Keine Chance - nutzen wir sie
Von Barnabas Szoecs
München - Berlin war gestern, jetzt zählt für die DVV-Männer nur noch London.
Am 10. Juni qualifizierte sich die Truppe von Bundestrainer Vital Heynen in Berlin mit einem Sieg gegen Tschechien in letzter Sekunde für die Olympischen Sommerspiele (täglich im LIVE-TICKER).
Eine Zitterpartie - mit positivem Ende. Keine zwei Monate später steht das Team um Starspieler Georg Grozer nach 2008 erneut im Olympia-Fokus. (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)
In Peking scheiterten die damals unerfahrenen Deutschen früh, nun ist die Zielsetzung klar: sollte der Start ins große Turnier gelingen, ist das Viertelfinale drin.
Heynen zurückhaltend
Und das, obwohl die DVV-Männer nicht unbedingt souverän die Qualifikation gemeistert haben. Und das, obwohl sie es in der Vorrunde mit einem Who is Who zu tun bekommen.
"Wir sind nicht Weltmeister (wie Brasilien, Anm. d. Red), nicht Europameister (Serbien), nicht World-League-Sieger (Russland), nicht Olympiasieger (USA) und auch nicht Gewinner der Kontinental-Qualifikation (Tunesien)", hält der Bundestrainer fest.
"Im Prinzip sind wir ohne realistische Möglichkeit, um die nächste Runde zu erreichen. Aber wir haben die Realität schon einige Male geschlagen in den letzten Monaten."
Damit bezieht sich der Trainerfuchs vor allem auf den Qualifikations-Coup gegen Vize-Weltmeister Kuba, der das Happy End gegen Tschechien erst möglich gemacht hatte. Für den Traum vom Viertelfinale sind in der Hammergruppe mindestens zwei Siege nötig.
SPORT1 macht den Favoritencheck und beleuchtet die Favoriten in der DVV-Gruppe:
• Deutschland:
Ein großer Vorteil der Heynen-Truppe ist die Erfahrung. Mit Simon Tischer, Jochen Schöps, Björn Andrae, Marcus Popp und Marcus Böhme sind noch fünf Akteure aus der 2008er Mannschaft dabei. Auch die Co-Trainer Stefan Hübner und Ralph Bergmann waren bereits in Peking dabei.
Auch das Zusammenspiel innerhalb des Teams hat sich, besonders unter Heynen, stetig verbessert. Die Leistungen in der Olympia-Qualifikation beweisen - trotz einiger Patzer - das gute Spielverständnis.
• Russland:
Mit zwölf Olympia-Teilnahmen und neun Medaillen sind die Russen eines des erfahrensten Teams im gesamten Turnier.
Mit Superstars wie Diagonalangreifer Maxim Mykhailov und 2,18-Meiter-Mann Dmitry Musersky in der Mitte ist das Team von Trainer Vladimir Alekno hervorragend bestückt.
Auch die oft kritisierte Nervenschwäche haben die Russen mittlerweile abgestellt.
Für Heynen geht kein Weg an den Russen vorbei: "Sie sind der große Favorit auf die Goldmedaille."
• Brasilien:
Der amtierende Weltmeister gehört natürlich zu den Titelfavoriten, auch für Heynen: "Ich glaube, dass sie das Finale erreichen, sie haben große Namen im Überfluss: Visotto, Dante, Giba, Murilo, Bruninho, Rodrigao. Aber vielleicht ist die Mannschaft gegen uns nach vier Spielen schon etwas müde."
Ein wunder Punkt der Brasilianer könnte das Alter werden. Immerhin könnten mit den Außenangreifern Giba und Dante, Mittelblocker Rodrigao, Libero Sergio und dem reaktivierten Zuspieler Ricardo fünf Akteure dabei sein, die bereits 2004 in Athen die Goldmedaille holten.
Auch bei der World League 2012 präsentierte sich die Mannschaft von Coach Bernardinho nicht in Topform, erreichte nur Platz sechs.
Dennoch sind Schnelligkeit und spielerische Vielseitigkeit der Südamerikaner kaum zu übertreffen.
• USA:
Der Weltranglisten-Fünfte und Olympiasieger von 2008 ist definitiv eine Turniermannschaft, die ihre Stärken abrufen kann, wenn es darauf ankommt.
Auch die Amerikaner glänzen mit großer Erfahrung, immerhin holte das Team bereits drei Goldmedaillen bei Olympia.
Ob das Team von Cheftrainer Alan Knipe auch in London jubeln wird, darf allerdings leicht bezweifelt werden.
Besonders der Rücktritt von Zuspiel-Star Lloyd Ball hat der Mannschaft schwer geschadet, Experten trauen ihnen lediglich das Viertelfinale zu.
Auch Vital Heynen sieht den Gruppengegner geschwächt: "Es bleibt die Frage, wie schwer, das Wegfallen von Ball wiegt."
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