Hektik in London: Soldaten-Zuwachs und Party-Stopp
London - Von wegen Ruhe vor dem Sturm: Hektik beherrscht Olympia eine Woche vor dem Weltereignis 2012 in London.
Nun drohen Gewerkschaften auch noch mit Streiks, die den Olympia-Flughafen Heathrow und Bahnstrecken gefährden. Premierminister David Cameron, dessen Olympiasprecher Godric Smith die Gefahr eines Ausstandes gegenüber bestätigte, fordert Gespräche.
Zuvor hatte die Regierung nach der Planungspanne der Sicherheitsfirma bereits weitere 2000 Soldaten in die Hauptstadt beordert. Derweil strichen die Organisatoren der Spiele in einem bisher einmaligen Akt bei Olympia aus Angst vor dem Chaos im öffentlichen Nahverkehr Teile der Eröffnungsfeier.
Wenn Königin Elizabeth II. am Freitag kommender Woche die Spiele der 30. Olympiade eröffnet (27. Juli bis 12. August), liegen riesige Erwartungen, aber auch latente Ängste über dem Ereignis des Jahres.
"Sicherheitsoperation" in London
Die Sommerspiele sollen "in der tollsten Stadt der Welt zur größten Show auf Erden werden", so Bürgermeister Boris Johnson.
Doch bezeichnend ist auch, dass Premierminister David Cameron vor dem Mega-Event mit seinen 10.500 Athleten aus 204 Ländern und rund acht Millionen Zuschauern von der "größten britischen Sicherheitsoperation in Friedenszeiten" spricht.
Die Gefahr eines Terroranschlags in der Metropole an der Themse wird von allen Verantwortungsträgern negiert. Verständlich.
Abwehrraketen ud Eurofighter
Doch die Olympia-Macher haben nicht umsonst rund ein Zehntel des Gesamtetats von fast 12 Milliarden Euro in die Sicherheit investiert.
Sie bieten nicht ohne Not 40.000 Soldaten, Polizisten und zivile Dienste zum Schutz vor Anschlägen auf. Sie haben nicht zufällig Abwehrraketen auf Hausdächern installiert, ein Kriegsschiff auf der Themse in Position gebracht und Eurofighter auf benachbarten Flughäfen im Alarmbereitschaft versetzt, Scotland Yard und alle Geheimdienste eingebunden.
"Unsere Experten haben alles im Griff. London ist während Olympia eine sichere Stadt", sagt Lord Sebastian Coe, Chef des Organisationskomitees LOCOG, auch an die Adresse der 500.000 erwarteten Gäste.
Verkehrskollaps droht
Sie alle haben den schlimmen Anschlag von 2005 mit 52 Toten in U-Bahn und Bussen im Hinterkopf - aber noch mehr die Hoffnung vor Augen, dass die Abschreckung durch die Sicherheits-Armee so groß ist, dass potenzielle Terroristen resignieren.
Und dass am Ende allenfalls das andere, weit weniger schlimme Szenario droht: Der Verkehrskollaps.
Der Transport der acht Millionen Londoner stellt das Netz auch ohne Olympia mehrfach im Jahr vor Zerreißproben. Sicher: Das System wird entlastet, weil viele Londoner dem Trubel entfliehen.
Entweder, weil sie es mir ihrem früheren Premierminister Winston Churchill halten ("no sports"), oder auch aus Ärger über mehrfach verpasste Tickets.
Extra geschaffene Olympia-Spur
Stattdessen strapaziert eine halbe Million Olympia-Touristen die Gleise der ältesten U-Bahn der Welt und das ebenfalls aus dem vorletzten Jahrhundert stammende Straßennetz - beides zusammen modernisiert für 7,8 Mio. Euro.
Zudem schnürt die 90 Kilometer lange Olympic Lane, geschaffen für Sportler und VIPs, die Kapazität der Straßen um 33 bis 50 Prozent ein.
China wieder Erster?
Vor dem Kampf um 302 Siege in 26 Sportarten spricht LOCOG-Chef Sebastian Coe von den "nachhaltigsten und grünsten Spielen der Geschichte".
Ob sie dies werden, muss sich erst zeigen. Positiv und umweltfreundlich ist jedenfalls, dass 80 Prozent der Wettkampf-Stätten aus dem Olympischen Dorf, das am einstigen sozialen Brennpunkt Stratford emporwuchs, in höchstens 20 Minuten erreichbar sind.
Sportlich werden die Chinesen, bei den Heimspielen 2008 erstmals erfolgreichste Nation (51 Mal Gold), wohl die Spitzenposition vor den USA (damals 36), den eher stärker gewordenen Russen (23), den hochmotivierten Briten (19) und vielleicht dem deutschen Team behaupten, das erneut den fünften Platz (16) anpeilt.
Heiße Duelle im eigenen Lager
Fraglich ist, ob die Stars der Spiele von Peking ihre Dominanz behalten.
Trainingskamerad Yohan Blake will Usain Bolt den Rang ablaufen, der mit drei Weltrekorden über 100, 200 und 4x100 m im "Vogelnest" zu Gold geflogen war (DIASHOW: Die Weltrekorde der Leichtathletik).
Und Ryan Lochte will die Sieghoffnungen von US-Landsmann Michael Phelps, der sich vor vier Jahren mit acht weiteren Goldmedaillen (nun 14) klar an die Spitze der erfolgreichsten Athleten der Geschichte setzte, im Olympiapool ertränken.
"Haben ein schlagkräftiges Team"
Das deutsche Team erwartet laut Thomas Bach "den härtesten Wettbewerb der olympischen Geschichte".
Doch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sagt auch selbstbewusst: "Wir haben ein schlagkräftiges Team."
Lawrence Okoye wird Footballspieler: Der britische Modellathlet erhält bei den San Francisco 49ers einen Dreijahresvertrag. Der Head Coach des Vizemeisters schwärmt. Sportler auf Abwegen. mehr...