Ausfälle, Sorgenfälle, Härtefälle
London - "Don Johnson" ging es gar nicht gut. Der Schönling mit der rotbraunen Mähne fand sich in der Klink wieder, die behandelnden Ärzte verordneten strengste Schonung.
Ausgeträumt war er, der olympische Traum, vielleicht für immer - schließlich ist "Don Johnson" mit seinen zehn Jahren auch nicht mehr der allerjüngste.
Die Frau an seiner Seite war ratlos. "Dass er lahm gehen würde, damit hätte ich nie gerechnet", sagte Dressur-Ikone Isabell Werth über ihren Wallach.
Eine Zerrung am Fesselgelenk machte Werth und Pferd einen Strich durch die London-Rechnung, die Spiele finden ohne die fünfmalige Olympiasiegerin statt.
Werth gehört zu der Kategorie der deutschen Olympia-Sorgenkinder, die allerlei prominente Aus-, Sorgen,- und Härtefälle umfasst. Manche hoffen noch bis kurz vor Ultimo, die nötige Form zu finden.
Friedrich will zu Olympia
Eine Absage der Olympischen Spiele ist für Hochspringerin Ariane Friedrich hingegen doch kein Thema.
"Ariane ist eine Kämpferin, sie gibt nicht auf. So lange sie gesund ist und körperlich keine Probleme hat, ist eine Olympia-Absage kein Thema", wird ihr Trainer und Manager Günter Eisinger im "Spiegel" zitiert.
Friedrich sei "auf den Punkt körperlich fit", psychisch aber noch in keiner guten Verfassung, so Eisinger weiter.
Die 28-Jährige hatte die erforderliche Norm von 1,95 Meter verpasst, war vom Deutschen Olympischen Sportbund aber dennoch für die Wettkämpfe in der englischen Metropole nominiert worden. Das hatte für heftige Kritik ehemaliger Athleten gesorgt.
Scheitern an 1,87 Meter
Die Spekulationen um eine mögliche Absage Friedrichs hatte Eisinger anschließend selbst ins Rollen gebracht:
"Sie will nicht in London abserviert werden und wird dort nur starten, wenn sie gut springen kann." ( BERICHT: Frust beim "Kindersportfest": Olympia ohne Friedrich?)
Am Samstag scheiterte die WM-Dritte von 2009, Bestmarke 2,06 m, im norditalienischen Nest Pergine an 1,87 m - eine Höhe, welche die 28-Jährige normalerweise beim Einspringen packt.
De Zordo zuversichtlich
"Ich appelliere an die Eigenverantwortung, bei fehlender Form zu verzichten", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen in Richtung der Wackelkandidaten, zu denen auch Matthias de Zordo gehört.
Der Speerwurf-Weltmeister quälte sich lange mit einer Kapselverletzung im Ellenbogen und schaffte die Olympianorm von 82,00 m nicht.
"Ich werde es aber schaffen, in London in guter Form anzutreten", erklärte de Zordo.
Martin mit Bruch nach London
Ein Kampf gegen die Zeit wird das Unternehmen Olympia auch für Tony Martin. Der Zeitfahr-Weltmeister erlitt bei der Tour de France schon am zweiten Tag bei einem Sturz einen Bruch des Kahnbeins.
"Eine Medaille in London zu gewinnen, wäre fast schon ein Wunder", sagte Martin. Zumal die Konkurrenz um Tour-Sieger Bradley Wiggins mächtig ist.
Petkovic blutet das Herz
Immerhin ist Martin beim Saisonhöhepunkt dabei.
Die vom Pech verfolgte Andrea Petkovic hingegen muss auf das olympische Tennisturnier verzichten. "Mir blutet das Herz, Olympia war ein Lebenstraum", sagt die Darmstädterin, deren Fuß nach einem im April erlittenen Bänderriss nach wie vor zu unstabil ist.
Ähnliches gilt für Nicole Reinhardt: Die Kanu-Olympiasiegerin fällt wegen anhaltender Schulterprobleme aus.
Ohne Superstar Nowitzki
Die deutschen Ballsportler sind nahezu ein Gesamtausfall.
Während sich seine NBA-Kollegen auf die Operation Gold vorbereiten, macht Basketball-Superstar Dirk Nowitzki nur mit Gerüchten über seine angebliche Hochzeit Schlagzeilen.
Die Handballer, 2007 Weltmeister, sind in Gedanken schon bei der WM 2013.
Die Fußballerinnen, bis zur Heim-Weltmeisterschaft 2011 global führend, dürfen nach verpatzter Quali die Spiele im Fernsehen verfolgen.
Goldene Generation nicht vertreten
Dass ihre männlichen Pendants fehlen, ist schon schlechte Tradition. Zuletzt kickten sie 1988 olympisch, holten Bronze.
Mit dabei: Rudi Bommer, Gerhard Kleppinger oder Fritz Walter - Namen aus dem Fußball-Museum. In London wären zum Beispiel Marco Reus, Thomas Müller, Mario Götze und Toni Kroos plus drei Spieler über 23 Jahre spielberechtigt gewesen - eine Truppe mit Gold-Chance.
Reiterfraktion arg gebeutelt
Gebeutelt wurden "Don Johsons" vierbeinige Kollegen. Vorzeigepferd "Totilas", das potenziell teuerste Sportgerät der Spiele, ist zwar fit, bleibt dennoch im Stall - Reiter Matthias Rath plagte Pfeiffersches Drüsenfieber.
Springreiter Ludger Beerbaum stolperte ebenso über sein Pferd ("Gotha" war formschwach) wie Kollege Philipp Weishaupt ("Monte Bellini" fieberte).
"Corradina", Schimmelstute von Carsten-Otto Nagel, konnte nach einer Zahn-OP nicht mehr selbigen zulegen.
Im Gegensatz zu Petkovic und Co. dürfte die Tierfraktion mit entspannten Sommertagen aber nicht unzufrieden sein.
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