigerte die Bestmarke bei den US-Trials in Eugene auf 9039 Punkte (DIASHOW: Die Weltrekorde der Leichtathletik).
Derlei Leistungen setzen unabhängig von den körperlichen Voraussetzungen eine hohe Trainingsintensität voraus. Denn ein Sieger-Gen, sagt Müller, gibt es nicht.
Dafür kann sich der Mensch bei der Jagd nach Höchstleistungen auf die moderne Medizin verlassen. Golf-Superstar Tiger Woods aus den USA beispielsweise hat durch Laseroperationen seine Sehkraft um über 100 Prozent verbessert.
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