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Jacques Rogge (r., mit Thomas Bach) wurde im Juli 2001 zum IOC-Präsidenten gewählt © getty

Vor seinen letzten Olympischen Spielen als IOC-Präsident hat Rogge einen Nachfolger im Blick. Bach will nichts davon wissen.

London - Die meistgestellte Frage seiner Funktionärskarriere mag Thomas Bach nicht mehr hören.

Schon 2010 ließ er einen Rundfunk-Reporter verärgert stehen, als dieser ihn drängen wollte, endlich zur Kandidatur für den Chefsessel im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Stellung zu beziehen.

Bis heute hat der 58 Jahre alte Wirtschaftsanwalt seine Bereitschaft nicht erklärt - aus gutem Grund. Und das, obwohl Jacques Rogge schon vor seinem letzten Olympia als IOC-Chef sagt: "Thomas Bach hat alles, was ein Präsident braucht."

Entscheidung erst 2013

Gut möglich, dass Thomas Bach in wenigen Tagen in London eine IOC-Session letztmals als Vize-Präsident verlassen wird.

Genau weiß man das erst im September 2013, wenn bei der 125. Session in Buenos Aires der Nachfolger des scheidenden IOC-Chefs Jacques Rogge gewählt wird.

Spätestens drei Monate vorher müsste sich Bach als Kandidat endgültig erklären.

Pescante gibt auf

Doch erst einmal werden dem deutschen Sportführer in London zwei neue Vize-Präsidenten zur Seite gestellt: Während der Chinese Zaiqing Yu turnusgemäß ausscheidet, gibt der Italiener Mario Pescante auf.

Der Mann, den Silvio Berlusconi zum Regierungsbeauftragten für die Winterspiele 2006 in Turin erklärt hatte, zog sich als Frontmann für Olympia 2020 brüskiert zurück, als Italiens heutiger Regierungschef Mario Monti im Februar wegen der schlechten Haushaltslage unverhofft Roms Kandidatur vom Tisch fegte.

Beider Nachfolger werden der Brite Craig Reedie und Nawal Moutawakil (Marokko), die ihren stetigen Aufstieg fortsetzt.

Eine Frau als IOC-Chefin?

1984 in Los Angeles war die ehemalige 400-m-Hürdenläuferin die erste Afrikanerin und zugleich erste Muslimin, die olympisches Gold gewann.

Die 2007 in der Heimat zur Sport- und Jugendministerin gewählte Karrierefrau sitzt seit 1998 im IOC, war Chefin der Evaluierungskommission für die Sommerspiele 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro.

Man sagt ihr nach, sie würde gern auch noch die letzte Sprosse der Leiter erklimmen. Doch IOC-Kenner geben der 50-Jährigen keine Chance.

Bach bleibt bescheiden

Doch sie halten viel von Thomas Bach, der 2010 bei den Winterspielen in Vancouver zum dritten Mal zum IOC-Vize gewählt worden ist.

Angesichts von 80 Ja- und 14 Nein-Stimmen fühlte sich Bach "überwältigt vom Bekenntnis des Vertrauens". Doch er vergaß nicht hinzuzufügen: "Für 2013 ist diese Wahl keine reale Grundlage."

Keine Gegenkandidaten

Thomas Bach ist so erfolgreich, weil er die Klaviatur der Diplomatie virtuos beherrscht, als Pragmatiker fast nie taktische Fehler macht.

So stieg er damals schnell auf nach der Wahl in die 15-köpfige IOC-Exekutive (1996). 2000 in Sydney wurde Bach bei vier Mitbewerbern erstmals zum Vize gewählt. Den Statuten gemäß kehrte er 2004 für zwei Jahre in die Exekutive zurück.

2006 in Turin hatte er beim Comeback als Vize einen Gegenkandidaten, 2010 keinen mehr.

Rogge pusht Bach

Bach leitet seit Jahren die Juristische Kommission und die Kommission Sport und Recht im IOC. Er ist zudem Vorsitzender der Disziplinarkommission, die bei Olympia vor allem bei Dopingverstößen auf den Plan gerufen wird.

Jacques Rogge kann sich da auf seinen Vize verlassen.

Und wie sehr der frühere Olympiasegler (u.a. München 1972) den Fecht-Olympiasieger von Montreal 1976 schätzt, zeigt dieser Satz des Belgiers: "Thomas Bach hat alle Qualitäten, die ein Präsident braucht: Er ist intelligent, kennt und liebt den Sport, kann Teams bilden, er hat das Geschick."

"Es wäre nicht fair"

Bach weiß, dass diese Worte kein Freibrief sind für eine Wahl. Dass man nur verlieren kann, wenn man den Hut zu früh in den Ring wirft.

Er sagt: "Es ehrt den deutschen Sport und auch mich, dass der Präsident das so sieht. Aber es ändert nichts daran, dass es noch mehr als ein Jahr bis dahin ist. Es wäre nicht fair gegenüber dem IOC und dem Präsidenten, jetzt schon eine Personaldiskussion um die Nachfolge loszubrechen."

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